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Vereine in der Region Heilbronn: So sind sie durch die Pandemie gekommen

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Nach zwei Jahren Pandemie kehrt allmählich Normalität bei Vereinen ein. Sie waren kreativ bei Ersatzangeboten. Die Festausfälle haben jedoch finanzielle Spuren hinterlassen.

Jetzt können sie wieder gemeinsam an mehreren Platten trainieren, die jungen Tischtennisspieler des TSV Weinsberg. Und sie sind voll bei der Sache.
Jetzt können sie wieder gemeinsam an mehreren Platten trainieren, die jungen Tischtennisspieler des TSV Weinsberg. Und sie sind voll bei der Sache.  Foto: Berger, Mario

Die Pandemie hat das gesellschaftliche Leben lahmgelegt, Lockdown und Corona-Regeln haben auch den Vereinen zu schaffen gemacht. Trainingshallen und Probelokale sind geschlossen gewesen, Wettkämpfe, Konzerte und Feste ausgefallen. Wie haben Vereine diese Zeit erlebt, und wie sind sie aus der Krise gekommen?

Fast wieder in der Spur

"Es ruckelt immer noch ein bisschen. Aber im Großen und Ganzen sind wir wieder in der Spur", beschreibt Helmut Deininger, Vorsitzender des rund 1200 Mitglieder starken TSV Weinsberg, erleichtert die aktuelle Situation. "Wir sind gut durch Corona gekommen, besser als befürchtet", fügt er hinzu. In mehrfacher Hinsicht habe die Stadtkapelle Musikverein Lauffen Glück gehabt, sagt Vorsitzender Karsten Wiese, was Räumlichkeiten und engagierte Musiker und Dirigenten betrifft. Vor allem die größeren Vereine seien in den vergangenen zwei Jahren durchaus aktiv gewesen, kann er als Vize-Vorsitzender des Blasmusikkreisverbands Heilbronn die Lage überblicken. "Ich könnte keinen Verein nennen, der sich komplett aufgelöst hat, bei manchem ist es aber ruhiger."


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Mut gefasst und wieder losgelegt

Gerald Kranich, Präsident des Chorverbands Heilbronn, spricht von einer "sehr schwierigen Zeit". Rund 20 Prozent der 84 Vereine hätten gar nichts machen können mangels geeigneter Räumlichkeiten. "Umso schöner ist es nun zu sehen, dass einige der traditionellen Chöre wieder Mut gefasst haben und loslegen."

Chormitglieder sangen mit Mikro im Auto

Die Chöre von Martin Renner - Voctails und Liederkranz Kochersteinsfeld sowie Beauties and the Beats aus Neckarsulm - müssen nicht durchstarten, weil sie keine Pause einlegten. Der Dirigent schaltete auf Zoomproben um. "Nach dem ersten Lockdown haben wir sofort wieder Konzerte gegeben", berichtet Renner, natürlich im Freien. Übungstracks für Zuhause hatten seine Sänger schon immer. Renner richtete sich ein Studio im Kreatief - Kultur im Unterland in Neckarsulm ein und lud die Sänger einzeln ein, damit sie ihre Stimme einsingen. So entstand eine CD.



Damit war die Kreativität des 36-Jährigen nicht erschöpft. Er versammelte seine Chormitglieder auf Parkplätzen - er selbst saß in seinem VW-Bus mit Studio - stattete jeden im Auto mit einem Funkmikrophon aus, und so kam die Chorprobe zustande. "Wir haben uns sogar verbessert und unser Konzertprogramm ausbauen können", stellt Renner zufrieden fest. "Ich bin einfach glücklich, dass ich mit meinen Leuten Kontakt halten konnte. Chorgesang hat für mich einen gesellschaftlichen Aspekt. Es geht darum, Menschen zusammenzubringen."

Vorfreude auf das 1.Mai-Fest

"Es wird höchste Zeit", sagt dennoch Kochersteinsfelds Liederkranz-Vorsitzender Achim Götzinger, dass Normalität einkehrt. Denn die gesamte Vereins- und Kulturlandschaft wäre sonst irgendwann zusammengebrochen. Der Verein sei relativ gut durch Corona gekommen, aber die Feste hätten gefehlt. So ist nach zwei Jahren Pause die Vorfreude groß auf das Fest am 1. Mai, die Haupteinnahmequelle des Vereins.

Großer Aufwand nötig

Spielausfälle, Spiele ohne Zuschauer oder nur in begrenzter Zahl, dazu keine Bewirtung danach, das wirkte sich auch beim Handball-Oberligisten TSV Weinsberg finanziell erheblich aus, berichtet Vorsitzender Deininger. Hygienekonzepte und Überwachung der Regeln bedeuteten einen großen Aufwand. Im Tischtennis mussten zum Beispiel Platten und Schläger ständig desinfiziert werden. Die Mannschaft der Kegler wurde aus dem Spielbetrieb genommen, weil sie Ungeimpfte in ihren Reihen hatte. "Das ist sehr bedauerlich", sagt Deininger. "Was möglich war, wurde gemacht." Und so stellt er die Tischtennisabteilung als vorbildlich heraus. Die baute auf der Kegelbahn Platten auf, um grüppchenweise die Jugendlichen zu trainieren.

Vorbereitungen waren oft umsonst

Abgesehen vom Lockdown konnte die Stadtkapelle Musikverein Lauffen mit ihren 150 Aktiven durchgehend proben - mit Hygienekonzept und Abstand, eigens gezimmerten Abstandswänden, Wegeplan und Desinfektionsstellen im Musikerheim, wie Karsten Wiese berichtet. Einige Musiker hätten zwar pausiert, seien aber bei Außenauftritten dabei gewesen, abgesprungen sei fast keiner. "In den schlimmsten Zeiten" gab es Online-Proben. Wiese fand es demotivierend, dass 2020 nur wenig Auftritte möglich waren, Vorbereitungen immer wieder durch die sich verschärfende Corona-Lage zunichte gemacht wurden.

Förderprogramm vom Bund

Musikerfeste, die Haupteinnahmequelle des Vereins, mussten ausfallen. "Das macht uns Sorge, weil wir das Musikerheim renovieren", sagt der Vorsitzende. Deshalb war er froh über finanzielle Unterstützung vom Bund. Der musikalische Betrieb konnte dank des Förderprogramms mit Zusatzaktivitäten aufrecht erhalten werden. Dazu gehört das tolle Abschlussprojekt, die CD-Audioaufnahme von Stadtkapelle mit dem Erwachsenen-Hobbyorchester Startups.

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