Tausende Kerzen bringen Menschen in der Kunstnacht zusammen
Erleuchtet von der Feuershow und Lichtkegeln bietet die Altstadt von Bad Wimpfen die perfekte Kulisse für die lange Kunstnacht. Am Samstagabend rücken hier Menschen zusammen, um Kultur und Kunst zu genießen.
Das schwindende Licht bereitet dem leuchtenden Glanz die Bühne. Sobald die Dunkelheit über Bad Wimpfen hereinbricht, zaubern tausende Kerzen, strahlende Herzen und sengende Flammen eine ganz besondere Atmosphäre in die Gassen der Altstadt. Die lange Kunstnacht bietet nahezu alles, was Kultur ausmacht: Musik, Malerei, Theater, Skulpturen. Und sie bringt die Menschen zusammen.
Auch bei kühlen Temperaturen sind viele Sitzgelegenheit besetzt
Stühle und Bänke stehen vor vielen Gebäuden. Sie sollen den Gästen symbolisch zurufen: Seid willkommen! Und den kühlen Temperaturen zum Trotz sind viele dieser Sitzgelegenheiten besetzt. Die Besucher unterhalten sich angeregt, zuweilen ein Glas Sekt in der Hand. Zwei Stelzenläuferinnen – Dämon und Elfe – schreiten anmutig über das holprige Pflaster der Altstadt, können sich das Treiben von oben herab anschauen. Sie sprechen nicht. „Das würde den Eindruck stören. Wir wollen die Läuferinnen möglichst mystisch erscheinen lassen“, sagt Magdalena Scharf von Artartistica.
Originelle Läden prägen die Wimpfener Altstadt. Und diese Originalität spiegelt sich auch in den Überlegungen für die Kunstnacht. Harrys Kaffeerösterei zum Beispiel. Dort ist Kunst auf Kaffeesäcken zu sehen. Und natürlich passen die Motive – von Kaffeebohnen bis zum Urwaldidyll – zum Thema. „Wir haben hier ein tolles Publikum“, meint Tamara Rahm. Die Rösterei hat im Februar in Bad Wimpfen eröffnet. Da ist die Kunstnacht eine gute Gelegenheit, sich bekannter zu machen. Für Tamara Kern ist klar: Die Kunstnacht passt genau zur Klientel, zur Zielgruppe des Geschäfts.

Die Feuershow setzt die Altstadt perfekt in Szene
Auf den ersten Blick bietet die Altstadt die perfekte Kulisse für Feuershows und Lichtkegel. Aber das greift zu kurz. Die professionellen und die improvisierten Illuminationen rücken die mittelalterlichen Gebäude heraus aus dem Hintergrund, machen sie zum aktiven Teil einer Veranstaltung, die Unterhaltung und Kultur verbindet.
Eine Verbindung zwischen Tradition und Moderne stellen die Bilder von Sebastian Wehrle im Café Anna Blume dar: Junge Menschen in Trachten, eine Punkerin etwa in Hanauer Tracht. „Ich bin zum 14. Mal dabei“, sagt Cafébesitzerin Maria Stabiszewski. „Kunst ist ein hervorragender Anknüpfungspunkt für Gespräche“, erklärt sie. Auf diesem Weg seien ganz besondere Kundenbeziehungen entstanden.
Kunst, die zu aktuellen Diskussionen passt
Im Rathaus spielt der Stauferpfalz-Festspielverein schwäbische Sketche, auf der Treppe die Musikschule Unterland. Ein paar Meter weiter stellt Bär-Design Kunst aus Kunststoff vor. Noch nie dürfte dieser Ansatz so aktuell gewesen sein. Verpackungen, nicht nach Afrika oder Asien verschoben, sondern zu Kunst veredelt. „Diese Veranstaltung beseitigt Hemmschwellen, bringt Menschen zu uns, die sonst nicht in ein Atelier kommen würden“, sagt Andrea Kummer.
Und das könnte das Motto der Kunstnacht insgesamt sein: Brennt die Hemmschwellen zwischen Menschen und Kultur nieder! Beleuchtet von Kerzen, Herzen und Flammen.
Besucher der langen Kunstnacht in Bad Wimpfen, veranstaltet von Stadt, Bewohnern der Altstadt und den Gewerbetreibenden, können aus einer Fülle an Angeboten wählen. Rock und Pop am Roten Turm, Geschichte im Steinhaus, Skulpturen aus Corten-Stahl des Heilbronner Künstlers Michael Hieronymus, eine Hommage an Frida Kahlo im Schafstall, ein offenes Atelier von Nik Golder oder Landschaftsbilder von Tino Braun sind nur Beispiele.
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