Wie Weingärtner aus der Region Heilbronn bei Weinkritikern abschneiden
Württemberg wurde lange als Trollinger-Republik belächelt. Nun wird die Region in maßgeblichen Weinführern zunehmend positiv und konstruktiv bewertet. Das hat Gründe.

Wir wollen das geflügelte Wort vom "Wein achten an Weihnachten" nicht überstrapazieren. Aber unter vielen Christbäumen werden sich auch dieses Jahr auffällig viele Weine finden. Wie sie wohl schmecken? Zu welchem Anlass sie passen? Und überhaupt: Wie sind die Produzenten einzuordnen?
Bei Fragen wie diesen wollen Prämierungen und Wettbewerbe weiterhelfen. Doch selbst erfahrene Feinschmecker fühlen sich oft überfordert. Überall kleben Gold-, Silber- und Bronzemedaillen, in Werbeprospekten ist von Ehrenpreisen und von Weingurus die Rede. Wer blickt bei so viel Lorbeeren und Lametta noch durch? Was eigentlich gut gemeint und als Orientierungshilfe gedacht ist, sorgt mitunter für Verwirrung. Die Stimme Mediengruppe versucht, Klarheit zu schaffen. Pünktlich zum Fest der Feste soll sich zeigen, wie Württemberg in den maßgeblichen Weinführern abschneidet.
Wie Württemberg in Weinführern abschneidet: Manche Winzer scheuen den Vergleich, warum nur?
Für Winzer sind sie Leistungsbarometer und Motivationsspritze. Manche reichen aber bewusst keine Flaschen ein, obwohl sie sich nicht verstecken müssten - oder etwa, weil sie den Vergleich scheuen und glauben, nur verlieren zu können? Fast alle Führer verlangen Anstellungsgebühren, was legitim ist, schließlich ist der Aufwand groß.
Unterschiedliche Bewertungen zeigen, dass vieles relativ ist, trotzdem liegen die Kritiker meist nahe beieinander. Schön zu sehen: Insgesamt werden Württemberger Weine und ihre - oft jungen - Macher im Vergleich zu früher zunehmend positiv und konstruktiv besprochen.
Gault Millau: "Gar kein Grund zu falscher Bescheidenheit"
Der legendäre Gault Millau, der vor allem in Frankreich zum Mythos geworden war, gilt bis heute als wichtigste Messlatte. Schön, dass Otto Geisel & Co. mit den Durbacher Winzern als "Genossenschaft des Jahres" das WG-Wesen insgesamt würdigen. Toll, dass Markus Drautz vom Weingut Drautz-Able den neuen Titel "Impulsgeber des Jahres" bekommt.
Auch das klingt gut: "Das Licht unter den Scheffel stellen - es scheint ein schwäbischer Charakterzug zu sein. Dabei gibt es gar keinen Grund zu falscher Bescheidenheit." Württemberg sei innovativ, experimentierfreudig, mitunter revolutionär. Die Vielfalt an Sorten und die Neugier, etwas anderes anzupflanzen, seien stärker ausgeprägt als in anderen Gebieten. "Hangneigung und Kleinparzellierung machen überdies die Arbeit vielfach herausfordernd und wecken Entdecker- und Schöpfergeist."
Gault Millau Weinguide 2025: 650 Weingüter und Brennereien, 6000 Weine und Spirituosen, Naturwein-Special, 706 Seiten, 48 Euro.
Vinum: Württemberg ist "noch erstaunlich innovativ"
Das Württemberg-Kapitel wird - manchem zur Freud, anderem zum Leid - seit Jahren von Frank Kämmer betreut, der den Titel Master of Wine tragen darf und international einen herausragenden Ruf genießt. Vor der eigenen Haustüre kennt er sich besonders gut aus, weshalb manche meinen, der Waiblinger würde das Remstal bevorzugen. In der aktuellen Ausgabe würdigt er den Bodensee besonders, speziell das bayrische Nonnenhorn.
