Unterwegs auf Youtube und Instagram

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Aller Anfang ist schwer: Medienpädagogin Kim Beck rät Eltern, ihren Kindern beim Umgang mit den sozialen Netzwerken zu helfen.

Von Fiona Drewnitzky
Kim Beck. Foto: Privat
Kim Beck. Foto: Privat

Alle sozialen Netzwerke schreiben ein Mindestalter von 13 oder sogar 16 Jahren vor. Warum tummeln sich dort trotzdem so viele Jüngere?

Kim Beck: Es gibt keine oder nur sehr lapidare Kontrollen und natürlich das Gefühl: Alle anderen machen es doch auch.

 

Wie lernen Kinder, auf ihre Rechte im Netz zu achten?

Beck: Eltern sollten so früh wie möglich damit anfangen, ihren Kindern beim Umgang mit den Medien zu helfen und auf Gefahren hinzuweisen. Wichtig ist, immer im Gespräch zu bleiben, nachfragen: Was ist los in der Whatsapp-Gruppe? Zeig mal, was du auf Youtube schaust! Die Kinder müssen aber das Gefühl haben: Meine Eltern interessieren sich ehrlich dafür, womit ich mich beschäftige.

 

Kinder sind oft fitter im Umgang mit den Medien als ihre Eltern. Können Eltern dann überhaupt helfen?

Beck: Dafür gibt es sehr hilfreiche Portale wie klicksafe.de und handysektor.de.

 

Bis zu welchem Alter sollen Eltern ihre Kinder im Netz kontrollieren?

Beck: Es gibt kein Alter, wo man sagen kann: Hier kann man aufhören aufzupassen. Wenn Kinder anfangen, sich der Kontrolle zu entziehen, sollte man das Gefühl haben, man hat ihnen bereits alles Wichtige beigebracht. Wie beim Schulweg: Die Eltern gehen am Anfang mit. Irgendwann wollen die Kinder alleine gehen. Dann müssen sie die Regeln kennen.

 

Welche sozialen Netzwerke sind besonders heikel für Kinder?

Beck: Ich fürchte, alle sozialen Netzwerke, die bei Kindern angesagt sind, bergen Gefahren - Youtube, Whatsapp, Instagram, Tik Tok, das ist das ehemalige Musical.ly. Bei Whatsapp sind es Kettenbriefe und Cybermobbing. Bei Youtube oder Instagram hat man mit einem öffentlichen Account überhaupt keine Kontrolle, wer welche Inhalte sieht. Bei Tik Tok eifern Kinder Stars nach, die sich oft in sehr knappen Outfits zeigen. Das machen junge Mädchen dann auch - und stellen es ins Netz, für alle sichtbar.

 

Was treibt Kinder in die sozialen Medien?

Beck: Eine Whatsapp-Klassengruppe vermittelt zum Beispiel das Gefühl, die ganze Zeit mit Freunden zusammen zu sein. Das wünscht man sich in diesem Alter. Auch die Selbstfindung spielt eine Rolle. Wer bin ich? Wie komme ich an? In sozialen Netzwerken kann man sich ausprobieren. Nehmen Sie ein Mädchen, das sich gerne schminken würde, aber sich nicht traut. Es versucht es zuerst mit einem Foto auf Instagram, auf dem es geschminkt ist, und wartet die Reaktionen ab. Aufpassen müssen Eltern, wenn Dinge, die dem Kind bisher Spaß gemacht haben, in den Hintergrund treten, weil es lieber auf Whatsapp oder Youtube Zeit verbringt.

 

Drei Erste-Hilfe-Tipps bei Cyber-Mobbing?

Beck: Erstens Prävention - auch in der Schule. Dort sollten klare Regeln vermittelt werden, wie die Kinder online miteinander umgehen. Zweitens: Sich jemandem anvertrauen. Kinder sollten das Gefühl haben: Ich kann meine Eltern fragen, wenn etwas schiefläuft und bekomme keinen Ärger. Für Kinder, die das trotzdem nicht wollen, gibt es die "Nummer gegen Kummer". Drittens: Betroffene unterstützen. Jeder, der von Mobbing etwas mitbekommt, ist verpflichtet, zu helfen oder Hilfe zu holen.


Zur Person: Kim Beck (28) ist Medienpädagogin. Sie konzipiert bei der Mecodia-Akademie Veranstaltungen und Fortbildungen und leitet außerdem die Redaktion der Informationsplattform Handysektor. Mecodia beteiligt sich an dem Projekt Sicher@net der Sozialstiftung der Kreissparkasse Heilbronn. In einer Projektwoche vom 15. bis 19. Oktober rund um Medienbildung gibt es Informationen für Schüler, Eltern und Lehrer. Mehr auf www.sicher-at.net 


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