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Interview

Womit die Veranstaltungsbranche bei Konzerten und Festivals zu kämpfen hat

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Hat sich die Branche von der Corona-Krise erholt? Veranstalter Rolf Weinmann aus Neuenstadt gibt eine Einschätzung.

Das Open-Air im Heilbronner Wertwiesenpark 2019: Beim Konzert von Sänger Rea Garvey  feierten 4000 Fans. Gibt es eine Neuauflage der Veranstaltung?
Das Open-Air im Heilbronner Wertwiesenpark 2019: Beim Konzert von Sänger Rea Garvey feierten 4000 Fans. Gibt es eine Neuauflage der Veranstaltung?

Hat sich die Veranstaltungsbranche von der Corona-Pandemie endlich erholt? Rolf Weinmann vom Veranstalter Provinztour aus Neuenstadt gibt eine Einschätzung. Und verrät, ob es eine neue Auflage des Wertwiesen-Open-Airs in Heilbronn geben könnte.

 

Herr Weinmann, im Mai hat die Weltgesundheitsorganisation WHO den internationalen Gesundheitsnotstand aufgehoben, Corona scheint vorbei. Wie geht es den Veranstaltern?

Rolf Weinmann: Ich habe das Gefühl, der Branche geht es relativ gut. Die Corona-Krise wurde nicht zuletzt wegen der staatlichen Hilfen ziemlich gut überstanden.

 

Also alles gut?

Weinmann: Nein. Ein großes Problem sind die massiven Kostensteigerungen: Bühne, Ton, Licht, fast jeder Künstler will inzwischen Videotechnik. Der Markt hat nicht genug zur Verfügung, die Preise sind dementsprechend hoch. Im Gegensatz zum Vorjahr sind die Kosten nochmal um 30 bis 40 Prozent gestiegen. Das könnte für einige nach dem Sommer zum Problem werden. Mit Blick auf die Nebenkosten überlegt man sehr genau, für was man sein Geld noch ausgibt.

 


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Entspannt sich die Lage bald?

Weinmann: Ich sehe das erst einmal nicht. Die Dienstleister testen aus, was sie am Markt nehmen können. Die Preise würden sie nur dann senken, wenn das Angebot steigen würde.

 

Welche Entwicklungen machen Sie fest?

Weinmann: Der Dezember und der Januar waren früher die Monate mit den meisten Veranstaltungen, nämlich um die 20. Jetzt sind es noch sieben bis acht. Wir haben im Sommer 30 Open-Air-Konzerte. Ohne seine Mitarbeiter aufzustocken, muss man Abstriche machen, und das macht man dort, wo man die geringsten Chancen sieht, wirtschaftlich arbeiten zu können. Veranstaltungen im Herbst und im Winter verkaufen sich schwerer als im Sommer, diese Entwicklung hat sich schon vor Corona abgezeichnet. Ein Trend ist auch, dass die Leute inzwischen lieber auf Events in der Größenordung zwischen 5000 bis 10.000 Zuschauern gehen als auf mehrtägige Festivals mit teils horrenden Preisen.

Rolf Weinmann vom Veranstalter Provinztour aus Neuenstadt: "Wenn man nur auf große Künstler setzt, ist es ein Risiko."
Rolf Weinmann vom Veranstalter Provinztour aus Neuenstadt: "Wenn man nur auf große Künstler setzt, ist es ein Risiko."

 

Es gibt in diesem Sommer sehr viele Veranstaltungen, oft finden große Events parallel statt.

Weinmann: Wir sind froh, dass wir mit dem Vorverkauf vieler unserer Veranstaltungen im vergangenen Jahr raus sind. Für die Open-Airs in diesem Jahr hatten wir an Weihnachten schon rund 80.000 Tickets verkauft. Veranstalter, die erst in diesem Jahr in den Verkauf gegangen sind, tun sich deutlich schwerer.

 

Bei dieser Lage: Geht man als Veranstalter auf Nummer sicher und setzt nur noch auf die großen, bekannten Namen?

Weinmann: Ja und nein. Ohne die Zugpferde geht es nicht. Wenn man aber nur auf große Künstler setzt, ist es ebenfalls ein Risiko. Man sieht es aktuell beim Download-Festival auf dem Hockenheimring, das große Metal-Bands wie Slipknot oder Volbeat hatte und trotzdem abgesagt wurde. Man muss eine gute Mischung finden und auch auf den Nachwuchs setzen, um ein breites Publikum anzusprechen und um sich bei manchen Agenturen nicht ins Aus zu schießen.

 

Sie haben im Jahr 2019 zuletzt ein Wertwiesen-Open-Air in Heilbronn organisiert. Wird es irgendwann nochmal eine Neuauflage geben?

Weinmann: Das ist eine gute Frage. Wenn ich passende Künstler angeboten bekomme, die gut in den Wertwiesen-Park passen und es auch zeitlich passt, will ich es nicht ausschließen. Man muss natürlich auf die Wirtschaftlichkeit achten. Bei den letzten Ausgaben gab es einigen Gegenwind von Anwohnern, die einem schon ein wenig die Lust nehmen. Dazu kommt auch die Konkurrenzsituation mit anderen Events.

 


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