Wo die Liebe der Heilbronner hinfällt
Ein Kuss, eine Umarmung, ein herzliches Lachen: Welche Geschichten stecken hinter diesen Gesten? Wir haben in Heilbronn nach der Liebe und Freundschaft gesucht und Menschen aus der Region gefragt, was sie zusammenhält.

Auf der Suche nach kleinen und großen Romanzen haben wir in der Heilbronner Fußgängerzone Ausschau nach Zeichen der Liebe gehalten und wollten mehr über sie erfahren: Welche Liebesgeschichten haben Menschen aus der Region zu erzählen? Was schätzen sie aneinander? Was hält sie zusammen?
Zehn Passanten haben uns ihre Geschichten erzählt, die hinter diesen Zeichen stecken. Darunter sind Jüngere und Ältere, verheiratete und unverheiratete Paare mit und ohne Kinder. Freunde und Freundinnen, die schon viele Jahre oder einige Monate zusammen durchs Leben gehen.
Pünktlich zum Valentinstag widmet sich die Stimme-Redaktion dem Thema Liebe in all seinen Facetten. Auch Sie können im Februar Teil unseres Monatsthemas werden. Schicken Sie uns Ihre Geschichten von Freundschaft und Liebe über dieses Formular!
Ihre Geschichten handeln von dem Zufall, der bestimmt, wo die Liebe hinfällt. Für manche Leute ist es Glück, wenn es tatsächlich passt. Und manchmal entscheiden auch die eigene Herkunft, die Sprache und die Religion, ob zwei Menschen eng zusammenwachsen.
Bei ihren Erzählungen wird eines deutlich: All you need is Love, die Liedzeile, wie sie die Beatles in ihrem gleichnamigen Erfolgshit besangen, behält nach wie vor ihre Aktualität.
Alles begann mit einem Herz

Das quirlige Wesen seiner Tochter Bensu fordert Ali Ürers ganze Aufmerksamkeit. Die Einjährige ist auf Entdeckungstour und untersucht ihre Umgebung genau. Auf dem Arm ihres Vaters hält sie darum nur schwer still. Alis Frau Yagmur Ürer schiebt den Kinderwagen und beobachtet die Szene.
Das junge Ehepaar kennt sich seit Juli 2015. Ihre Liebesgeschichte begann – treffenderweise – mit einem Herz. Genauer: einer „Gefällt mir“-Angabe auf Instagram. Über das soziale Netzwerk stieß Yagmur Ürer auf ein Bild in Alis Profil und klickte auf Like. Das wiederum veranlasste Ali Ürer, eines von Yagmurs Instagram-Bildern zu liken. Er schrieb ihr eine Nachricht und sprach sie auf ihr Auto an, das auf einem ihrer Instagram-Fotos zu sehen war. Den BMW X3 fährt Yagmur Ürer noch heute.
Über die private Handynummer nahm die Geschichte ihren Lauf, trotz einiger Irrungen und Wirrungen. Heute haben die beiden ihre eigene kleine Familie. „Wir haben immer etwas zu reden“, sagen die 23-Jährige und der 28-Jährige. Was Ali an seiner Beziehung mit Yagmur besonders gefällt: „Nach einem Streit – ganz egal wie groß er ist – gehen wir immer versöhnt ins Bett.“
Selbe Sprache, selbe Herkunft

Wenn sie gefragt werden, warum sie befreundet sind, geben Wardals Shulsoon und Shinwari Surat eine einfache, aber doch recht treffende Antwort: „Zusammensein ist besser als alleinsein.“ Wie wahr. Dabei verbindet die beiden Männer mehr als die Angst vor der Langeweile. Sie selbst können es nur schwer in Worte fassen, die deutsche Sprache fällt ihnen noch nicht so leicht. Sichtbar wird ihre Freundschaft aber dann, als sie über den Kiliansplatz schlendern: Wardals verpasst Shinwari lachend einen Knuff.
Was sie zusammenhält, sei ihre gemeinsame Sprache, Kultur und Religion, sagen die beiden Afghanen. Und Cricket – das sei in ihrem Heimatland sehr beliebt. Der 24-jährige Shinwari und der 27-jährige Wardals lernten sich nach ihrer Flucht nach Deutschland vor vier Jahren in einer Gemeinschaftsunterkunft in Heidelberg kennen. Das war beim Essen, erinnert sich Shinwari. Einer von beiden muss den anderen angesprochen haben. Wer es war, und mit welchen Worten, wissen Wardals und Shinwari nicht mehr. Seitdem verbringen sie viel Zeit miteinander. „Dann reden wir über Geschichten, essen und trinken“, sagt Shinwari.
Mehr als nur ein Ehering

