Wenn Frauen ihr Brautkleid bei der Polizei Obersulm abholen
Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Heilbronn beschlagnahmte die Polizei Obersulm mehr als 100 Brautkleider. Gegen die Frau, die sie in einem Secondhand-Geschäft in Affaltrach weiterverkaufen sollte, wird wegen Unterschlagung ermittelt. Wir haben die Polizeihauptkomissarin gefragt, ob sie schon Eigentümerinnen der Kleider gefunden hat.

Normalerweise ermitteln Polizisten wegen einer anderen Art weißen Stoffs. Doch in Obersulm ist alles anders. Dort hat die Polizei auf Anordnung der Heilbronner Staatsanwaltschaft am Freitag mehr als 100 Brautkleider beschlagnahmt. Polizeihauptkommissarin Lisa Rudolph steht vor einer Herkulesaufgabe: Sie möchte die Eigentümerinnen der Kleider finden.
Hintergrund des ungewöhnlichen Vorgangs sind mehr als 50 Strafanzeigen von Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet gegen eine Frau, die bis Frühjahr 2020 in Affaltrach ein Secondhand-Brautmodengeschäft geführt hatte. Es wird ihr Unterschlagung vorgeworfen. Die Ermittlungen sind noch im Gange. Die Beschuldigte war am Mittwoch nicht zu erreichen.
Wie Lisa Rudolph schildert, sei die Frau mit der Situation offenbar überfordert gewesen. Ihr Laden sei im Mai geschlossen worden, bereits seit vergangenem Jahr trudelten bei der Polizei Anzeigen von Kunden der Frau ein, die keine Informationen über den Verbleib ihrer Kleider erhalten hatten.
Der Wert der Brautkleider ist hoch
"Nach monatelangen Verhandlungen und Aufforderungen, die Kleider an die Eigentümerinnen auszuhändigen, beantragte die Staatsanwaltschaft schließlich eine Wohnungsdurchsuchung", heißt es in einer Pressemitteilung der Heilbronner Polizei vom Mittwoch. Die Frau hatte die Brautkleider zuletzt bei sich daheim im Wohnzimmer gelagert.
Die Beschuldigte habe am Freitag die gesamte Anzahl der Kleider selbst zum Polizeiposten gebracht, sagt Sachbearbeiterin Lisa Rudolph. "Sie ist Auto um Auto hierhergefahren." Zwischengelagert ist nun alles in Räumen der Gemeinde Obersulm, gleich neben dem Polizeiposten in Affaltrach. Viele der Kleider könne sie noch gar nicht zuordnen, schildert Rudolph.
Der Warenwert ist hoch. Ein Hochzeitskleid hätte im Secondhand-Verkauf im Schnitt 500 bis 600 Euro gekostet. Bei 100 Kleidern wären das also 50.000 bis 60.000 Euro. Mit den ursprünglichen Besitzern der Kleider schloss die Beschuldigte Kommissionsverträge - für den Weiterverkauf hätte sie eine Summe X vom Verkaufspreis erhalten.
Eigentümerinnen können ihr Brautkleid bei der Polizei abholen
Erste Eigentümerinnen der Brautkleider seien bereits gefunden, sagt Rudolph weiter. Manche leben offenbar schon in Scheidung, andere haben nie geheiratet. "Mir würden bestimmt auch einige passen", sagt die Polizistin und lacht.
In den Google-Rezensionen des Secondhand-Geschäfts finden sich zahlreiche negative Reaktionen. "Wir haben unser Kleid vor einem Jahr in Kommission gegeben. Seitdem haben wir von der Dame gar nichts mehr gehört", schreibt jemand. "Ganz klare Empfehlung: Finger weg!"
Daniela Braschel aus Kochersteinsfeld sagt: "Dass das so abläuft, hätte ich nicht erwartet." Sie sei von der Polizei informiert worden, dass sie ihr Kleid abholen könne. "Naja, ich irgendwie bin auch froh, dass es da ist. Ich werde es doch behalten." Rebekka Tomasicevic (38) aus Weinsberg hatte ihr Abendkleid angeboten. Das sei aber nicht unter der beschlagnahmten Ware. Tomasicevic glaubt nicht, dass die Betreiberin des Geschäfts in der Absicht handelte, jemandem zu schaden.
Hier können sich Eigentümerinnen melden
Geschädigte können sich zur Terminabsprache zu den üblichen Bürozeiten telefonisch beim Polizeiposten Obersulm unter der Telefonnummer 07130 - 7077 melden. Diese werden gebeten, zur Abholung - wenn vorhanden - einen Eigentumsnachweis oder ein Foto mitzubringen.
Aufgrund von Lagerschwierigkeiten bittet die Polizei um zeitnahe Anrufe. Abholungen nach dem 10. Januar 2021 sind nur noch stark eingeschränkt möglich.
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