Vernichtendes Zeugnis für den Klimaschutz
Der Auftakt des Klima- und Energiedialogs startet mit drei wissenschaftlichen Fachvorträgen zu den Themen Energiewende, Ausbau der Erneuerbaren, Stromversorgung und grüner Wasserstoff.

Die Worte von Hans-Josef Fell sitzen. "Wir haben bisher keinen Klimaschutz auf der Welt hergestellt." Der Präsident von Energy Watch und Mitbegründer des Erneuerbare-Energien-Gesetzes macht eine kurze Pause, er weiß um die Wirkung. Es ist nicht das letzte Mal, dass es still bleibt im Raum des Heinrich-Fries-Hauses. Fells emotionaler Vortrag beim Auftaktabend des Klima- und Energiedialogs hat es in sich: Die CO2-Emissionen müssten nicht nur reduziert, sondern gestoppt werden. Erneuerbare Energien könnten mit politischer Unterstützung zwar schnell wachsen, werden seit Jahren aber aktiv durch zu hohe bürokratische Hürden verhindert. Dazu hält die Erdgas-Lobby die Politik mit ihrem "Geschäft des Alten" fest in der Hand.
Konfrontiert mit der Faktenlage zur fossilen Energie, zur Umstellung auf erneuerbare Energien und zur Klimaerhitzung, müssen die etwa 20 Gäste - darunter einige Heilbronner Stadträte sowie Baubürgermeister Andreas Ringle - schlucken. Auch die Fachvorträge von Dr. Eva Deuchert, Privatdozentin am Steinbeis Institut Stuttgart und Heilbronn zum Schwerpunkt Energie, und von Christopher Hebling, Leiter des Bereichs Wasserstofftechnologien am Fraunhofer-Institut, fallen ernüchternd aus.
Fundierte Lösungen
Mit dem Klima- und Energiedialog will das Netzwerk Klimaschutz Heilbronn ermöglichen, sich im Kontext von Klimaschutz und Energieversorgung über die gesellschaftliche Umsetzung auf Grundlage von wissenschaftlich fundierten Lösungen auszutauschen, erklären Thomas Bergunde von der Lokalen Agenda und Jürgen Krüger vom Bund Heilbronn. Der geplante Bau des Gaskraftwerks in Heilbronn gibt dazu reichlich Anlass. Schließlich ist fraglich, wie das Kraftwerk als Überbrückungstechnologie wirken soll, wenn das Kohlekraftwerk 2025 abgeschaltet wird und Heilbronn seine Treibhausgasneutralität bis 2035 erreichen will. Die Versorgung durch erneuerbare Energien aber noch nicht ausreicht und grüner Wasserstoff hier "nicht vor zehn Jahren" verfügbar sein wird, schätzt Christopher Hebling.
Die Essenz seines Vortrags: Wasserstoff wird auch für regionale Energieprobleme "bald" eine Rolle spielen. Als Rückgrat der globalen Energieversorgung werde ein molekulares Element benötigt, und das in großen Mengen. 500 000 Tonnen Wasserstoff benötige allein die Industrie im Land. "Es ist eindeutig, dass der Import von Wasserstoff durch globale Energiepartnerschaften eine wesentliche Säule der nationalen EU-Wasserstoffstrategie bildet", so Hebling.
Die Mischung macht's
Ab 2030 droht eine Versorgungslücke in der Primärenergieversorgung, zeigt Eva Deuchert. Diese fällt zwar kleiner aus, wenn die durch Kraftwerke verursachten Umwandlungsverluste abnehmen und weiter in die Energieeffizienz investiert wird. Einen Teil werde man aber nicht durch Strom decken können. "Deutschland wird energieautarker sein, den Rest werden wir importieren müssen." Und: "Sie werden die Gaskraftwerke brauchen", prophezeit Eva Deuchert. Allein mit den Erneuerbaren werde man nicht hinkommen. "Das ist aber auch nicht der Plan. Wir werden es nur mit einer Mischung schaffen."
100 Prozent erneuerbare Energien gehen nicht - das will Hans-Josef Fell nicht glauben. Ein Mix versorge immerhin schon sein Privathaus autark und zuverlässig. Den alternativen Strom-Mix zu fördern, Stärken und Schwächen zu nutzen, sei entscheidend, sagt Fell und wirkt fast versöhnlich. Sein Appell an Heilbronn: "Nutzen Sie den Neckar, bauen Sie Nah- und Fernwärmenetze."
Diskussion
Im Anschluss an die drei Vorträge gab es zwar eine Diskussion mit den Referenten an den Stehtischen, die offene Dialogrunde konnte aus zeitlichen Gründen aber nicht wie angekündigt stattfinden. Träger und Organisatoren wollen die Erkenntnisse der Auftaktveranstaltung aufarbeiten und ableiten, auf welche Themenfelder man sich künftig konzentrieren möchte. "Wir müssen die Inhalte mehr regionalisieren", zieht Thomas Bergunde von der Lokalen Agenda ein Fazit. Die Dialogreihe soll bestenfalls zu einer regelmäßigen Einrichtung werden.
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