Heilbronner Rettungsorganisationen: Was „bergen“ und „retten“ wirklich bedeuten
Die Wörter Retten und Bergen werden in der Berichterstattung und im Alltag oft synonym verwendet. Doch es kann Sinn machen, die Begrifflichkeiten voneinander abzugrenzen.
Die Wörter „retten“ und „bergen“ werden im Alltag und in der Berichterstattung oft synonym verwendet. Doch gerade im Einsatz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten gibt es eine klare Unterscheidung – und die kann entscheidend sein.
Ausgangspunkt ist eine Diskussion auf Facebook. Unter einem Facebook-Beitrag der Heilbronner Stimme wurde kritisiert, dass von „geborgen“ die Rede war, obwohl die betroffenen Personen noch lebten.
Heilbronner Polizei und der Heilbronner Rettungsdienstleiter: Im Einsatz eine klare Regel
„Vereinfacht gesagt bezieht sich das Retten auf lebende Menschen oder Tiere, geborgen werden hingegen Gegenstände und Lebloses“, erklärt eine Sprecherin der Polizei Heilbronn. Ähnlich sieht es der Rettungsdienst: „Retten bedeutet, Menschen in einer Notlage zu versorgen und in eine bessere Situation zu bringen“, sagt DRK-Rettungsdienstleiter Markus Stahl.

Auch bei der Feuerwehr ist die Unterscheidung fest verankert. „Wenn über Funk gemeldet wird, dass eine Person geborgen wurde, ist klar: Sie ist tot“, sagt Feuerwehrsprecher Jürgen Vogt. „Bei einer Rettung hingegen weiß jeder: Die Person lebt.“
In Wörterbüchern werden die Begriffe synonym verwendet: Feuerwehrsprecher widerspricht
Der Pressesprecher der Feuerwehr Heilbronn, Jürgen Vogt gibt einen Einblick in die Praxis und warum eine Unterscheidung zwischen „gerettet“ und „geborgen“ so wichtig ist: „Wenn über Funk durchgegeben wird, dass eine Person geborgen wurde, ist klar: Sie ist tot. Dann muss nichts mehr erklärt oder umschrieben werden.“ Andererseits sei bei einer Rettung klar: Es ist niemand gestorben, sagt Vogt. „Das ist einfach so verknüpft.“
Außerhalb des Einsatzgeschehens wird diese klare Grenze jedoch nicht gezogen. Im Duden und im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache werden „retten“ und „bergen“ teilweise synonym verwendet. Dort kann auch ein Mensch „lebend geborgen“ werden.
Dem würde Jürgen Vogt widersprechen: „Bei der Feuerwehr sieht man das anders.“ Es gebe keinen größeren Widerspruch, als zu sagen, jemand wurde lebend geborgen. „Das führt dann zu Irritationen und Missverständnissen.“
Eine klare Abgrenzung kann je nach Gebrauch sinnvoll sein
So hängt es letztlich vom Blickwinkel des Betrachters ab. Im großen Teil des Blaulicht-Sprachgebrauchs wird mit dem Wort „bergen“ etwas Lebloses in Verbindung gebracht. Alles was „gerettet“ wird, lebt. In der Alltagssprache wird diese Grenze nicht gezogen. So kann auch ein ins Wasser gefallenes Handy „gerettet“ werden. Oder ein lebender Mensch geborgen. In der alltäglichen Sprachverwendung ist beides richtig.
Für Einsatzkräfte ist die klare Trennung mehr als nur Wortklauberei. Sie dient der schnellen und eindeutigen Kommunikation – besonders in stressigen Situationen. Missverständnisse können hier gravierende Folgen haben.
Übrigens: Auch wenn beide Möglichkeiten in dem eingangs beschriebenen Fall je nach Definitionsansatz ihre Gültigkeit gehabt hätten, wurde im Facebook-Beitrag der Stimme inzwischen das Wort „geborgen“ durch „gerettet“ ersetzt.
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