Warum Baden im Breitenauer See zwicken kann

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Badegäste des Breitenauer Sees sollten aufpassen, wo sie hintreten. Im Wasser lebt der Amerikanische Sumpfkrebs, der auch mal zuzwickt. Er löschte mit der Krebspest die heimische Population der Edelkrebse aus.

Von Reto Bosch und Patricia Okrafka
Der Rote Amerikanische Sumpfkrebs wird etwa 20 Zentimeter lang. Er ist aggressiver als seine Artgenossen, die in der Region heimisch waren.

Fotos: dpa
Der Rote Amerikanische Sumpfkrebs wird etwa 20 Zentimeter lang. Er ist aggressiver als seine Artgenossen, die in der Region heimisch waren. Fotos: dpa  Foto: dpa

Alle, die im Breitenauer See in Obersulm baden gehen, begegnen früher oder später dem aggressiven Amerikanischen Sumpfkrebs. Bis vor wenigen Jahren war im Breitenauer See noch der friedliche 20 Zentimeter große Edelkrebs heimisch.

Bis der aggressive Verwandte aus den USA auftauchte. Und einen pilzähnlichen Erreger mitbrachte, der ihm selbst nicht schadet, aber alle Edelkrebse dahinraffte. Invasion geglückt.

Ein Facebook-User hatte uns unter einem Beitrag in den Kommentaren mit einem Video auf die Sumpfkrebse aufmerksam gemacht. Hier geht es zum Facebook-Beitrag.

Badeschuhe tragen, damit der Krebs nicht zwicken kann

"Wir hatten viele Deutsche Edelkrebse im See. Jetzt ist nichts mehr da", sagt Dieter Bopp, Vorsitzender des Fischereivereins Breitenauer See. Vor etwa fünf Jahren haben die Angler bemerkt, dass sich der Rote Amerikanische Sumpfkrebs in dem Gewässer ausbreitet. Bopp geht davon aus, dass die ersten Tiere schon einige Zeit davor ausgesetzt worden sind.

Für Menschen soll der amerikanische Krebs nicht weiter gefährlich sein. Auch sein mitgebrachter Erreger nicht. Um sich beim Baden vor dem Zuzwicken zu schützen, sollten aber vor allem Kinder Badeschuhe tragen.

Der Amerikanische Sumpfkrebs ist aggressiv

"Die Leute kaufen irgendeinen Krebs mit Phantasienamen. Und wenn sie feststellen, dass die Tiere groß und aggressiv werden, setzen sie sie aus", beklagt Bopp und weist darauf hin, dass dies streng verboten ist. Inzwischen, schätzt der Löwensteiner, leben Tausende Sumpfkrebse, ebenfalls rund 20 Zentimeter groß, im Breitenauer See.

Eine zugewanderte Art hat also eine originär heimische verdrängt. Das klingt nicht tragisch, ist es aus der Sicht des Artenschutzes aber schon. Immerhin: Essbar ist auch der Amerikanische Sumpfkrebs. Der laut Bopp im Übrigen sehr viel aggressiver ist als der Edelkrebs. "Der Rote greift an."

Infizierte Heimische Edelkrebse sterben nach 24 Stunden an der Krebspest

Die Infektion mit dem Erreger, den die neue Krebsart mitgebracht hat, führe bei heimischen Krebsarten nach ein bis zwei Wochen ausnahmslos zum Tod. "Edelkrebse sind nach 24 Stunden tot, nachdem sie infiziert wurden", sagt Bopp. Die Krankheit könne in kurzer Zeit ganze Populationen auslöschen - wie die des Galizischen Sumpfkrebses.

Der europäische Edelkrebs Astacus Astacus. Laut Dieter Bopp sterben Edelkrebse bereits nach 24 Stunden nachdem sie mit der Krebspest infiziert wurden.
Der europäische Edelkrebs Astacus Astacus. Laut Dieter Bopp sterben Edelkrebse bereits nach 24 Stunden nachdem sie mit der Krebspest infiziert wurden.  Foto: Ingo Wagner (dpa)

Hauptüberträger seien resistente nordamerikanische Flusskrebsarten, die zeitlebens im Wasser bewegliche Sporen ausscheiden. Die Experte weisen darauf hin, dass diese auch über feuchte Gegenstände wie Gummistiefel oder Kescher von Gewässer zu Gewässer übertragen werden können. Aggressives Verhalten und eine schneller Vermehrung sind das Eine. Die für die Tiere todbringende Krebspest das Andere.

Die Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg (Autor: Christoph Chucholl) nennt den Sumpfkrebs "Invasor mit Biowaffe". "Laut Aussage der Fischereiforschungsstelle kriegt man die nie mehr los", sagt Bopp über den Amerikanischen Sumpfkrebs.

Schlechte Zukunftsaussichten für heimische Flusskrebse

Die Krebspest ist kein Problem des Breitenauer Sees allein. Das Landwirtschaftsministerium schreibt in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Landtags-SPD: Der Edelkrebs sei in Baden-Württemberg ursprünglich weit verbreitet und ein wertvoller Speisekrebs mit ehemals hoher fischereilicher Bedeutung gewesen.

"Vor allem aufgrund der Krebspest ist er aber in weiten Bereichen vollständig verschwunden und kommt heute nur noch punktuell vor." Die Scherenträger aus Amerika schätzt das Ministerium als eine "langfristige, massive und zunehmende Gefährdung" ein. Die Zukunftsaussichten für heimische Flusskrebse würden daher als "ungünstig-schlecht bewertet".

Im Moment beobachtet Dieter Bopp einen Rückgang der Amerikanischen Sumpfkrebs Population im Breitenauer See. "Diese Krebse sind Kannibalen. Wenn sie keine Nahrung finden, fressen sie sich gegenseitig. Es gibt viele Krebse, die nur noch eine Schere haben. Sie haben sie im Kampf verloren."

 

Invasoren

Die Krebspest ist nur ein Beispiel für Invasoren, die heimische Tier- oder Pflanzenarten bedrohen. Dazu gehören etwa der Asiatische Marienkäfer oder der Pilz, der das Eschentriebsterben auslöst. Allerdings erklärt das Bundesamt für Naturschutz: "Von den meisten gebietsfremden Arten, die sich bei uns ansiedeln konnten, gehen keine Gefahren für unsere Natur oder Gesundheit aus, und sie haben auch keine negativen wirtschaftlichen Auswirkungen."

Der Vorsitzende Dieter Bopp betreut mit seinem Verein auch den Buchhorner See der Gemeinde Pfedelbach. Derzeit gibt es dort noch keine Amerikanischen Sumpfkrebse, dafür friedliche Galizische Krebse. Bopp hofft, dass das auch so bleibt.

 

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