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Pläne und Abschiede

Sommerferien in Baden-Württemberg: Schüler und Lehrer aus der Region berichten

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Nach dem Schuljahr ist vor dem Schuljahr: Wie es für Lehrer und Schüler aus der Region Heilbronn nun weitergeht. Wir haben ein paar von ihnen gefragt.


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Für rund 1,15 Millionen Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg beginnen am Donnerstag die Sommerferien. Für manche von ihnen war es das letzte Schuljahr ihres Lebens. Wie viele Absolventen das Land dieses Jahr hervorgebracht hat, darüber liegen dem Statistischen Landesamt noch keine Zahlen vor. Im Jahr 2024 verließen knapp 102.000 Jugendliche die allgemeinbildenden Schulen mit einem Zeugnis.

Mehrheit der Schüler in Baden-Württemberg erlangte die Mittlere Reife

Die überwiegende Mehrheit von rund 49.000 erlangte die Mittlere Reife, rund 29.000 Schüler erreichten das Abitur und weitere rund 16.000 den Hauptschulabschluss. Während das Schuljahresende für manche einen Abschied bedeutet, bringt für andere der Ferienstart einen Neuanfang mit sich. In vergangenen Jahren wurden im September rund 100.000 Kinder eingeschult. Für Viertklässler stehen Wechsel an, für sie geht es auf die weiterführenden Bildungseinrichtungen. 

Und dann gibt es noch das Personal – Hausmeister, Lehrkräfte und Schulleiter, die auch während der großen Ferien keine Pause einlegen und Vorbereitungen für das nächste Schuljahr treffen. Unsere Redaktion hat mit Menschen aus der Region darüber gesprochen, was sie aus dem vergangenen Jahr mitnehmen und wie es weitergeht.

Praktika und Ausland: Absolventin aus Pfedelbach hat Pläne für danach

Ein bisschen komisch fühlt es sich schon an, plötzlich nichts mehr für die Schule machen zu müssen, findet Ida Köhler. Die 19-Jährige Pfedelbacherin hat ihr Abitur in der Tasche. Aktuell reist sie durch Irland. „Ich schaue mir die Landschaft und die Kultur an und möchte auch viele verschiedene Menschen kennenlernen“, erzählt sie. Im August kehrt sie zurück und plant, sechs Monate lang in verschiedene Bereiche reinzuschnuppern: im Straßenbau, bei einem Zimmermann, im Ingenieurbüro und in einer Schreinerei. „Nach den Praktika möchte ich im Sommersemester Bauingenieurwesen studieren“, gibt Ida Köhler an. Bald ein ganz anderes Leben zu haben als früher, fühle sich komisch und gut zugleich an. „Ich bin froh, dass ich jetzt aus der Schule raus bin“, meint die junge Frau. „Es war zwar oft anstrengend, aber im Endeffekt bin ich froh, dass ich es bis zum Schluss durchgezogen habe.“ 

Ida Köhler aus Pfedelbach hat ihr Abitur in der Tasche.
Ida Köhler aus Pfedelbach hat ihr Abitur in der Tasche.  Foto: privat

Von Eppingen nach Heilbronn: Schulwechsel nach Sommerferien

Eigentlich war klar, welche Kurse es in der Jahrgangsstufe sein sollten. Das Abitur mit Musik sollte es sein, schließlich spielt Catharina Ochs seit zwölf Jahren Blockflöte und tritt im Ensemble auf. Doch nach der Kurswahl am Eppinger Hartmanni-Gymnasium war klar, manches kommt nicht zustande. Nach einigen Überlegungen stand fest, dass Catharina Ochs nach der zehnten Klasse das Gymnasium wechselt. Die Gemmingerin wird am 15. September mit der Stadtbahn statt nach Eppingen in die entgegengesetzte Richtung nach Heilbronn fahren. „Einerseits ist es traurig, dass ich meine Freunde dann nicht mehr sehe“, sagt die 17-Jährige. „Andererseits freue ich mich auf die neue Schule.“ Am Mönchsee-Gymnasium in Heilbronn gibt es Musik im Leistungskurs und Französisch im Basiskurs in Klasse elf. „Das wollte ich unbedingt weitermachen“, erzählt die Schülerin. Möglich ist es nur mit Schulwechsel. 

Catharina Ochs wechselt zum Schuljahresbeginn an ein anderes Gymnasium.
Catharina Ochs wechselt zum Schuljahresbeginn an ein anderes Gymnasium.  Foto: Ochs, Tanja

Nach dem Abitur ins Ausland: Als Au-pair in Amerika

Für Vivian Megerle war klar, dass sie zwischen Abitur und Studium gern ins Ausland möchte. Und zwar am liebsten in die USA. „Dabei wollte ich auch etwas mit Kindern machen. Ich habe sehr viel Erfahrung in der Kinderbetreuung durch die Kinderprogramme in meiner Gemeinde“, sagt die 19-Jährige. Ein Jahr als Au-pair in Amerika gibt so die perfekte Möglichkeit, ihre Interessen, das Reisen, neue Kulturen kennenzulernen und die Arbeit mit Kindern zu kombinieren. Und dabei ein Lebenskapitel vor dem Studium mit wertvollen Erfahrungen und Erlebnissen zu füllen. Ein bisschen aufgeregt ist Vivian schon. Wird die Familie nett sein? Werden die Kinder nervig sein? Wird sie Heimweh haben? Wird es einfach, sich in einer völlig neuen Umgebung einzuleben? In dem Jahr in Amerika, hofft Vivian Megerle, wird sich auch herauskristallisieren, ob der aktuelle Studienwunsch, nämlich Soziale Arbeit, noch der Richtige ist.

