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Neckarsulm

Mit Genauigkeit und Leistung zum Traumberuf Schreinerin

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Die Schreinerei Schäfer Wieland in Neckarsulm beschäftigt im aktuellen Jahrgang drei weibliche Auszubildende. Ihre Berufswahl in dem männerdominierten Handwerk finden die jungen Frauen sehr spannend.

Von Michelle Megerle und Frank Wittmer
Gleich alle drei Azubis im neu gestarteten Ausbildungsjahr sind bei der Schreinerei Schäfer Wieland junge Frauen: Amelie Uhl (19), Lilly Csik (18) und Zarah Binder (16) (von links) wollen in dem sonst eher männerdominierten Handwerk durchstarten. Meisterin Tamara Klemm (Mitte) zeigt ihnen, wo's lang gehen kann.
Gleich alle drei Azubis im neu gestarteten Ausbildungsjahr sind bei der Schreinerei Schäfer Wieland junge Frauen: Amelie Uhl (19), Lilly Csik (18) und Zarah Binder (16) (von links) wollen in dem sonst eher männerdominierten Handwerk durchstarten. Meisterin Tamara Klemm (Mitte) zeigt ihnen, wo's lang gehen kann.  Foto: Christiana Kunz

Mike Wieland, gleichberechtigter Chef neben Joachim Schäfer, freut sich, dass „wir keine Probleme haben, an Auszubildende zu kommen“, betont aber auch, dass die Auswahl der drei jungen Frauen rein nach ihren Leistungen erfolgt ist. Während eines verpflichtenden Praktikums konnten die drei neuen Auszubildenden überzeugen. „Da lernt man sich kennen und merkt, ob jemand ins Team passt.“ 

Für Frauen im Handwerk gute Entwicklungs- und Aufstiegschancen

Aber auch die neuen Auszubildenden haben sich bewusst für den Handwerksbetrieb entschieden. „Die Kollegen waren sehr nett“, sagt die mit 16 Jahren jüngste Zarah Binder. Amelie Uhl findet es schön, dass es mit der 27-jährigen Tamara Klemm eine Meisterin im Betrieb mit insgesamt 39 Mitarbeitern gibt. Dies zeige, dass es für Frauen im Handwerk gute Entwicklungs- und Aufstiegschancen gebe, fügt Wieland hinzu. Derzeit hat der Betrieb sieben Auszubildende, davon sind vier weiblich. „Wir bieten allen die Übernahme an und die meisten bleiben da“, ist Joachim Schäfer auf die durchweg sehr guten Leistungen seiner Azubis stolz. 

Frauenpower an der Säge

Der hohe Frauenanteil sei tatsächlich „sehr ungewöhnlich im Handwerk“, stellt Wieland fest, der betont, dass „Jungs noch Aufholbedarf bei der Zuverlässigkeit haben“. Lilly Csik bestätigt, dass sie es immer versucht, ihre Arbeit möglichst genau zu machen. Vor allem Zuverlässigkeit, Genauigkeit und Gründlichkeit sind wichtige Aspekte, welche man für den Schreinerberuf mitbringen muss, betont Wieland. Schließlich arbeite der Betrieb mit hochwertigen und teuren Materialien, so Joachim Schäfer. „Da muss man seinen Kopf dabei haben.“ Oder anders ausgedrückt: Man muss so arbeiten, wie man es daheim gern hätte, so das Motto der Firma. 

Lilly findet an ihrem Beruf spannend, dass er so vielfältig ist. „Ich wusste vorher gar nicht, was ein Schreiner alles macht.“ Der Betrieb ist breit aufgestellt und stattet neben dem klassischen Möbelbau im Privatbereich auch Jugendherbergen, Bäckerei-Filialen, Arztpraxen bis hin zur Kur-Klinik mit Holzelementen aller Art aus. 

Zarah erklärt, dass sie bereits während des Praktikums „viele verschiedene Dinge ausprobieren und mit auf Montage“ durfte. Dass alle drei großen Spaß und Interesse an der Schreinerausbildung haben, merkt man im Gespräch sofort.

Amelie findet es schön, „dass man sieht, was man gearbeitet hat“. Die von Architektur begeisterte junge Frau würde gern mal einen Schrank selbst entwerfen und bauen. Das komme schon bald, sagt ihr Chef Mike Wieland. „Unsere Auszubildenden bauen gegen Ende ihrer Lehre ein komplettes Schlafzimmer auf.“ 

Vorurteile auf der Baustelle? Fehlanzeige!

Die Frage, ob sie auf der Baustelle mit Vorurteilen zu kämpfen hatten, können alle drei verneinen. Auch Joachim Schäfer sieht das als „sehr erfreulich“ an und sagt: „Unsere Mädels sind sehr taff!“ Selbstverständlich ist: Zu dem separaten Frauen-Bereich mit Duschen und Umkleide hat nicht einmal der Chef einen Schlüssel. 

Handwerksberufe sind mit körperlicher Anstrengung verbunden. Deshalb werde dieser Aspekt auch immer im Vorstellungsgespräch erwähnt, erläutert Wieland. „Das Praktikum ist gut, weil man sieht, wie es später wird“, so Lilly. Amelie betont, dass „es von vorneherein klar war, dass es anstrengend wird“. Die Kollegen helfen aber gerne, „und man läuft zur Not auch zwei Mal“. Schlafprobleme habe sie nach einem Arbeitstag keine, sagt die 19-Jährige und lacht.  

Mit Säge und Hobel wird nach wie vor gearbeitet. Der Schreiner-Beruf werde interessanter durch die programmierbaren Maschinen, erklärt Schäfer. Somit ist der Beruf anspruchsvoller als früher. „Man muss auch was von Elektronik verstehen, um eine CNC-Maschine zu bedienen“, fügt er hinzu. Die drei Auszubildenden sind sich einig: Die Vielfalt der Arbeit und dass man am Ende des Tages den eigenen Fortschritt sehen kann, macht ihnen am meisten Freude.

Schreinerin beliebtester Handwerksberuf bei Frauen

Insgesamt liegt der Frauenanteil bei Auszubildenden des Handwerks im Kammerbezirk Heilbronn-Franken bei 18,6 Prozent quer durch alle Berufe. Der Frauenanteil bei Auszubildenden im Bereich Holz (hauptsächlich Tischlerinnen/Schreinerinnen) liegt bei 13,3 Prozent. Der Beruf Tischlerin/Schreinerin gehört unter Frauen regelmäßig zu den beliebtesten Ausbildungsberufen im Handwerk. Aktuell rangiert er auf Platz 6 nach Friseurin, Kauffrau für Büromanagement, Augenoptikerin, Konditorin und Fachverkäuferin Bäckerei. Im Kammerbezirk werden mehr als 22 Prozent aller Betriebe von einer Frau geführt.

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