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Zahl der Erwerbstätigen steigt: Heilbronn weit vorne – IHK nennt Gründe

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Heilbronn verzeichnet den zweithöchsten Zuwachs an Erwerbstätigen in Baden-Württemberg – trotz Energiekrise, Fachkräftemangel und Rückgang der Wirtschaft. Das sagt die IHK zu den Gründen.

von Julian Ruf
Noch nie gingen so viele Menschen im Raum Heilbronn-Franken einer Arbeit nach. Dazu zählen auch der Hohenlohekreis, der Landkreis Schwäbisch Hall und der Main-Tauber-Kreis.
Noch nie gingen so viele Menschen im Raum Heilbronn-Franken einer Arbeit nach. Dazu zählen auch der Hohenlohekreis, der Landkreis Schwäbisch Hall und der Main-Tauber-Kreis.  Foto: Carsten Rehder

Inflation, Pandemie, Fachkräftemangel, Energiekrise und die deutsche Wirtschaft ist auch noch leicht geschrumpft - die vergangene Jahre waren keine Glanzjahre für den deutschen Arbeitsmarkt. Trotzdem ist die Zahl der Erwerbstätigen nicht nur im Raum Heilbronn gestiegen. Wie ist das zu erklären? Die Industrie- und Handelskammer erklärt den Grund.

Im jüngsten Erhebungsjahr 2022 gingen in Baden-Württemberg insgesamt 6,3 Millionen Menschen einer Arbeit nach, wie aus Daten des statistischen Landesamtes hervorgeht. Ein Zuwachs von 1,3 Prozent im Vergleich zum Pandemiejahr 2021. Kaum eine andere Stadt konnte in dieser Zeit einen so großen Anstieg von Erwerbstätigen verzeichnen wie Heilbronn. Im Jahr 2022 gab es im Heilbronner Stadtkreis rund 100 000 arbeitende Personen, was einem Zuwachs von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Stadtkreis weit vorne, Landkreis Heilbronn landet im Mittelfeld

Nur Heidelberg lag mit einem Anstieg von 2,4 Prozent bei den Erwerbstätigen ganz knapp vor Heilbronn. In Stuttgart lag der Zuwachs mit rund 537 000 Arbeitnehmern nur bei 1,1 Prozent. Der Landkreis Heilbronn brachte es mit rund 182 000 Erwerbstätigen immerhin auf einen Zuwachs von 1,2 Prozent, wobei dieser Anstieg beim Vergleich aller Landkreise in Baden-Württemberg nur für einen Platz im Mittelfeld reichte. Laut der Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Stuttgart, Dr. Susanne Herre, gibt es vor allem zwei Gründe, warum trotz aller Krisen die Zahl der Erwerbstätigen in Städten wie Heilbronn mit den zugehörigen Landkreisen nach oben ging.

Als erster Grund wäre der Fachkräftemangel zu nennen. "Aufgrund dieses Mangels tun die Betriebe sehr viel dafür, ihre Beschäftigten auch bei schlechter Auftragslage zu halten", sagt Herre der Heilbronner Stimme. Kurzarbeit stehe bei Unternehmen derzeit höher im Kurs, als die Entlassung von Mitarbeitern.

Work-Life-Balance soll Schuld sein – Teilzeitarbeit ein großer Punkt

Einen zweiten Grund für den Anstieg der Erwerbstätigkeit sieht Herre im viel diskutierten Phänomen der "Work-Life-Balance", was laut IHK auch durch die Angaben der Agentur für Arbeit bestätigt werde. Im Endeffekt bedeute dies, dass zwar mehr Menschen einer Arbeit nachgehen, das Arbeitsvolumen aber nicht proportional mit ansteigt. Teilweise sei der Anstieg der Erwerbstätigkeit auf mehr Teilzeitbeschäftigungen zurückzuführen.

Diese Einschätzung sieht man mit einem Blick auf die veröffentlichten Zahlen des Landesamtes bestätigt. Im gesamten Raum Heilbronn ist die Zahl der marginal Beschäftigten gestiegen, also die Zahl der Erwerbstätigen, die nicht der vollen Sozialversicherungspflicht unterliegen, wie zum Beispiel Mini-Jobber. In der gesamten Region Heilbronn-Franken gibt es inzwischen rund 55 000 geringfügig Beschäftigte.

Doch es gibt auch Rückgänge zu verzeichnen, beispielsweise bei den Selbstständigen: Zu den Selbstständigen zählen auch Handwerker mit einem eigenen Betrieb. Die Zahl der Selbstständigen ist laut Landesamt in allen Landkreisen Baden-Württembergs rückläufig, auch in Heilbronn und Umgebung, wo sie von 2021 zu 2022 um 1,4 Prozent zurückgegangen ist.

Kurzarbeit anstatt Entlassung – Anstieg an Erwerbstätigen in Heilbronn

Das liege laut IHK-Chefin Herre vor allem an den bürokratischen Rahmenbedingungen für Selbstständige. "Statt sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren zu können, müssen sich die Betriebe mit Dokumentationen, Mitteilungspflichten und sonstigen Formalitäten befassen. Das hat mittlerweile ein fast unerträgliches Maß erreicht", so Herre weiter. "Aber auch bei den Neugründungen verzeichnet Baden-Württemberg einen deutlichen Rückgang. So haben im vergangenen Jahr nur knapp 3000 Männer und etwa 1000 Frauen den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt." Ein für Arbeitnehmer attraktiver Markt senke außerdem die Entscheidungsquote für eine Selbstständigkeit.

Für "Stirnrunzeln" sorge bei der IHK Stuttgart, aber auch bei Dr. Susanne Herre, der Ausblick auf die kommenden zwölf Monate. Während der Arbeitsmarkt 2022 noch stabil war, weisen die Konjunkturumfragen der IHK für den Arbeitsmarkt zukünftig ins Minus. "Verantwortlich dafür ist zum einen der derzeitige wirtschaftliche Abwärtstrend, aber auch die technologische Transformation, insbesondere in einer von der Automobilindustrie geprägten Region, wie dem Raum Heilbronn", sagt Herre.

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