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Grab in Bad Friedrichshall: Tausende Jahre alt und trotzdem gut erhalten

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Archäologen legen ein jungsteinzeitliches Grab im Gebiet "Obere Fundel" in Bad Friedrichshall frei. Die Grabungen laufen in dem Areal, in dem unter anderem der Schwarz-Campus entstehen soll, noch bis August.


Jeder einzelne Zahn ist zu sehen, alle Knochen sind gut zu erkennen und völlig intakt: Kaum zu glauben, dass ein Skelett, das Archäologen im Gebiet "Obere Fundel" in Bad Friedrichshall freigelegt haben, bereits Tausende Jahre alt ist. Sofort ersichtlich ist auch, dass der Mensch in hockender Position begraben wurde. "Das ist typisch für die Zeit der Schnurkeramik", also ganz am Ende der Jungsteinzeit zwischen 2700 und 2200 v. Chr., berichtet Grabungsleiterin Sybil Harding von der Firma Archaeo Connect in Tübingen. "Wir interpretieren das als Schlafstellung", erklärt Dr. Andrea Neth vom Landesamt für Denkmalpflege zur Körperhaltung. Dort, wo einmal der Schwarz-Campus entstehen soll, sind seit Monaten Archäologen auf der Suche nach Bodendenkmälern. Das jetzt gefundene Grab gehört zu den interessantesten Funden, die zu erwarten sind, sagt Andrea Neth. Es ist das zweite, das bisher freigelegt wurde.

Durch Voruntersuchungen wissen die Experten, dass mindestens acht solcher Gräber im mehr als 20 Hektar großen Areal unter der Erde verborgen liegen. Es sind Einzelgräber oder Gräbergruppen, aber kein kompakter Friedhof, berichtet Andrea Neth. Das Skelett sei deshalb auch nach rund 4500 Jahren noch so gut erhalten, weil es in sehr kalkhaltigem Lössboden liegt. Dieser Boden brauche den Kalk aus den Knochen und Zähnen nicht, sie werden also nicht zersetzt. Ein Anthropologe hat bei einer Erstuntersuchung die Prognose abgegeben, dass es sich bei dem Bestatteten um einen Mann gehandelt habe, erläutert Sybil Harding. Alles weitere werde aber im Labor bestimmt.


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Alter, Geschlecht und Lebensumstände analysieren

Nachdem die Fundstelle dokumentiert und vermessen ist, entnehmen die Archäologen die Knochen, verpacken sie und geben sie an das Landesamt für Denkmalpflege weiter. Bei nachfolgenden Untersuchungen kann neben dem Geschlecht zum Beispiel das Alter der Knochen bestimmt werden. Auch Rückschlüsse auf das Leben der Person, ob sie krank war oder wie sie sich ernährt hat, kann man ziehen. Durch aufwendige wissenschaftliche Untersuchungen wie DNA-Analysen ist es zudem möglich, herauszufinden, wo er herkam. Ist der Mensch aus der Region rund um Bad Friedrichshall oder kam er über Umwege dorthin?

Einige Meter vom menschlichen Skelett entfernt haben die Wissenschaftler in der "Oberen Fundel" dieser Tage zudem ein tierisches, gute erhaltenes Skelett entdeckt. Es stammt von einem Hausschwein, das nach seinem Tod vermutlich in einer Abfallgrube entsorgt wurde. Diese Gruben, die, wie die Experten annehmen, zuerst Vorratsgruben waren und irgendwann mit Unrat und Abfällen gefüllt wurden, bezeichnet Andrea Neth als "Fundgruben" für die Archäologen. Durch eine dunkle Verfärbung an der Oberfläche erkennen sie diese Gruben und auch Grabstätten, und wissen so, wo sie graben müssen. Keramikscherben geben ihnen zum Beispiel Aufschluss über die Zeit, in die sie die Funde einordnen müssen.

Keramik-Gefäß als Beigabe für Tote

Ein Keramik-Gefäß war auch mit im gerade freigelegten Grab und ist ebenfalls noch gut zu erkennen. "Solche Beigaben findet man häufig", sagt Harding. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie den Toten als Wegzehrung mitgegeben wurden. Manchmal finde man auch Tierknochen oder ein Steinbeil nahe am Körper.

Die 15 Archäologen, die seit November in der "Oberen Fundel" zugange sind, arbeiten sich in Streifen vor, die nach und nach ausgegraben werden. Etwas mehr als die Hälfte haben sie geschafft, sagt Sybil Harding. Spätestens Anfang August sollte das Gebiet komplett untersucht sein, sagt Archaeo-Connect-Geschäftsführer Jochen Xander. Seine Firma ist im Auftrag der Stadt und der Schwarz-Gruppe tätig.

Verzögerungen durch Wetter und Baustopp

Durch den Fund des Grabes kommt es zu keinen Verzögerungen für das Bauvorhaben der Schwarz-Gruppe. „Solche Funde sind zeitlich eingeplant“, erklärt Grabungsleiterin Sybil Harding. Durch Wetterbedingungen und einen Baustopp dauerten die Grabungen trotzdem etwas länger als geplant. Wie berichtet, hatten Projekt-Gegner eine Petition eingereicht, wodurch alle Arbeiten zeitweise ruhten. Die archäologischen Grabungen wurden aber bald wieder freigegeben. Inzwischen darf auch im Bereich der alten K2117 weitergemacht werden, sagt Bürgermeister Timo Frey auf Nachfrage. Auch der Rückbau der Behelfsfahrbahn wäre erlaubt, derzeit aber noch nicht geplant. Alles andere müsse bis zum Satzungsbeschluss des Bebauungsplans warten, der am 29. Juni gefasst werden soll.   

 


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