Wie sich Schulen auf einen Amoklauf vorbereiten
Den Ernstfall kann man nicht üben. Zehn Jahre nach dem Amoklauf in Winnenden sind Schulen aber besser vorbereitet. Neben Sicherheitskonzepten setzen sie auf Präventionsarbeit. Schulleiter aus der Region erklären, was das konkret bedeutet.

Die Schulen der Region sind auf den Ernstfall vorbereitet, aber sie wissen auch: "Amok kann man nicht üben", bringt es Roland Berger, Rektor der Hermann-Greiner-Realschule in Neckarsulm, auf den Punkt. Trotzdem seien alle für das Thema sensibilisiert.
Die Schulen haben Krisenteams, Informationsketten, Notfallordner und Evakuierungspläne.
Direktor spricht von professionelleren Sicherheitskonzepten
Seit vor zehn Jahren der Amoklauf von Winnenden die ganze Republik erschüttert hat, hat sich viel verändert. "Die Sicherheitskonzepte sind viel professioneller geworden", sagt Roland Götzinger, Direktor am Eduard-Mörike-Gymnasium in Neuenstadt. Auch die Präventionsarbeit ist umfangreicher.
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Der Fokus liege generell mehr auf den Schülern: "Wir tun mehr, um die Schüler stark zu machen." Identität und Selbstbewusstsein werden thematisiert, Schulsozialarbeit hat einen größeren Stellenwert, und auch in der pädagogischen Ausbildung steht das Individuum mehr im Mittelpunkt.
Lehrer dürfen im Ernstfall nicht den Überblick verlieren
Darauf zielen auch die Unterstützungssysteme des Kultusministeriums ab. Seit Winnenden wurden die Stellen in der schulpsychologischen Beratung sowie die Zahl der Beratungslehrer erhöht. Außerdem gibt es Fortbildungen für Lehrer und Schulleitungen sowie eine neue Verwaltungsvorschrift für Gefahrenlagen.
Dort ist detailliert aufgeführt, was im Falle von Amok, Geiselnahmen, Brand oder Bombendrohung zu tun ist. Der Leitfaden stellt Sofortmaßnahmen, die Zusammenarbeit mit Einsatzkräften und die Nachsorge übersichtlich dar. Gleichzeitig werden die Krisenteams regelmäßig geschult.
Bei Brandschutzübungen wird die geordnete Räumung der Gebäude geübt. Das Albert-Schweitzer-Gymnasium in Neckarsulm beispielsweise ist in weniger als drei Minuten leer, sagt Schulleiter Marco Haaf. Und dabei dürfen die Lehrer nicht den Überblick über ihre Klassen verlieren. Auch das wird trainiert. "Jeder Kollege muss wissen, wer in seinem Unterricht sitzt." Nur so könne bei der Räumung sichergestellt werden, dass alle Schüler das Gebäude verlassen haben. Die richtigen Fluchtwege dafür werden ebenfalls trainiert.
Die Alarmausstattung variiert
Allerdings ist die Alarmausstattung an den Schulen unterschiedlich. Das sei Sache des Schulträgers, erklärt eine Sprecherin des Kultusministeriums auf Anfrage. Deshalb haben auch nicht alle Einrichtungen sogenannte Alarm-Knöpfe, die im Notfall ausgelöst werden können. In Neckarsulm beispielsweise werden diese bei Sanierung oder Neubau installiert. Aktuell wird die Hermann-Greiner-Realschule damit ausgestattet. In allen Räumen werden die Knöpfe geschützt hinter einer Glasscheibe "in einem nicht einsehbaren Bereich" angebracht, erklärt Rektor Roland Berger. Wird der Knopf gedrückt, werde eine festgeschriebene Durchsage für das ganze Haus ausgelöst. Parallel dazu wird automatisch die Polizei informiert.
"Wir wollen keine Hysterie auslösen", betont Berger. Aber er weiß: "Richtiges Handeln ist wichtig." Wie das aussieht, ist immer abhängig von der Gefahrenlage. Bei Feuer müssen alle so schnell wie möglich raus aus der Schule. Bei einem Amokalarm hingegen bleiben alle im Raum, Türen werden verschlossen. "Räumung nur auf Weisung der Polizei", heißt es in der Verwaltungsvorschrift.
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