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Brackenheim

Thomas Csaszar gewinnt die Bürgermeisterwahl in Brackenheim haushoch

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94,3 Prozent für den Wahlsieger. SPD-Fraktionssprecher im Gemeinderat bescheinigt Brackenheimer Bürgern "demokratische Reife".

Rolf Kieser (v.l.), Karin Kieser, Corinna Alagic und Thomas Csaszar freuen sich über den Ausgang der Bürgermeisterwahl in Brackenheim.
Foto: Matthias Heibel
Rolf Kieser (v.l.), Karin Kieser, Corinna Alagic und Thomas Csaszar freuen sich über den Ausgang der Bürgermeisterwahl in Brackenheim. Foto: Matthias Heibel  Foto: Heibel, Matthias

Der Zaberfelder Bürgermeister Thomas Csaszar wird neuer Bürgermeister von Brackenheim. Mit 94,3 Prozent der Stimmen setzte sich der 56-Jährige klar gegen vier Mitbewerber durch. "Ich bin überwältigt", sagte der Wahlsieger nach der Verkündung des Ergebnisses. Er versprach in den kommenden acht Jahren zu beweisen, "dass ich der kompetente Bewerber war". Csaszar tritt sein neues Amt am 1. März 2020 an.

Wahlergebnis löst großen Jubel aus

Die Kandidaten Jochen Halter, Samuel Speitelsbach, Michael Fischer und Ulrich Raisch hatten mit dem Ausgang der Wahl nichts zu tun. Dennoch bricht bei der Verkündung des Wahlergebnisses im Bürgersaal des Rathauses großer Jubel aus. "Die Wahlbeteiligung hätte besser sein können", sagt Dr. Josef Festl, Fraktionssprecher der SPD im Brackenheimer Gemeinderat. Aber angesichts des desaströsen Kandidatenfelds bezeichnete Festl das klare Ergebnis "als ein gutes Zeichen für die demokratische Reife der Wähler in unserer Stadt".

Stadträtin bescheinigt Csaszar große Motivation

Als regelrechten "Schrecken" bezeichnete Stadträtin Brigitte Hentschke (Liste 21) die Auftritte der vier anderen Bewerber im Vorfeld der Wahl. So äußerte sich auch Fraktionskollegin Ute Frank erleichtert über den Ausgang der Wahl. "Die Mehrheit der Menschen agiert doch vernünftig. Nach dem Spektakel bei der Kandidatenvorstellung am Dienstag hatte ich meine Zweifel", sagt Ute Frank. "Er ist unheimlich motiviert, und nach allem, was man hört, hat er in Zaberfeld eine sehr gute Arbeit gemacht", sagt sie über den Wahlsieger.

CDU-Fraktionssprecher Helmut Kayser zeigt sich ebenfalls zufrieden mit dem Ausgang der Wahl. Csaszar sei bei weitem nicht nur ein Kompromisskandidat. "Er wird ein guter Bürgermeister", sagt Kayser. Auch die Grünen im Gemeinderat sind mit dem Ausgang der Wahl zufrieden. "Das Ergebnis ist so, dass man Brackenheim weiter voranbringen kann", sagt Thomas Neuschwander. Auch wenn sich die Grünen mehr ernsthafte Kandidaten gewünscht hätten.

Amtszeit von Rolf Kieser endet am Ende Februar

Amtsinhaber Rolf Kieser ist nach 32 Jahren im Amt nicht mehr bei der Wahl zum Bürgermeister angetreten. Seine Amtszeit endet Ende Februar. Auch Kieser hätte sich eine höhere Wahlbeteiligung gewünscht. "Das ist zu wenig, egal, wie die Konstellation ist", so Kieser am Rande der Veranstaltung.

Der noch amtierende Bürgermeister Rolf Kieser (rechts) gratuliert seinem Nachfolger Thomas Csaszar zum klaren Wahlsieg.
Foto: Matthias Heibel
Der noch amtierende Bürgermeister Rolf Kieser (rechts) gratuliert seinem Nachfolger Thomas Csaszar zum klaren Wahlsieg. Foto: Matthias Heibel  Foto: Heibel, Matthias

Am Mittag hatte sich eine geringe Wahlbeteiligung abgezeichnet. Zumindest in Brackenheim Mitte. Das Wahllokal im Rathaus werde traditionell eher schwächer aufgesucht, erklärt Steffen Heinrich, Leiter der Stabsstelle Presse und Kultur. Am Ende liegt die Wahlbeteiligung bei 45,4 Prozent. Für viele Wähler sei der Ausgang schon klar, sagt Kämmerer Jörg Leonhardt, der am Sonntag als Wahlhelfer arbeitete. "Die Leute schauen uns groß an, wenn wir ihnen sagen, sie sollen die Wahlbenachrichtigung für eine eventuelle Stichwahl aufheben."

