Stimme+
Weinsberg

Wie Sektmacher Stengel aus Gellmersbach Perlen in die Flasche zaubert

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Die Sektkellerei Stengel aus Weinsberg-Gellmersbach schafft es mit ihren Schaumweinen aufs internationale Parkett. Der Chef lässt Stimme-Leser hinter die Kulissen blicken.

An einer speziellen Sektmaschine lässt Horst Stengel zunächst das geeiste Hefedepot aus der Flasche schießen − und diese danach vollautomatisch verkorken.
An einer speziellen Sektmaschine lässt Horst Stengel zunächst das geeiste Hefedepot aus der Flasche schießen − und diese danach vollautomatisch verkorken.  Foto: Kunz, Christiana

Im Berliner Kaufhaus des Westens, kurz KDW, in Münchener Top-Restaurants, mit Spitzenwinzern aus Frankreich und Italien, eigentlich rund um den Globus - bis nach Hongkong: Horst Stengel tanzt mit seinen Württemberger Sekten auf internationalem Parkett. "Am Ende zählt der Marktplatz, der Point of Sale", erklärt der geschäftstüchtige Tüftler "ohne angeben zu wollen".

Gleichzeitig hat der Wengerter aus Gellmersbach die Bodenhaftung nicht verloren. Dies zeigte sich jetzt beim Stimme-Lesersommer mit einer lehrreich-genussvollen Führung durch seine Sektkellerei im Ortskern und beim Austausch in den von Ehefrau Ellen heimelig gestalteten Verkaufsräumen.


Trollinger auf hohem Niveau

Jüngstes Beispiel für Horst Stengels Heimatverbundenheit: Im Erlenbacher Speiersgrund, einer historischen Steillage am Kayberg, widmet er sich neuerdings mit großem Aufwand 30 Jahre alten Reben, aus denen er ganz unterschiedliche Produkte gewinnt: ein blumiges Rosé-Cuvée namens "Frozen Berry", das es auch als "Sparkling Wine" gibt, und einen reinen Trollinger Crémant, gewonnen über die klassische Flaschengärung, wie sie im französischen Champagnergebiet über Jahrhunderte hinweg perfektioniert wurde.

Ganz schön hohe Kosten

"Wie die Perlen über eine zweite Gärung in die Flasche kommen und auch drin bleiben", erfuhren die Stimme-Leser nicht nur an einem Schaubild, sondern auch "live" am Rüttelpult, an der Rüttelbox und an der vollautomatischen Sektmaschine: vom Entfernen des geeisten Hefedepots über die Dosagen-Zugabe bis zum Verkorken. Ein Korken kostet übrigens bis zu 1,20 Euro, eine leere Flasche 80 Cent, wobei die Preise seit der Energiekrise regelrecht explodiert seien.

Deutschland ist Sekt-Weltmeister

Die Deutschen sind tatsächlich Weltmeister im Sekttrinken. Aber nur rund vier Prozent der 270 Millionen Sektflaschen, die sie pro Jahr trinken, wurden auf die traditionelle Weise gewonnen. Der Großteil wird über Tankgärung aus importiertem Billig-Wein hergestellt, ein kleiner Teil, Perlwein, über die Imprägnierung von Kohlensäure. Solche "Blubber" sind für den qualitätsbewussten Stengel tabu.

Familiengeschichte

Die Wurzeln der Gellmersbacher Sektkellerei reichen fünf Generationen zurück. Die Vorfahren waren Fassküfer. Erst Horst Stengels Vater setzte auf Reben - und er selbst begann 1988 als einer der ersten Weingärtner in Württemberg eigenen Sekt zu machen. "Mein Vater erklärte mich für verrückt, aber innerhalb von vier Monaten waren alle 426 Flaschen verkauft, zu 18,50 Mark! Das hat ihn überzeugt."

Inzwischen bietet Familie Stengel, zu der neben Horst und Ellen auch die Töchter Lisa und Carolin plus Schwiegersohn Wassili gehören, zwei Dutzend verschiedene Sekte an, gewonnen auf zehn Hektar aus 20 verschiedenen Rebsorten. Kostenpunkt: bis zu 150 Euro pro 1,5-Liter-Magnumflasche. Hinter den teils klassischen, teils peppigen Etiketten stecken vier verschiedene Schaumwein-Profile: frucht-blumige, solche aus regionaltypischen Sorten, internationale Cuvées und die Eliteklasse Vintage Line mit bis zu zwölf Jahren Hefelager.

 
Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben