Wimpfens Gassen verwandeln sich in Freiluftgalerie
Montmartre Flair zaubert einen Hauch von Frankreich in die Altstadt von Bad Wimpfen. Besucher erwartet Kunst, Musik und Leckeres für den Gaumen.
Nein, die Stufen von Sacré Cœur könne sie nicht versetzen, meint Gabriele Kellhammer, Vorsitzende des Vereins für Gewerbe, Handel und Industrie, bei der Eröffnung des Montmartre Flair am Samstag. Aber das Rathaus von Bad Wimpfen hat auch ein paar Tritte, und die sind am Abend voll besetzt mit Besuchern, die sich beim dreistündigen Non-Stop-Konzert des Trio Nostalgie aus München vom Charme des Nachbarlandes inspirieren lassen. Bei einem Gläschen Crément und einem Stückchen Flammkuchen kann man sich von den Chansons hinwegtragen lassen und das Savoir-vivre genießen. "Das war eine ganz tolle Atmosphäre", fasst Kellhammer zusammen.
50 Stände von Berufs- und Freizeitkünstlern
Rechtzeitig zur Abendunterhaltung hat es aufgehört zu regnen. Auch am Sonntag ereilen die Veranstaltung mit 50 Ständen von Berufs- und Freizeitkünstlern teilweise Schauer. Dennoch ist Rita Motz mit dem ersten Tag zufrieden. "Ich habe fünf Bilder verkauft und bin superglücklich", sagt die Heilbronnerin. "Kunst wird nicht mehr so gekauft", meint hingegen Hannelore Müllner aus Besigheim, die sich gerade am Stand einer Kollegin umschaut. "Man kann sich immer mal was abgucken", meint die Hobbykünstlerin.
Unter den Arkaden im Wormser Hof steht Andrea Waldbüßer im blau-weiß-roten Faltenrock und Kopfputz à la Tricolore am Leierkasten. Eine Musette, ein Walzer und natürlich der Renner, Edith Piafs "Je ne regrette rien", sind ins Lochband eingestanzt.
Moulin Rouge und Marlene Dietrich
Wer durch das Tor hinter der Löwensteinerin schreitet, taucht von der Freiluftgalerie ein in die andere Seite des Künstlerviertels Montmartre, in die Welt des Varietés. Die hat Karlheinz Hofmann geschaffen. Im schwarz-roten Ambiente des "Etablissements" flimmern Ausschnitte aus Moulin-Rouge-Shows über die Leinwand. Nebenan zeigt der paris-verliebte Wimpfener Fotos und selbstgemalte Bilder seiner Muse, Marlene Dietrich mit verführerischem Blick.
Rund ums Rathaus konkurriert der Duft von frischen Croissants mit würzigem Flammkuchen. Der Genießermarkt hat noch mehr zu bieten: Fischkonserven aus der Bretagne, Rillettes, Käse und natürlich Wein. "Wir sind alles echte Franzosen", sagt Marguerite Muller von der Patisserie und Boulangerie. "Wir gehen in kleine Städte, um französisches Flair zu verbreiten", spricht sie für sich und ihre sieben Landsleute an den anderen Ständen.
Musikschule Unterer Neckar unterhält
"Der Markt passt hier schön rein in diesen Rahmen", gefällt einer Frau aus Benningen das Montmartre Flair in der Stauferkulisse. Karin Schwab aus Bad Friedrichshall lauscht dem halbstündigen Platzkonzert eines Blechbläserensembles auf der Rathaustreppe. Die Musikschule Unterer Neckar gibt die Straßenmusikanten. Lenny (14) freut sich über die Gelegenheit eines öffentlichen Auftritts.
"Das Montmartre Flair hat sich gut etabliert", sagt Gabriele Kellhammer. Nach dem Weihnachtsmarkt machten die Einzelhändler, die auch am Sonntag geöffnet haben, hier den größten Umsatz. "Wir wollen das Überleben sichern und Leben in die Stadt bringen", beschreibt Kellhammer die Zielsetzung. Dafür setzt der Gewerbeverein bis zu 10 000 Euro. Das zahle sich aus. "Wir haben kaum Leerstand."
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