Rückblick auf sieben herausfordernde Jahre: Leiter der Arbeitsagentur Heilbronn geht in den Ruhestand
Jürgen Czupalla, scheidender Leiter der Arbeitsagentur Heilbronn, spricht über sieben bewegte Jahre und was er erreicht hat. Sein Fazit: "Wir haben große Schritte gemacht".

Seit 2014 leitet Jürgen Czupalla die Arbeitsagentur Heilbronn. Ende Juni geht er in Ruhestand und übergibt die Leitung an Manfred Grab. Im Interview spricht Czupalla über eine herausfordernde und erfolgreiche Zeit.
Herr Czupalla, nach gut sieben Jahren in der Arbeitsagentur Heilbronn gehen Sie Ende dieses Monats in den Ruhestand. Mit welchen Gefühlen gehen Sie?
Jürgen Czupalla: Mit gemischten Gefühlen. Einerseits freue ich mich auf Freiheiten, die ich dann habe - vor allem terminliche Freiheiten. Ich habe vier Enkelkinder, da ist reichlich Leben, an dem ich mehr teilhaben möchte. Auf der anderen Seite ist der Abschied auch mit einer gewissen Wehmut verbunden. Ich bin gerne hier in dieser Funktion und arbeite gerne mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen. Das wird mir fehlen.
Wenn Sie auf Ihre Zeit in Heilbronn zurückblicken: Was waren die Highlights und Herausforderungen?
Czupalla: In der Zeit, in der ich hier war, gab es zwei große Herausforderungen: Das eine war das Thema Flüchtlingszuwanderung und das andere ist jetzt Corona. Ich glaube, dass wir in beiden Fällen die Herausforderungen gut gemeistert haben. Das nehme ich auch mit: Dass diese Agentur in der Lage ist, sich schnell auf neue Herausforderungen einzustellen und tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Und die Highlights?
Czupalla: Ein Highlight war die Gründung der gemeinsamen Jugendberufsagentur mit der Stadt. Ich bin ja hier angetreten und habe gesagt, wir müssen im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit vorankommen. Wir müssen jungen Menschen eine Startchance ins Berufsleben bieten. Da ist für mich die Jugendberufsagentur ein ganz wichtiger Punkt, auch weil sie deutlich macht, dass es nicht nur eine Institution ist, die für dieses Thema Verantwortung trägt, sondern, dass es eines Netzwerkes aus Stadt, Arbeitsagentur und Jobcenter bedarf.
Noch etwas?
Czupalla: Etwas Besonderes war für mich die Zusammenarbeit mit den Institutionen des Bildungscampus. Damit meine ich nicht nur die Hochschulen, sondern auch die Experimenta. Dass wir hier kooperieren können und neue Formen des Heranführens an die MINT-Berufe finden können, ist eine große Chance. Das ist ohnehin ein großes Plus hier: Die Wege sind nah, Kommunikation ist gut möglich. Und es gibt viele Menschen, die daran interessiert sind, hier in Netzwerken zusammenzuarbeiten.
Apropos Netzwerk. Sie sind angetreten als Netzwerker, haben sich in unzähligen Gremien und Initiativen eingebracht. Wie sehr hat Ihnen die Corona-Zeit zugesetzt, in der ja kaum persönliche Treffen möglich waren?
Czupalla: Ja, das war durchaus eine Einschränkung. Man kann zwar digitale Meetings ansetzen. Aber es ist etwas anderes, ob man sich persönlich trifft und vor und nach einer Veranstaltung den berühmten Small-Talk macht, bei dem man auch über andere Dinge redet. Ich habe die Pandemie aber nicht als so dramatisch erlebt, weil ich die Kontakte schon vorher hatte. Trotzdem fehlt etwas. Das emotionale Miteinander bekommt man über die digitalen Plattformen einfach nicht so gut hin wie im persönlichen Gespräch.
Das Thema Qualifizierung und Sicherung des Fachkräftebedarfs zog sich wie ein roter Faden durch Ihre Amtszeit. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Czupalla: Ich finde, wir haben große Schritte gemacht, indem wir massiv investiert haben in das Thema Qualifizierung. Wir haben hier einen guten Markt von Bildungsträgern. Wir waren eine der ersten Agenturen, die das Thema Teilqualifizierung massiv vorangetrieben haben und viele Arbeitnehmer in die Unternehmen gebracht haben. Aber es liegt noch eine riesige Herausforderung vor uns, denn das Thema Transformation hat durch Corona noch einmal deutlich an Fahrt gewonnen. Und wenn man sieht, was sich im Bereich Kraftfahrzeug und -zulieferer, aber auch im Maschinenbau und im Produzierenden Gewerbe gerade an technischen Veränderungen tut, zeigt das die Größe der Herausforderung. Da bin ich froh, dass wir im Bereich Qualifizierung stark und geübt sind.
Ist das eine Besonderheit des regionalen Arbeitsmarktes?
Czupalla: Ja, das ist es. Heilbronn ist immer noch stark gewerblich-technisch geprägt, auch wenn der Dienstleistungsbereich zunehmend an Bedeutung gewinnt. Es kamen im gewerblich-technischen Bereich viele ungelernte Kräfte aus dem Ausland, insbesondere aus Osteuropa. Entsprechend groß ist hier der Qualifizierungsbedarf.
Gibt es in Ihrer Arbeit etwas, was Sie gerne noch weiterbegleitet hätten?
Czupalla: Ja, die Transformation. Ich finde, wir haben mit dem Bündnis für Transformation hier eine gute Plattform. Wir machen Netzwerk- und Unterstützungsangebote, wir schauen, wie wir Projekte, die das Land finanziert, in die Region bekommen. Da hätte ich schon ganz gerne nicht nur gesät, sondern auch gesehen, wie die Halme wachsen und vielleicht auch die Ernte eingefahren wird.
Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger Manfred Grab?
Czupalla: Ich wünsche ihm, dass er die Möglichkeit hat, persönlich sehr schnell in Kontakt mit den Institutionen und den Personen zu kommen. Ich wünsche ihm ein glückliches Händchen, die Energie und Ausdauer, dabei zu bleiben in dieser Agentur, innovativ zu sein, wahrzunehmen, was draußen passiert und darauf reagieren zu können. Mit Blick auf die Mitarbeitenden glaube ich, dass es da eine gute Basis gibt.
Zur Person
Seit April 2014 leitete Jürgen Czupalla die Arbeitsagentur Heilbronn, zuvor war er in selber Funktion in Mainz. In Heilbronn schob er mit Partnern aus der Wirtschaft und Bildungsträgern viele Projekte zur Weiterbildung und Qualifizierung an. Außerdem engagierte sich Czupalla in regionalen Gremien und Netzwerken. Der 63-jährige Vater von zwei Söhnen und Großvater von vier Enkeln lebt mit seiner Frau in Kornwestheim.


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