Vivian Megerle wird als Au-pari in Amerika arbeiten.
Vivian Megerle wird als Au-pari in Amerika arbeiten.  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

Letztes Schuljahr geht zu Ende: Talheimerin geht in Pension

Nach Stationen an Realschulen in Heilbronn und Neckarsulm und zuletzt an der Grundschule in Neckarwestheim beginnt für Gabi Kern die Pension. „Dass ich nie wieder vor einer Klasse stehen werde, das macht mich traurig“, sagt die Talheimerin. Vieles hätten Kinder ihr zurückgegeben. Auch Konflikte mit Jugendlichen in der Pubertät seien nie schlimm gewesen, obwohl die Frustrationstoleranz der Kinder kleiner geworden sei. Vor allem Sport und Werken waren ihre Fächer. Über ihre Tätigkeit am Schulamt hörte sie, dass in Neckarwestheim eine Lehrerin mit ihrem Profil gesucht wurde. An einer Grundschule wollte sie schon immer sein. „Jetzt oder nie“, sagte sie sich – für die letzten fünf Berufsjahre ging sie hin und hatte etwa in Kunst viel mehr Freiraum als an einer Realschule. „Es hat sehr viel Spaß gemacht.“ In der Pension will sie ein zweites Bilderbuch schaffen, auch mehr Zeit für ihre Enkel will die 63-Jährige haben

Gabi Kern, Lehrerin in Neckarwestheim, hat sich in den Ruhestand verabschiedet.
Gabi Kern, Lehrerin in Neckarwestheim, hat sich in den Ruhestand verabschiedet.  Foto: privat

Schulleiterin erzählt: Bauarbeiten und Vorbereitungen in den Sommerferien

„Das Schuljahr geht immer viel zu schnell rum“, findet Melanie Haußmann. Kaum sei man im „Flow“, da sei es prompt auch schon wieder vorbei, sagt sie und lacht. Seit 2018 ist die 52-Jährige Rektorin an der Heinrich-von-Kleist-Realschule in Heilbronn-Böckingen. „Es war ein tolles Schuljahr“, resümiert sie. Viel sei geschafft worden: die Vollausstattung der Schüler mit iPads zum Beispiel. Damit sei man „super zufrieden“. Auch der Maker Space und der Fitnessraum seien neu eröffnet worden. Aber auf den Erfolgen ausgeruht wird sich auch in den Sommerferien nicht. „Bei uns wird es große Umbaumaßnahmen geben“, kündigt Haußmann an. Direkt am ersten Ferientag gehe es los. Die Räume sollen eine modernere Innenausstattung bekommen. Außerdem wird alles für die Einschulungsfeier der Fünftklässler vorbereitet. Für Melanie Haußmann geht es zwischendrin aber auch noch in den Urlaub ans Meer. 

Melanie Haußmann, Schulleiterin in Heilbronn, blickt stolz auf das Schuljahr zurück.
Melanie Haußmann, Schulleiterin in Heilbronn, blickt stolz auf das Schuljahr zurück.  Foto: privat

Rauschmiss aus dem Kindergarten und ab in die Grundschule

Bald heißt es Abschied nehmen für Sarah Bihr. Für die Sechsjährige aus Lauffen steht der Schritt vom Kindergarten in die Grundschule an. Im September wird sie in der Waldorfschule in Heilbronn-Sontheim eingeschult. Darauf freut sie sich schon, besonders auf die Handarbeiten, die sie dort machen darf. Und auch Lesen und Schreiben darf sie bald lernen. Ob sie auch vor etwas Angst hat? „Nein“, sagt das Mädchen mit Nachdruck. Den Wechsel muss sie auch nicht allein vollziehen, zwei ihrer Freunde aus dem Kindergarten werden auf dieselbe Schule gehen. Sarah Bihr ist das jüngste von drei Kindern, ihre zwei Geschwister besuchen ebenfalls die Waldorfschule. Stolz präsentiert sie ihren blauen Schulranzen, den sie bald täglich tragen wird. Am heutigen Mittwoch erfolgt noch der traditionelle Rausschmiss aus dem Kindergarten. Dabei werden die Kinder durch einen Rosenbogen in die Arme der Eltern geworfen.

Sarah Bihr (6) kommt im September in die erste Klasse.
Sarah Bihr (6) kommt im September in die erste Klasse.  Foto: Bihr, Lina
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