Verein Menschen in Not sammelt mehr als eine Million Euro für Bedürftige

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Die 51. Spendenrunde des Vereins Menschen in Not schließt mit einem Rekord: 1.238.520 Euro gehen an soziale Einrichtungen, Projekte und einzelne hilfsbedürftige Menschen in der Region. Trotz der Corona-Krise war die Spendenbereitschaft überwältigend.

von Annika Heffter

Die letzten 12 Monate waren außergewöhnlich, auch für den Verein Menschen in Not der Heilbronner Stimme. Selten hat sich so deutlich gezeigt, wie wichtig die schnelle und direkte Unterstützung der Hilfsaktion ist. Und noch etwas Außergewöhnliches ist passiert: In dieser 51. Aktionsrunde hat der Verein zum ersten Mal die Millionenmarke geknackt und einen neuen Spendenrekord erzielt.

Ein großartiges Zeichen der Solidarität mit hilfsbedürftigen Menschen, trotz oder vielleicht sogar wegen der Corona-Krise. "Die überwältigende Spendenbereitschaft in dem von der Pandemie geprägten Jahr 2020 hat mich völlig überrascht und zeigt das hohe bürgerschaftliche Engagement in der Region, auf das wir stolz sein können", sagt der Verleger der Heilbronner Stimme, Tilmann Distelbarth. Insgesamt gingen bis Ende Februar rund 1.238.520 Euro auf das Spendenkonto des Vereins ein.

Selbsthilfegruppen und Langzeitarbeitslose werden unterstützt

Einerseits kommt dieses Geld der Arbeit und den Projekten von örtlichen Sozialorganisationen zugute. Dazu zählt zum Beispiel das Peer-Community-Projekt der Heilbronner Aufbaugilde. Es koordiniert und fördert Selbsthilfegruppen von Menschen mit Behinderungen und deren Angehörigen. Dank der Spenden von Menschen in Not gibt es außerdem das Upcyclingprojekt "Hoppla" der Arbeitsinitiative Hohenlohekreis. Es richtet sich an Langzeitarbeitslose, die mit Hilfe von handwerklicher Arbeit Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und ein gestärktes Selbstwertgefühl bekommen sollen.

Andererseits vergibt der Verein Menschen in Not auch Direkthilfen und Lebensmittelgutscheine und vermittelt Sachspenden. So gingen in diesem Jahr etwa 30 000 Euro an ganz unterschiedliche Einzelfälle: Da gab es etwa den Rentner, der sich mit der Grundsicherung kaum über Wasser halten kann, aber dringend einen Zuschuss für Brillengläser braucht. Oder die Alleinerziehende, die in der Corona-Zeit ihren Job verloren hat. Oder Mutter und Tochter, die im Frauenhaus Schutz suchen mussten und sich jetzt ein eigenes Leben aufbauen wollen. Oder die Familie, die in der Winterzeit nicht genug Geld für Brennholz hat. Oder das achtjährige Mädchen, das mit einer geistigen und körperlichen Behinderung geboren wurde und ein Winter-Thermocape für den Rollstuhl braucht.

Psychische und finanzielle Probleme nahmen in der Corona-Krise zu

"Das Tolle an den Direkthilfen ist, dass sie schnell ankommen und Not sofort lindern können", erzählt die Vorsitzende des Vereins, Tanja Ochs. Das sei besonders in dem Corona-Jahr 2020 wichtig gewesen, in dem soziale Einrichtungen viel zu tun hatten. Manche, die vorher nicht hilfsbedürftig waren, mussten sich zum Beispiel zum ersten Mal an eine Schuldenberatung wenden. Andere erschöpfte die Pandemie psychisch und körperlich so sehr, dass sie auf Hilfsangebote wie Therapeuten oder die Telefonseelsorge angewiesen waren. Menschen, die zum ersten Mal Sozialleistungen beantragten, mussten wegen der Überlastung der Ämter oft lange auf Unterstützung warten. Der Verein Menschen in Not reagierte unbürokratisch. Doch nicht nur darauf kommt es der Hilfsaktion an: "Wir legen besonderen Wert auf Transparenz und Verlässlichkeit. Das große Vertrauen, das uns die Spenderinnen und Spender schenken, ehrt uns und wir haben dies in all den Jahrzehnten nie enttäuscht", sagt Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer.

Sonderprojekte helfen Familien im Lockdown und Wohnungslosen

Neben den Ausschüttungen an soziale Einrichtungen und den Direkthilfen hat Menschen in Not in diesem Jahr zwei Sonderprojekte auf die Beine gestellt. Das erste startete gemeinsam mit dem Heilbronner Kinderschutzbund im Frühjahr 2020 mit einem gesonderten Spendenaufruf, um Familien im ersten Corona-Lockdown zu unterstützen. Schnell kam eine fünfstellige Summe, rund 15 000 Euro, zusammen, die in Form von Lebensmittelgutscheinen an 96 Familien und in Form von Bastel- und Spielmaterial an mehr als 170 Kinder verteilt wurde.

 Foto: unbekannt

Als zweites großes Sonderprojekt hat der Verein Geld für zwei Tiny Häuser gespendet. Diese werden von obdachlosen Menschen übergangsweise bewohnt. "Ein eigenes Dach über dem Kopf ist wichtig. Wir hoffen, dass die Tiny Häuser vielen wohnungslosen Menschen helfen, nachhaltig wieder Fuß in der Gesellschaft zu fassen", sagt Tanja Ochs. Ungefähr 85 000 Euro hat der Verein für die Sozialaktion zur Verfügung gestellt. Eines der Tiny Häuser steht bereits in Schwaigern und wird von einer Familie mit zwei Kindern bewohnt. Das zweite wird in Heilbronn-Sontheim aufgebaut. Betreut werden die Bewohner von der Heilbronner Aufbaugilde.

Im November geht die Aktion in die 52. Runde, Spenden werden aber über das ganze Jahr gesammelt. Seit Dezember 1970 arbeitet die Heilbronner Stimme mit regionalen Sozialeinrichtungen zusammen, um Menschen zu unterstützen, die in Not geraten sind. Beim ersten Spendenaufruf vor 51 Jahren kamen 11 500 Mark zusammen.

 
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