Zu Wasser und am Boden: THW probt den Ernstfall
Vier THW-Ortsverbände, Feuerwehr und DLRG üben an drei Einsatzorten, wie sie effektiv zusammenarbeiten können. Im Osthafen kommt eine flexibel nutzbare Arbeitsplattform zum Einsatz. Aber auch Hunde müssen ran.
Ungewöhnlich viele blaue Einsatzfahrzeuge haben sich am Samstag in den Heilbronner Stadtverkehr eingereiht. Verteilt auf drei Standorte probten vier Verbände des Technischen Hilfswerks (THW) sowie Einheiten von Feuerwehr und DLRG den Ernstfall. Am Boden und zu Wasser. Schließlich müssen die Handgriffe sitzen, muss die Zusammenarbeit funktionieren, wenn es wirklich um Menschenleben geht. "96 Leute sind insgesamt im Einsatz", sagt Pressesprecher Felix Ritschel vom THW-Ortsverband Oberhausen-Rheinhausen.
Fährenführer dirigiert die Männer an den Motoren
Heribert Börzel fehlt vielleicht die weibliche Anmut von Kate Winslet in "Titanic", dafür wirkt er viel authentischer. Und noch viel wichtiger: Die motorisierte Arbeitsplattform, die er durch den Heilbronner Osthafen steuert, geht im Gegensatz zu Winslets Transportmittel nicht unter. Der Fährenführer dirigiert mit knappen Handbewegungen die Männer an den beiden 70 PS starken Außenbordmotoren. 50 Meter entfernt treibt eine Rettungspuppe im Wasser. Die THW-Leute im Bug der Plattform machen sich bereit, packen entschlossen zu und wuchten die rund 100 Kilogramm schwere Puppe an Bord. "Den Bauch zum Boot", ruft Börzel.
Arbeitsplattform war nach zwei Stunden zusammengebaut
Zwei Stunden hat es gedauert, bis das THW-Team aus Oberhausen-Rheinhausen die Plattform aus vier Pontons und mehreren Querverbindungen zusammengebaut hatte. Vier Tonnen kann das flexibel einsetzbare und erweiterbare Gefährt tragen. Im Bodensee zum Beispiel half das THW damals mit, Sturmholz aus dem Wasser zu fischen.
Während Heribert Börzel die Plattform aus Aluminium zum nächsten "Wasseropfer" steuert, durchkämmen Taucher des DLRG eine andere Ecke des Osthafens. Sie müssen in etwa drei Meter Tiefe mehrere Fässer finden. Kollegen auf einem Motorboot unterstützen die Taucher, geben ihnen Orientierung.
Freischwebenden Steg unter der Autobahn errichtet
Ortswechsel: Unter einer A6-Brücke bei den Böllinger Höfen helfen das THW Heilbronn und die Feuerwehr zusammen. Aufgabe: Sie müssen einen Steg über einen Bach bauen. Das Gewicht von rund 2000 Litern Wasser soll den aus Gerüstteilen zusammengesteckten Steg so stabilisieren, dass er acht Meter frei über dem Boden schweben kann. Eine kräftige Pumpe saugt das Wasser aus dem Bach. Derweil verlängert ein Zwei-Mann-Team den Steg. Modul um Modul setzen sie an. Eine anstrengende Arbeit. Der Beton der Autobahn wirft das Geräusch der Hammerschläge zurück, mit denen die Männer Keile in Ösen treiben und damit die Teile verbinden.
"Mit den Gerüstelementen sind wir sehr flexibel", sagt Jan Spieler vom THW Heilbronn. Möglich sind solche Konstruktionen als Steg bei Hochwasser oder als Stabilisator von Gebäuden nach Gasexplosionen.
Suche mit Hunden und technischem Gerät
Nach Explosionen oder Erdbeben stehen Retter oft vor der Herausforderung, verschüttete Opfer zu finden. Und auch das steht am Samstag auf dem Übungsprogramm. Auf dem Gelände der Rettungshundestaffel Unterland spielen die Männer und Frauen des THW Heidelberg verschiedene Szenarien durch.
Während Sven Latki über die neueste technischer Errungenschaft referiert, zerbellt im Hintergrund ein Belgischer Schäferhund die Stille. Er hat die im Untergrund versteckte Person gefunden. Mit den neuen Geophonen, einem akustischen Suchsystem, kann das THW Verschüttete besser aufspüren.
Egal, ob Mikrofon oder Hund: Erfolge gibt es nur bei entsprechendem Training. "Die Hundehalter investieren 500 bis 600 Stunden pro Jahr", sagt Latki. Die Suche ist für die Hunde so anstrengend, dass sie auch bei guten Bedingungen nur 15 bis 20 Minuten am Stück arbeiten können.
Davon kann am Samstag keine Rede sein. Hitze bei knapp 30 Grad. Da hat es Kate Winslet mit ihrer Mannschaft im Osthafen besser erwischt.
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