Friedrich und Inge Bauer tragen die grüne Einkaufstasche gemeinsam, jeder hält eine Schlaufe in der Hand. Wenn das Heilbronner Pärchen ohne Tasche unterwegs ist, läuft es nebeneinander her. Händchenhalten findet Friedrich Bauer übertrieben. „Mit dieser Ansicht ist unsere Generation eben aufgewachsen“, sagt der 82-Jährige. Und seine Frau ergänzt: „Jeder hat ja seinen eigenen Laufrhythmus.“
Sie trägt ihren Ehering nur sporadisch. Doch das Paar verbindet mehr als zwei glänzende Ringe. Im Juli 2019 feierten die Bauers Goldene Hochzeit. „In den Jahren unserer Ehe haben wir uns zu schätzen gelernt. Wir können uns aufeinander verlassen und ergänzen uns“, sagt die 80-jährige Inge Bauer.
Begonnen hatte alles, als die ehemalige Gemeindekatechetin eine erste Klasse zur Kirchenbesichtigung brachte. Friedrich Bauer war der Pfarrer der Gemeinde. „Er ließ die Kinder um den Taufstein laufen – das fand ich unmöglich“, sagt Inge Bauer lachend.
Das Interesse war geweckt. „Erst begann es, zu kribbeln und wurde dann stärker“, beschreibt Friedrich Bauer den Anfang dieser Liebe, die zwei Kinder und sieben Enkel hervorgebracht hat.
Viel besser als Schwestern

Es ist einem außergewöhnlichen Zufall zu verdanken, dass Malvine Hermann und Erika Ziegler vor etwa 30 Jahren aufeinander aufmerksam wurden: In der Böckinger Adler-Apotheke, wo Erika Ziegler angestellt war, überreichte ihr Malvine Hermann ein Rezept.
Darauf stand der Name ihrer Schwiegermutter – ihren Nachnamen trug auch Erika Zieglers Großmutter.
Alles reiner Zufall, der zur Folge hatte, dass sich die beiden Frauen immer öfter unterhielten und Freundinnen wurden. Später kaufte Malvine Hermann mit ihrem Mann einen Bauplatz in Leingarten – nur zwei Straßen von Erika Ziegler und ihrem Mann entfernt. Die Bauphase und der Umzug habe die beiden Frauen noch mehr zusammengeschweißt, erzählt Erika Ziegler.
Ihre Freundschaft sei über die Jahre gewachsen, sind sie überzeugt. Für Einzelkind Erika ist die 63-jährige Malvine die Schwester, die sie nie hatte – „nur viel besser“, sagt die 64-Jährige lachend. „Wir teilen Freud und Leid – und die Leidenschaft für Rommé. Der Spieleabend am Donnerstag ist ihnen heilig. Am selben Tag treffen sich übrigens auch ihre Männer zum gemeinsamen Wandern.
Hier stimmt die Chemie

Ist Instagram die richtige Plattform, um nach der Liebe zu suchen? „Wir haben Glück gehabt“, sagt Emi. Mit Simon stimmte die Chemie von Anfang an. Als er Emi vor einem Jahr auf Instagram eine Nachricht schrieb, war das aber alles andere als Zufall. Simon erzählt: „Ich habe in einem Sprachkurs Albanisch gelernt, weil ich dort gerne Urlaub mache.“
Auf Instagram sucht der 28-Jährige nach einer Albanerin – und findet die 29-jährige Emi, weil sie eine albanische Stadt geliked hat. Zum ersten Daten treffen sich die beiden in Karlsruhe. Simon erinnert sich: „Ich hab sofort gemerkt, dass das was werden könnte.“ Emi sei eine gutherzige, respektvolle junge Frau. Sie muss lachen, sieht Simon an und sagt: „Danke.“ Was Emi an ihrem Freund mag? Sie schaut ihn an, lacht wieder und sagt: „Alles!“
Mittlerweile wohnt das Paar zusammen im Landkreis Heilbronn. Simons Albanisch-Kenntnisse haben zurzeit aber keine Priorität. Jetzt sprechen sie viel Deutsch miteinander, damit Emi noch besser wird, denn sie lebt erst seit zwei Jahren in Deutschland. Wer sich liebt, macht auch mal Kompromisse und nimmt auf den anderen Rücksicht, ist Simon überzeugt.
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