Zu Besuch in der Polizeihundestaffel Offenau

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Elvis, Brix und Freddy sind Polizeihunde, die für die harten Einsätze ausgebildet wurden. Die vierpfotigen Cops lernen mit Geruchsstoffen, die spielerisch eingesetzt werden, und reagieren auf sogenannte Klicker.

Romano Kröss, Leiter der Hundestaffel, mit seinem Riesenschnauzer Freddy.
Romano Kröss, Leiter der Hundestaffel, mit seinem Riesenschnauzer Freddy.  Foto: Veigel, Andreas

Oh, die Polizeihunde sind ja süß. Darf man die streicheln? Romano Kröss, Leiter der Polizeihundestaffel in Offenau: "Das habe ich nicht so gerne." Tja, so ist das hier, kein Vergnügungspark. Elvis, Brix und Freddy sind Polizeihunde. Für die harten Einsätze wurden sie ausgebildet. Für das Aufspüren von Drogen und Waffen und zum Schutz der Beamten. Es ist aber nicht die ganze Wahrheit. Auch Polizeihunde sind verschmust, wie Romano Kröss doch zugeben muss. Sein Riesenschnauzer darf daheim aufs Sofa liegen. "Ja, er hat es auf das Sofa geschafft", gibt Kröss zu und lacht. Zum Glück kann Freddy privat und dienstlich trennen.

Üblich sind deutsche und belgische Schäferhunde

Die Polizisten, die hier arbeiten, dürfen grundsätzlich selbst entscheiden, welche Hunderasse sie wählen. Üblich sind deutsche und belgische Schäferhunde. Kröss ist mit seinem Riesenschnauzer eine Ausnahme. Ihm gefielen die Charaktereigenschaften des Riesenschnauzers, sagt der Hunde-Experte. Die Rasse wird beworben mit den Stichworten "unbestechliche Treue, hervorragender Diensthund, wunderbarer Familienhund". Und neben der Dienstzeit gibt es für die Polizeihunde natürlich auch den privaten Teil. Während sie tagsüber den Polizeizwinger gewohnt sind; natürlich mit entsprechend Auslauf und Training, folgt am Abend das Privatdomizil von Frauchen oder Herrchen.

Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Heilbronn gibt es 24 Diensthunde im Einsatz. Sie sind stationiert in Tauberbischofsheim, in Buchen - und eben in Offenau. Klar ist, sagt Kröss: Wer als Polizist zur Hundestaffel will, "der hat eine hohe Affinität zu Hunden". Auch der 53-jährige Romano Kröss hat seit seinem 14. Lebensjahr Hunde zu Hause, mit kurzer Unterbrechung in der Zeit, in der die Kinder klein waren. Ganz grundsätzlich gibt es eine Menge Bewerbungen für die Hundestaffel, viele Polizisten möchten ihr Hobby zum Beruf machen.

Alles für die Belohnung

Kröss war lange Jahre bei der Kripo und zwischenzeitlich auch Leiter der Autobahnfahndung, bevor er vor einem Jahr zum Leiter der Hundestaffel wurde. Die vierpfotigen Cops werden für ganz unterschiedliche Einsatzgebiete ausgebildet. Sie lernen mit Geruchsstoffen, die spielerisch eingesetzt werden, und reagieren auf sogenannte Klicker. Schäferhund Brix beispielsweise suchte begeistert nach Sprengstoff, weil er sein Lieblingsspielzeug zur Belohnung haben möchte, ein altes Stück Feuerwehrschlauch.

Was sie alle eint: Sie sind sogenannte Schutzhunde und dienen dem Schutz der Polizisten bei heiklen Missionen. Zum Beispiel, wenn sie sehr früh an einen Tatort kommen und der Verdacht naheliegt, dass noch Einbrecher unterwegs sind - welcher Täter hat schon Lust, sich mit einem Polizeihund auseinanderzusetzen?

