Turbulentes Spiel um Moral und Geld
Mit „Das Haus in Montevideo“ feierten die Burgfestspiele Stettenfels am Freitagabend eine gelungene Premiere im Burggraben. Von einer Aufführung, die voller Spielfreude steckte.
Ein wahrhaft komisches und turbulentes Stück, ein Ensemble voller Spielfreude und viel Sinn für Details: Bei der Premiere von „Das Haus in Montevideo“ begeisterten die Burgfestspiele Stettenfels am Freitagabend das Publikum im Burggraben. Mit dem Komödien-Klassiker nach Curt Goetz gelingt den Amateur-Darstellern einmal mehr ein ein unterhaltsames Spiel, das trotz der zweieinhalbstündigen Aufführung keine Längen hat. Die Zuschauer belohnen die beachtliche Leistung mit langem, herzlichen Applaus.
Hauptdarsteller Fritz Opel weiß in der Rolle des strengen Moralisten Professor Dr. Traugott Hermann Nägler von der ersten Minute an zu überzeugen. Traugott erzieht seine zwölf Kinder voller Strenge und er ist es auch, der seine Schwester aus der Familie verstößt, nachdem sie mit 17 Jahren ein uneheliches bekommt. Josephine wird reich und berühmt als Sängerin Maria Marcado und soll in posthum als Rache in eine moralische Krise stürzen: Wer gewinnt am Ende? Die Moral oder eben doch das liebe Geld?
Lieblinge des Publikums sind die zwölf Kinder
Nicht minder spielfreudig erweisen sich seine Frau Marianne (Carolin Niederbracht) oder Pastor Riesling (Günther Hörl). Alle drei sorgen mit Sprach- und Wortwitz in den pointierten Dialogen immer wieder für Lacher beim Publikum und Zwischenapplaus. Aber auch die Nebenrollen sind in der Inszenierung von Regisseurin Ursula Simon toll besetzt: Sei es nun die stöhnende Magd Martha (Doris Pflicke) oder der vollkommene unsichere und unbeholfene Ingenieur Herbert Kraft (Cedric Glose/Bernd Lindauer), zugleich Verehrer der bezaubernden Atlanta (Rebecca Kimmig), Traugotts ältester Tochter.
Die zwölf, vom Vater herumkommandierten und streng erzogenen Kinder der Familie Nägele spielen sich sofort in die Herzen des Publikums. Wenn sie stramm stehen müssen, wie aus der Pistole geschossen Fragen beantworten oder singen und musizieren. Allen voran die jüngste Darstellern des 28-köpfigen Ensembles, die erst vierjährige Helen Ehrhardt.
Ein uneheliches Kind muss her - schnell
Die Aussicht, durch das Erbe seiner verstorbenen Schwester zum Gönner und damit zu Ruhm und Ansehen zu kommen, kann Traugott schließlich nach Spanien locken. Ihr Haus in Montevideo hat die Schwester seiner ältesten Tochter vererbt. Von der bieder-bürgerlichen Stube geht es in den exotischen Süden. Der Pastor begleitet Traugott und Atlanta auf ihrer Reise.
Musikalisch begleitet wird das Stück vom Musikverein Heinriet, der nach der Pause in Ponchos und Sombreros aufspielt. Schnell stellt sich heraus, das Traugott das Haus seiner Schwester nicht zu Geld machen kann, dafür hat sie mit ihrem Testament gesorgt. Schlimmer noch: Die Erbschaft einer großen Summe Bargeld ist an eine Klausel geknüpft. Traugott bekommt das Geld nur, wenn sich eine Tragödie wie die, die die Schwester erlebt hat, sich in der Familie innerhalb einer Frist wiederholt.
Atlanta mit ihren 17 Jahren müsste also schnellstmöglich ein uneheliches Kind bekommen. Wie passend, dass Herbert ihr nach Spanien nachgereist ist, um beim Vater um ihre Hand anzuhalten. Als der so durch und durch auf Moral pochende Traugott tatsächlich anfängt nachzurechnen, ob noch die Chance auf ein uneheliches Kind besteht, spitzt sich die temporeiche und turbulente Handlung zum urkomischen Höhepunkt zu.
Vorverkauf und Abendkasse: „Das Haus in Montevideo“ auf Burg Stettenfels ist bis zum 11. August noch zwölf Mal zu sehen. Vorstellungen sind jeweils mittwochs, freitags und samstags. Einlass ist bereits ab 19.30 Uhr, Beginn um 20.30 Uhr. Tickets für die Aufführungen im Burggraben gibt es im Vorverkauf für 16 Euro bei der Heilbronner Stimme , Heilbronn Marketing, Getränkemarkt Nitschke in Untergruppenbach, First Reisebüro Weinsberg, Buchhandlung Rau Öhringen, Bottwartal Souvenirs Großbottwar, Buchhandlung Chardon Neckarsulm, City Music Ludwigsburg, Schilleria Marbach. Abendkasse: 18 Euro.
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