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Was die 80er Jahre so kultig macht

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"Formel Eins"-Moderator Peter Illmann verbindet mit den 1980er Jahren Unbeschwertheit, Aufbruch. Das Jahrzehnt lässt ihn nicht los. Darüber hat er auch ein Buch geschrieben.

Moderator Peter Illmann ist das Gesicht von „Formel Eins“ und „Peters Pop Show“.
Moderator Peter Illmann ist das Gesicht von „Formel Eins“ und „Peters Pop Show“.  Foto: United Archives / kpa, via www.imago-images.de

Die 1980er Jahre. Das sind Schulterpolster, Pop und Aerobic. Und wer erinnert sich nicht an Peter Illmann? Er moderiert im Fernsehen "Formel Eins". Die Stars geben sich in der Pop-Show die Klinke in die Hand. "Ich bin der Peter", sagt er zum Sendestart. Er kommt rüber wie ein Schulkamerad, etwas flapsig manchmal, unbekümmert. Die 80er lassen ihn nicht los. Heute moderiert er im Radio 80s80s die Morning-Show. Am Telefon klingt seine Stimme wie einst im Fernsehen. Was macht das Jahrzehnt für ihn so besonders?

 

Richtig oder falsch: "Last Christmas" von Wham ist der nervigste Song der 80er.

Peter Illmann: Falsch. Es haftet ihm ein schlechtes Image an, weil er in der Vorweihnachtszeit wahnsinnig oft gespielt wird, das kann kein Titel vertragen. Dabei macht er eigentlich gute Laune.

 

Welche Lieder mögen Sie nicht?

Illmann: Bezogen auf die Weihnachtszeit, kann ich sagen, dass es unter Künstlern weit verbreitet ist, ein Weihnachtsalbum aufzunehmen. Dazu braucht es aber eine große Stimme und besondere Arrangements. Einfach nur Weihnachtslieder nachsingen reicht da nicht. "Stille Nacht" verlangt eine gewisse Festlichkeit, die ich gerade bei den deutschen Künstlern oft vermisse.

 

Und außerhalb der Weihnachtszeit?

Illmann: Es geht bestimmt nicht allen so, aber ich mag "Come on Eileen" von den Dexy"s Midnight Runners nicht. Ich habe es wahrscheinlich zu oft gehört.

 

Welche Bands aus den 80ern zählen zu Ihren Favoriten?

Illmann: Depeche Mode auf jeden Fall. Die sind zeitlos. Sie machen auch heute noch gute neue Alben. Bei den deutschen Künstlern mag ich Peter Maffay, gerade seine Balladen. Auch die etwas ruhigeren Titel von Grönemeyer und Udo Lindenberg sind meine Favoriten. Songs wie "Hinter dem Horizont geht"s weiter" sind die schönsten. Ich bin ein Freund von Balladen.

 

Wieso?

Illmann: Das Leben ist hektisch genug, sie helfen, richtig runterzukommen.

 

Was verbinden Sie mit der Zeit vor gut 40 Jahren?

Illmann: Alles, was ich heute noch tue, hat in den 80ern begonnen. Diese Jahre waren für meine Karriere im Radio und im Fernsehen wichtig. Ich verbinde mit der Zeit eine gewisse Unbeschwertheit, obwohl es genug Probleme gab: den Tschernobyl-Atomunfall oder das Waldsterben durch sauren Regen zum Beispiel. Aber es wirkte nicht so bedrohlich wie die heutigen Probleme. Die 80er waren für mich das Zeitalter des Aufbruchs, mit der Erwartung, dass die Zukunft besser werden würde.

 

Ist sie das?

 Foto: Christopher Tamcke via www.imago

Illmann: Die heutige Zeit ist durch Social Media und das Internet geprägt. Diese Schnelllebigkeit gab es damals nicht. Ich bedauere nicht, dass es heute anders ist. Ich kann und will nicht aufs Internet verzichten. Ich sehe nur, dass sich Nachrichten - oft aus dem Zusammenhang gerissen - extrem schnell verbreiten. Man muss sehr aufpassen, was man sagt, sonst hat man sofort einen Shitstorm. Letztlich führt es dazu, dass kaum einer überhaupt noch etwas Konkretes sagt, oder sagt, was er denkt. Auch viele Politiker nicht.

 

Was kann man dagegen tun?

Illmann: Ich denke, das Wichtigste ist, dass Kinder den Umgang mit sozialen Medien lernen. Wie man sie sinnvoll einsetzt und wann sie schädlich sein können. Informationen gibt es vermeintlich umsonst, der Preis sind die Daten. Ein Foto im Internet wird nie wieder verschwinden. Ich bin sehr zurückhaltend mit Informationen etwa auf Facebook.

 

Kaufen Sie eigentlich noch Schallplatten? Die sind seit einiger Zeit wieder im Kommen.