Der von dort stammende Jonas Kurek ist für "Vinum" gar die Entdeckung des Jahres. Württemberg insgesamt sieht der Führer am Scheideweg. Während manche Großbetriebe vor einer vagen Zukunft stünden, würden Top-Betrieben "die besten Flaschen aus der Hand gerissen". Gleichwohl sei das Ländle "noch erstaunlich innovativ". Frank Kämmer würdigt den 2023 gestorbenen Michael Graf Adelmann aus Kleinbottwar besonders. Er habe das Fundament für den heutigen Aufstieg des Gebiets gelegt.
Vinum Weinguide 2023: 1000 Weingüter, 10 500 Weinempfehlungen, Spezial Gastregion Südtirol, 1082 Seiten, 35 Euro.
Eichelmann: "Trollinger-Image durch neues Württemberg-Bild ersetzen"
Auch im Eichelmann wird der Bodensee hoch gelobt. Und Will + Würz aus Schwaigern werden als regionale Entdeckung des Jahres gehandelt. Außenstehende hätten es sich früher zu leicht gemacht mit Württemberg, so nach dem Motto: "Die machen ja sowieso nur Trollinger", was heißen sollte, dass man sich mit der Region nicht zu beschäftigen brauche.
Doch hätten in den letzten zwei Jahrzehnten viele Weingüter mit Spitzenweinen aufgetrumpft. Dass sich diese aber auf eine Vielzahl von Rebsorten verteilen, "bringt keine Hilfe in der Hinsicht, das Trollinger-Image durch ein neues Württemberg-Bild zu ersetzen".
Eichelmann. Deutschlands Weine, 870 Weingüter, 9650 Weine, 1188 Seiten, 39.95 Euro
Falstaff: Württemberger dürfen zu Recht stolz auf ihre Weine sein
Philipp Erbgraf zu Neipperg wird für die beste Kollektion ausgezeichnet. Wie in anderen Führern wird der Bodensee hoch gehandelt. Insgesamt dürften die Württemberger zu Recht stolz auf ihre Weine sein. "Die besten zwei Dutzend Betriebe segeln ganz vorne mit in der Regatta der deutschen Spitzenerzeuger", sie stünden für stilistische Raffinesse, weinbaulichen Fleiß und oft für Innovationskraft.
"Die Tugenden, die man den Schwaben landläufig andichtet, sie werden von den Wengertern vollauf bestätigt." Es gebe aber auch Schattenseiten: Jenseits der Top-Betriebe, zu denen erfreulicherweise auch eine Handvoll Genossenschaften gehörten, gehe es der Branche derzeit "eher durchwachsen", weiß der aus Konstanz stammende Ulrich Sautter. Eine Erkenntnis, die noch nicht alle Experten gewonnen haben.
Falstaff Weinguide: 500 Weingüter, 4000 Weine, 200 Gasthäuser 708 Seiten, 24,90 Euro
Sterne für weitere Betriebe
Für unsere Tabelle qualifizierten sich Betriebe aus Hohenlohe und dem Heilbronner Land mit mindestens einer Gault-Millau-Traube oder einem Vinum-Stern. Sterne in anderen Führern, vor allem im Eichelmann bekamen Roth aus Happenbach (3 plus 1 Falstaff):
- je 3 Schäfer-Heinrich (Heilbronn), Bihlmayer (Löwenstein) und Traubenwerkstatt (Schwaigern);
- 2,5 Sterne gab es für Gruber (Obersulm), Frank aus Brackenheim (plus 2 Falstaff);
- 2 für Schönbrunn aus Erlenbach (plus 2 Falstaff), Will+Würz (Schwaigern-Stetten),
- 1,5 für Albrecht-Gurrath, Rolf Heinrich (beide Heilbronn), Lauffener Weingärtner, Dieroff (Öhringen),
- Haberkern-Betz, Erlenbach (im Falstaff 1 Stern).
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