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Heilbronn/Region

Verschlimmern Portale wie Airbnb die Wohnungsnot in Heilbronn?

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Der DGB-Stadt- und Kreisverband Heilbronn kritisiert eine zunehmende "Zweckentfremdung" von Wohnraum in der Region für Ferienwohnungen und fordert Stadt und Landkreis auf, dies zu unterbinden.

Von Carsten Friese
Verteuern zunehmende Angebote für Ferienwohnungen in der Region die Preise auf dem normalen Wohnungsmarkt? Der DGB fordert ein Gegensteuern.
Foto: dpa
Verteuern zunehmende Angebote für Ferienwohnungen in der Region die Preise auf dem normalen Wohnungsmarkt? Der DGB fordert ein Gegensteuern. Foto: dpa  Foto: Frank Rumpenhorst, dpa

Nach DGB-Recherchen im Internet auf dem Wohnungsportal Airbnb seien im März "über 300 Wohnungen im Großraum Heilbronn und über 30 Unterkünfte allein in der Stadt Heilbronn angeboten worden", teilt DGB-Regionsvorsitzende Silke Ortwein mit.

Durch solche Angebote würde Wohnraum dem ohnehin angespannten Wohnungsmarkt entzogen, was "den Druck auf den Mietmarkt" erhöhe. Ortwein fordert Stadt und Landkreis zu einer Prüfung auf und regt ein Zweckentfremdungsverbot an, wie es Freiburg, Tübingen, Stuttgart, Heidelberg oder Konstanz erlassen hätten. Eine solche Zweckentfremdung von Wohnraum wirke als "Preistreiber auf dem Wohnungsmarkt".

Verwaltung widerspricht den Recherchen

Die Stadt Heilbronn widerspricht den Recherchen des DGB. Es seien unter den Angeboten sehr viele Privatzimmer in gemeinsam genutzten Wohnungen oder Hotelzimmer, die für den normalen Wohnungsmarkt "nicht relevant sind", teilt die Stadt auf Anfrage mit. Zudem habe der DGB auch Angebote aus Schwäbisch Hall, Stuttgart oder Sinsheim erfasst.

Für das Heilbronner Stadtgebiet habe man nur 30 Wohnungen als komplette Unterkunft gefunden - bei einem Gesamtbestand von 30.000. Die Stadt sieht deshalb keinen Anlass, aktiv zu werden. Mit Blick auf die Bundesgartenschau seien viele Hotels gut ausgebucht, so dass zusätzliche Angebote über Airbnb "vielleicht sogar benötigt werden". Und: Es gebe in der Verwaltung derzeit kein Bestreben, ein Zweckentfremdungsverbot für Wohnungen einzuführen, teilt Rathaussprecher Christian Britzke mit. Man hatte ein solches Verbot fünf Jahre lang bis 2002, habe es "aufgrund des hohen bürokratischen Aufwands wieder abgeschafft".

Metropolen seien wohl eher betroffen

Das Landratsamt ist für eine solche Prüfung nicht zuständig, wie der DGB annahm, sondern die Kommunen. Eppingens OB Klaus Holaschke, gleichzeitig Vizepräsident des Gemeindetags, hält von einem Zweckentfremdungsverbot wenig. Man wolle Leuten nicht sagen, sie müssten ihr Eigentum für bestimmte Zwecke zur Verfügung stellen. Das Problem bezahlbarer Mieten sei allen bekannt. Zum Beispiel mit Sanierungsförderprogrammen gehe man es in Eppingen an.

Und: Größere Kommunen überlegten, ob man gemeinsam Wohnbaugesellschaften gründet, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. "Da sind wir schon sehr aktiv", betont Holaschke. Auch im Gemeindetag sei das Thema Zweckentfremdungsverbot bisher nicht diskutiert worden. Probleme gebe es wohl eher in Metropolen, nicht so sehr im ländlichen Raum.

 

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