Illmann: Nein, ab und zu kaufe ich noch eine CD. Aber sich hinsetzen und ein Album anhören, dazu fehlt mir die Zeit. Leider! Ich habe immer das Gefühl, erreichbar sein zu müssen. Aber eigentlich sollte ich das mal wieder machen. Die Musik genießen, über Kopfhörer, und keine E-Mails und Nachrichten lesen und beantworten.

 

Welche Musik von heute gefällt Ihnen?

Illmann: The Weeknd. Der macht fast schon 80er-Jahre-Musik auf dem Stand von heute. Oder Elton John mit neuen Einflüssen von Dua Lipa. Bruno Mars sehe ich als absoluten Ausnahmekünstler.

 

Bei "Formel Eins" haben sie jeden Künstler dagehabt. Wer hat Sie positiv überrascht?

Illmann: Stimmt, es waren wirklich fast alle da. Das war schon toll, aber damals hat es mich gar nicht so sehr beeindruckt. Ich fand es normal. Whitney Houston war zum Beispiel noch kein großer Star. Phil Collins dagegen war der Star in den 80ern. Ich kenne sein Leben, denn ich habe seine Biographie als Hörbuch eingelesen.

 

Und wer hat Sie nun überrascht?

Illmann: David Bowie. Ihn traf ich für eine ZDF-Reisesendung am Genfer See. Bowie war ein Superstar. Er galt als wild, exzentrisch. Im Interview war er diszipliniert, ruhig, überhaupt nicht exaltiert. Das hat mich positiv überrascht. Er wusste, dass es in der Situation nur ums Interview ging und war sehr professionell. Bowie war mit Michael Jackson mein Idol der 80er.

 

Was mögen Sie an Menschen?

Illmann: Offenheit und Ehrlichkeit. Ich mag keine aufgesetzte Freundlichkeit. Ich habe mit Menschen, die immer alles supertoll finden, meine Schwierigkeiten. Ich denke, ich merke auch recht schnell, wenn jemand nicht authentisch ist. Ich weiß auch eine Spur Ironie zu schätzen.

Zur Person

Peter Illmann, geboren im März 1959 in Dortmund, studiert nach dem Abitur Psychologie und Theaterwissenschaft und nimmt Schauspielunterricht. Illmann moderiert verschiedene Radio- und Fernseh-Shows: "Formel Eins", "Peters Pop Show" oder Sendungen beim WDR und dem privaten Hörfunksender 80s80s. Illmann wohnt mit seinem Lebenspartner in München und Brüssel.

 

Welche Eigenschaften haben Sie damals ins Radio gebracht?

Illmann: Ich hatte den Vorteil, dass ich machen konnte, was ich wollte. Ich durfte meine Meinung sagen, auch wenn ich etwas Kritisches von mir gab. Es gab manchmal Beschwerden von Hörern und Zuschauern deswegen. Ich hatte jedoch bei "Formel Eins" immer die volle Rückendeckung des WDR.

 

Was hat Ihnen beim Fernsehen geholfen?

Illmann: So eine Karriere kann man nicht planen. Der Schritt vor die Kamera war selbstverständlich für mich. Die Kamera ist für mich kein Fremdkörper, kein kaltes Auge. Ich kann in die Kamera frei sprechen, wie zu einem Menschen. Meine Texte habe ich nie vorher aufgeschrieben.

 

Dafür haben Sie ein Buch über die 80er und Ihr Leben geschrieben. Warum?

Illmann: Immer wenn ich etwas von Stars und Fernsehen erzähle, fragen die Leute, warum ich das nicht aufschreibe. Und dann habe ich das einfach mal gemacht. "Kult war nicht geplant" ist mit einigen Pausen zwischendurch entstanden. Es machte Spaß, in der Vergangenheit zu wühlen. Ich wollte aber auch ein wenig auf die aktuellen Problematiken wie Gendersprache und Political Correctness eingehen und die Unterschiede zwischen gestern und heute darstellen. Im sozialen Bereich, aber auch in den Medien.

 

Welche sind das zum Beispiel?

Illmann: Heute gibt es zum Beispiel fast nur noch Format-Radio mit Trailern, Jingles und Algorithmen, die berechnen, welches Lied am besten passt, damit die Hörer dranbleiben. Früher haben Moderatoren das selbst gemacht und die Musik ausgewählt.

 

Wenn Sie könnten, würden Sie eine Zeitreise in die 80er unternehmen?

Illmann: Ich würde mein iPhone vermissen (lacht). Vielleicht würde ich in ein anderes Zeitalter reisen wollen, aber nicht in die 80er, die kenne ich ja. Es war ja auch nicht alles toll. Toleranz und Gleichstellung oder die Akzeptanz von Homosexualität entstanden erst. Das ist heute viel besser. Trotzdem sind die 80er Kult. Das hat viel mit dem damaligen positiven Lebensgefühl zu tun. Ob es immer berechtigt war, sei dahingestellt, aber für mich und für viele andere war es eine tolle Zeit.

 

 
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