Votum ist eindeutig

Tatsächlich sind die Stimmen der Bürger an den Urnen eindeutig. "Eigentlich wäre es gar nicht notwendig gewesen zu wählen", sagte etwa Viktor Müller. "Es ist offensichtlich, wer Bürgermeister wird. Vier Kandidaten sind obsolet. Aber man muss eben auch seiner Bürgerpflicht nachkommen." Ähnlich sieht das auch Stefan Gramespacher. "Mehrere Kandidaten haben sich mit ihren Aussagen lächerlich gemacht. Ich denke, die Sache wird relativ eindeutig." Mit seiner Wahl wolle er den künftigen Bürgermeister unterstützen.

Für Elisabeth Kemmler-Daniel und Wolfgang Daniel ist die Person des Bürgermeisters wichtig für die Stadt. "Wir hatten eine lange Phase der Beständigkeit. Ich hoffe, dass es jetzt auch gut weitergeht." Deshalb seien sie zur Wahl gegangen. Über die Kandidaten habe sich ihre vorgefasste Meinung bei der Bewerbervorstellung im Bürgerzentrum bestätigt. "Ich hoffe, dass es nicht spannend wird", sagt Elisabeth Kemmler-Daniel.

Wähler legen Wert auf Erfahrung und Sachverstand

Ähnlich sieht das Myriam Boos. "Ich habe meine Stimme dem gegeben, von dem ich glaube, dass es passt." Einen Namen muss sie nicht nennen. "Er hat Erfahrung in der Verwaltung und in der Personalführung und kennt sich auch im Zabergäu-Verband aus." So müsse ihr Favorit nicht bei Null anfangen.

Auf Kompetenz setzt auch Nina Fehr. Sie nennt natürlich nicht den Namen des Kandidaten, den sie gewählt hat. Nur so viel: "Er bringt schon viel Erfahrung aus Zaberfeld mit." Dass sie auch bei einer eindeutigen Wahl zur Urne gehe, sei für sie selbstverständlich. "Ich wohne schließlich hier", sagt Nina Fehr.


Kommentar 

Csaszar muss in die Fußstapfen seines Vorgängers treten

Demokratie muss zuweilen einiges aushalten. So wie auch die Bürgermeisterwahl in Brackenheim. Fünf Kandidaten wollten Rathauschef in der Heuss-Stadt werden. Mindestens drei davon liefen unter der Kategorie unfreiwillige Spaß-Kandidaten. Wahlveranstaltungen mutierten zu Comedy-Shows, bei denen mitunter kaum zu verstehen war, worüber drei der fünf Bewerber überhaupt sprachen.

Und was das Ganze dann mit Brackenheim zu tun haben soll. Auch der Schwaigerner Stadtrat Michael Fischer war chancenlos. Er zeigte sich bei mehreren Themen nicht sattelfest. Auf den Sachverstand von Fachbereichsleitern in der Verwaltung zu verweisen, ist einfach viel zu wenig. 

Dass Thomas Csaszar die Wahl gewonnen hat, ist keine Überraschung

So ist es am Ende keine Überraschung, dass Thomas Csaszar die Wahl klar für sich entschieden hat. Auch wenn er mit 56 Jahren wohl nicht für eine allzu langfristige Perspektive steht. Und ihm sein Votum im Kreistag für die Schließung des Brackenheimer Krankenhauses so mancher Bürger wahrscheinlich nie verzeihen wird. Während des gesamten Wahlkampfs präsentierte sich der Zaberfelder Bürgermeister aber strukturiert, souverän und engagiert.

Die Brackenheimer goutierten das mit einem großem Vertrauensvorschuss. Csaszar muss jetzt beweisen, dass er nicht nur der beste Kandidat im Vergleich zu den anderen Bewerbern war, sondern, dass er das Zeug hat, in die Fußstapfen seines Vorgängers zu treten.

 

 

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