Hund kommt nur in Notfällen zum Einsatz

Bernd Kaupp und Carmen Zartmann-Seitz trainieren mit Elvis. Welche Kraft der Schäferhund hat, kann Kaupp hier deutlich spüren. Fotos: Andreas Veigel
Bernd Kaupp und Carmen Zartmann-Seitz trainieren mit Elvis. Welche Kraft der Schäferhund hat, kann Kaupp hier deutlich spüren. Fotos: Andreas Veigel  Foto: Veigel, Andreas

Sehr, sehr selten kommt es vor, dass die Hunde wirklich einschreiten müssen. Romano Kröss schildert beispielhaft, wie im vergangenen Jahr ein Mann gewalttätig wurde gegenüber anderen und selbst die hinzugerufenen Polizisten gefährdet wurden. Dem Hund wurde der Befehl zum Angriff gegeben, er attackierte den Mann und biss ihn. Wie Kröss berichtet, war der Mann im Anschluss verletzt, denn der Hund biss mit Kraft zu - doch manchmal geht es nicht anders. Der Hund wird dann zum Hilfsmittel zur körperlichen Gewalt, wie es in der Polizeisprache heißt.

"Die Leute stellen sich das immer so einfach vor", sagt Kröss über Situationen, in denen die Polizei mit Menschen zu tun hat, die psychisch belastet sind und sich in einem sogenannten Ausnahmezustand befinden. Manchmal sind diese auf Drogen und kaum noch unter Kontrolle zu bringen, weil sie selbst Polizisten nicht mehr so wahrnehmen, wie es eigentlich sein sollte. Sie sind zu allem bereit. "Wer auf Drogen ist, bei dem ist manchmal auch das Schmerzempfinden sehr gering", erklärt der Leiter der Hundestaffel.

Die Diensthunde dagegen spüren alles um sie herum genau. "Wenn es losgeht zum Einsatz, merken sie das", sagt Kröss. "Wir sind ja dann auch angespannter als sonst. Die ganze Stimmungslage um die Hunde herum ist dann anders."

Spürhund für Waffen, Drogen oder Geld

Brix, ein belgischer Schäferhund, sucht und schnüffelt die Trainingsräumlichkeiten in Offenau ab.
Brix, ein belgischer Schäferhund, sucht und schnüffelt die Trainingsräumlichkeiten in Offenau ab.  Foto: Veigel, Andreas

Nach der Ausbildung zum Schutzhund folgt die Spezialisierung. Er wird Spürhund für Waffen, Drogen oder Geld, oder trainiert auf Leichensuche oder Brandermittlungen. Der Job als Schnüffler vom Dienst kann vielseitig sein. Früher war es so, dass die Hunde, sobald sie etwas gefunden haben, mit den Pfoten kratzten. Und dabei nicht selten Möbel zerstörten oder Haustüren oder Fahrzeuge, was Regressforderungen nach sich ziehen konnte. Wenn das Beweismittel beschädigt wird, dann ist das natürlich auch suboptimal. Daher zeigen die Hunde heute ihre Entdeckung anders an: Indem sie einfrieren. Sie erstarren sozusagen.

200 Millionen Riechzellen

Kröss beschreibt ein weiteres Beispiel aus dem Hundestaffel-Alltag. Einer ihrer Hunde spürte im vergangenen Jahr Patronenhülsen auf - wichtige Beweismittel für ein anschließendes Gerichtsverfahren. Richtig schwer haben es Marihuana-Dealer, ihren Stoff zu verstecken. Wenn ein Polizist vor der Tür steht, mag das noch kein Grund zur Beunruhigung sein. Problematisch wird es, wenn er seinen Freund auf vier Pfoten dabei hat. Das treibt jedem Dealer den Schweiß auf die Stirn. Man kennt es aus Kriminalfällen. Geld oder Drogen in einer Schublade mit doppeltem Boden versteckt, genau das fanden Ermittler vergangenes Jahr in einer Wohnung im Raum Heilbronn. "Bei einer normalen Wohnungsdurchsuchung ohne Drogenhund hätten wir mit Sicherheit nichts gefunden", sagt Kröss. Oder die ganz schlauen Dealer, die meinten, die zwischen Müllsäcken versteckten Drogenbeutel mit Kot einschmieren zu müssen, um den Hund abzulenken. Pech gehabt. "Eine Hundenase hat 200 Millionen Riechzellen", so Kröss.

Wie lange Polizeihunde im Dienst sind, ist unterschiedlich. Das dürfen auch Frauchen und Herrchen mit entscheiden. "Es kommt ganz auf Alter und Gesundheit an", sagt Kröss. Wie beim Mensch auch folgt irgendwann der wohlverdiente Ruhestand.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben