Zurück ins Leben nach einer halben Stunde unter Wasser
Wie war es möglich, dass Helfer einen 17-Jährigen wiederbeleben konnten, der am Montagabend im Breitenauer See untergegangen und lange Zeit unter Wasser war?

Ein junger Mann ist beim Schwimmen am Montagabend im Breitenauer See fast ertrunken. Herbeigeeilte Rettungskräfte konnten den bereits untergegangenen Mann erst aus dem Wasser holen und dann reanimieren - Rettungssanitäter und Notarzt waren aus Löwenstein gekommen.
Eine knappe halbe Stunde war der 17-Jährige unter Wasser. Seit Wochen sind Liegewiesen am See in Folge der Corona-Beschränkungen gesperrt, auch das Badeverbot ist noch in Kraft.
"30 Minuten unter Wasser sind eine sehr lange Zeit", sagt Reinald Gütter. Er ist Mitarbeiter des Rettungsdienstes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Heilbronn. Ein Notarzt und drei Notfallsanitäter waren am Montagabend vor Ort. Dafür, dass nach einer so langen Zeit die Wiederbelebung erfolgreich war, sei die Wassertemperatur mitentscheidend.
Auch Krampf als Ursache für Unglück möglich
"Bei normalen Temperaturen und einem Kreislaufstillstand ist das Gehirn nach zirka fünf Minuten irreparabel beschädigt", erläutert Gütter. "Durch das kühle Wasser ist aber der Stoffwechsel verlangsamt." Dann könne eine Reanimierung auch nach längerer Zeit erfolgreich sein.
Nachdem am Unglücksort von den möglicherweise schlechten Schwimm-Fähigkeiten des Verunglückten die Rede war, hält Gütter auch andere Gründe für dessen Untergehen für denkbar. "Auch ein Krampf ist möglich oder ein internistisches Problem. So etwas kann auch bei jungen Menschen vorkommen." Bei Badeunfällen behinderten zudem oft nicht-medizinische Umstände die Arbeit der Retter. "Wegen der vielen Besucher an einem See ist oft Sichtschutz notwendig. Das hat am Montag sehr gut funktioniert."
Über die seit Anfang Mai geltenden Regeln rund um den Breitenauer See wachen die Ordnungsämter Obersulms und Löwensteins. Dazu gehören nicht nur Abstandsregeln und Kontaktverbote am Breitenauer See, sondern auch Badeverbot und Betretungsverbot für alle Liegewiesen.
"Der Unglücksfall ist sehr bedauerlich. Nach unseren Erkenntnissen haben sich die Menschen bisher ans Badeverbot gehalten. Problematisch war eher die Nutzung der Liegewiesen", sagt die Obersulmer Ordnungsamtsleiterin Larissa Wedberg. Mitarbeiter des Ordnungsamtes würden vor allem dann kontrollieren, wenn viel Betrieb am See zu vermuten ist, ansonsten eher unregelmäßig. "Am Pfingstmontag war kein Mitarbeiter der Gemeinde vor Ort." Wann die Verbote aufgehoben werden, sei unklar.
Ordnungsämter und Polizei kontrollieren
Nicht nur die Verwaltung, auch die Polizei schaut gelegentlich nach dem Rechten am See. "Im Rahmen des Streifendienstes sind wir auch am Breitenauer See", sagt Yannick Zimmermann. Er ist Sprecher des Heilbronner Polizeipräsidiums. In den vergangenen Wochen sei der See ein Schwerpunkt der Kontrollen durch die Polizei gewesen - auch zuletzt habe man immer wieder beliebte Orte aufgesucht. "Jederzeit und überall zu sein, ist aber nicht möglich."
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