Weinexperte und Menschenfreund Gerhard Götz wird 90
Dr. Gerhard Götz feiert an diesem Samstag, 5. Juni, seinen Geburtstag. Er leitete 25 Jahre lang die Weinbauschule Weinsberg und gilt als väterlicher Vordenker des Württemberger Weinbaus im 20. Jahrhundert.

Er steht mit großen Winzern der Weinwelt ebenso auf Du und Du wie mit einfachen Arbeitern im Weinberg des Herrn. Fachleute rühmen "Dr. Götz" als einen prägenden Kopf des Württemberger Weinbaus im 20. Jahrhundert. Seine Zöglinge sprechen lieber vom "Götzebabbä". Gerhard Götz ist beides: Weinexperte und Menschenfreund, der auch Tacheles reden kann, etwa wenn jemand den Trollinger schlechtreden will. An diesem Samstag feiert er in seinem Wohnort Affaltrach den 90. Geburtstag, coronabedingt im engen Familienkreis, aber bei bester Gesundheit. "Sobald es geht, feiern wir nach, mit 150 Gästen."
Grüner Daumen - bis heute schwer aktiv
Bis heute steht das Energiebündel täglich bis zu fünf Stunden in seinem Garten zwischen allerhand heimischen und exotischen Pflanzen. Wenn der junge Zwergklee gegossen, der Rasen gemäht und die Bohnen gesteckt sind, schafft der gebürtige Bauernsohn in einem benachbarten Wengert mit Regent-Reben weiter. "Damit ich nicht alles vergesse", wie der Kosmopolit mit Unterländer Zungenschlag knitz sagt.
International gut vernetzt
Nicht nur die Praxis hält ihn wach, auch der fachliche Austausch mit Kollegen und so manche gesellige Runde - bis hin zu seinen "Weinweisen". "Wir heißen so, weil wir alle weiße Haare haben." Götz ist tatsächlich ein wandelndes Lexikon. Bis ins hohe Alter organisierte er für Freunde, Kollegen oder Leser der Heilbronner Stimme Reisen in die wichtigsten Weinregionen Europas. Hätte Corona die Pläne nicht durchkreuzt, wären der Südtirol-Tour mit dem Freundeskreis aus Schwaigern, dem Heimatort von Ehefrau Ilse, weitere gefolgt. Die beiden hatten sich übrigens in Hohenheim kennengelernt, wo Götz an der Universität "seinen Doktor" machte, nicht im Wein-, sondern im Obstbau.
Auf Vorschlag des damaligen Präsidenten Otto Haag aus Heilbronn - "man darf die Alten nicht vergessen!" - wurde Götz 1958 erster Geschäftsführer des Weinbauverbands Württemberg. Neben Verbesserungen der Verbandsstruktur begleitete er etliche Rebflurbereinigungen und Kelterneubauten. 1970 wurde Götz als Nachfolger von Ernst Klenk Direktor der ältesten Weinbauschule Deutschlands, der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) in Weinsberg, die damals einem Bauernhof glich.
Vom Bauernhof zum Institut von Weltrang
In der 25 Jahre währenden Ära Götz wuchsen der Weinbauschule neue Aufgaben zu: von der amtlichen Qualitätsweinprüfung über die Koordinierung des Obst-Versuchsanbaus bis zur Weinbaukartei. Götz schuf ein internationales Netzwerk, zog Schüler aus aller Welt an die LVWO, verhalf ihr zu internationalem Rang. Als väterlicher Vordenker prägte er eine ganze Generation junger Württemberger Weingärtner, trieb die Neuzüchtung von Rebsorten voran und war unter den Pionieren des Barrique-Ausbaus in Deutschland. Noch als Rentner übernahm der gefragte Probenmoderator ehrenamtliche Aufgaben, darunter die eines Prüfungsleiters der Landesweinprämierung.
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