Tariferhöhung käme auch pensionierten Lehrern zugute

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Am Rande der Personalversammlung des staatlichen Schulamts Heilbronn in Flein wirbt die GEW um Unterstützung von Streikzielen. Kommunale Beschäftigte stehen sich besser als beim Land angestellte. Das könnte die Lage in den SBBZ verschärfen.

Harald Schröder, Barbara Bürgy und Martin Hettler (von links) halten in der Mittagspause der Personalversammlung in der Flina die GEW-Fahne hoch.
Foto: Schwarzbürger
Harald Schröder, Barbara Bürgy und Martin Hettler (von links) halten in der Mittagspause der Personalversammlung in der Flina die GEW-Fahne hoch. Foto: Schwarzbürger  Foto: Schwarzbürger, Susanne

In der Mittagspause wechselt Harald Schröder die Rolle. Dann mutiert der neutrale Personalrat des staatlichen Schulamts Heilbronn (ÖPR) zum Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die hat am Dienstag bundesweit zum Lehrerstreik aufgerufen.

GEW fordert: Mindestens 500 Euro mehr

Zufällig findet am selben Tag die ÖPR-Personalversammlung in der Fleiner Flina statt. Die GEW wirbt bei der Gelegenheit im Foyer mit Infomaterial für ihr akutes Anliegen, formuliert in einer Resolution: "Wir fordern, dass für die Laufzeit von einem Jahr die Tabellenentgelte aller Beschäftigten um 10,5 Prozent, mindestens aber um 500 Euro monatlich erhöht werden", heißt es darin. Und das Tarifergebnis solle "zeit- und wirkungsgleich auf die Besoldung" von Beamten und Pensionären übertragen werden, studentisch Beschäftigte sollen einen Tarifvertrag erhalten. Zwar legen am Dienstag bundesweit Lehrkräfte vor der nächsten Verhandlungsrunde mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) die Arbeit nieder. Doch findet Barbara Bürgy vom GEW-Vorstand im Kreis Heilbronn den Streik in der Region besonders wichtig.

Arbeitnehmer vertreten oft ohne Lehramtsausbildung

Speziell die Versorgung mit Fachpersonal an den SBBZ (Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren) sei sehr schlecht. Hier würden viele Arbeitnehmer als Stellvertreter ohne Lehramtsausbildung eingestellt. Um diese konkurriere aber das Land als Arbeitgeber mit den Kommunen. Da die Beschäftigten im öffentlichen Dienst (TVöD), bereits eine Tariferhöhung erstritten haben, drohe die Abwanderung von betreuendem Personal zu den Kommunen: "Die können auch in eine Kita gehen", sagt Bürgy.

Auch Beamten käme Tarifabschluss zugute

"Es gibt im Moment so viele Tarifbeschäftigte, weil so viele ohne Lehrerausbildung eingestellt wurden", weiß Martin Hettler. Beim Land seien viele pädagogische Assistenten mit oder ohne Lehramtsausbildung beschäftigt, so der Vorsitzende des GEW-Bezirks Nord-Württemberg. Am Rande der Personalversammlung wolle man Lehrkräfte erreichen, die nicht gewerkschaftlich organisiert sind. Harald Schröder erhofft sich zudem, "die Kollegen dahingehend zu sensibilisieren, dass der Tarifabschluss, der von den Angestellten erstritten wird, auch Auswirkungen auf Beamte und Pensionäre hat."

Woanders gibt es A13 statt A12

Nicht nur deshalb unterstützen einige Pensionäre die lokale GEW-Aktion. Werner Sichlers Sohn, der in Tübingen auf Lehramt studierte, unterrichtet jetzt in Berlin, dort werde er besser bezahlt, so der Pensionär. Hans-Georg Henle verweist auf die Besserstellung von Grundschullehren in anderen Bundesländern. Dort gibt es A13 statt A12.

Die verbeamtete Lehrerin Regine Förmer, eine von vielen, die am Stand eine Solidaritätserklärung unterschreiben, findet "gut, dass die zum Ausdruck bringen, wo die Probleme sind." Insbesondere die Arbeitszeit, die sie zu Hause leistet, würde nicht wahrgenommen, beklagt die Untergruppenbacher Mutter von drei Kindern: "Man ist nie fertig."

Wegen Zeitmangels ist sie nach Flein gekommen und nicht zur GEW-Aktion in Karlsruhe am von der Gewerkschaft ausgerufenen Streiktag Bildung gefahren.

Man muss sich trauen zu fehlen

Auf etwa 300 Lehrkräfte schätzt Schröder die Teilnehmerzahl bei der Personalversammlung. Während Martin Hettler glaubt, dass befristet angestellte Lehrkräfte Sorge hätten, zu fehlen, um zur Personalversammlung zu gehen, hat Barbara Bürgy beobachtet: "Selbst verbeamtete Lehrerinnen trauen sich nicht zu kommen. Sie meinen, sie könnten nichts ausfallen lassen."

Schulamtsleiter Markus Wenz widerspricht ihr vehement: "Die Lehrer mussten ihre Schulen nur frühzeitig informieren. Der Besuch der Personalversammlung muss ihnen ermöglicht werden." So hätten die Schulen die Möglichkeit, Unterricht rechtzeitig abzusagen. Allerdings sei auch niemand verpflichtet zu kommen.

Weder nach Flein noch nach Karlsruhe gereist sind die Lehrkräfte der Freien Schule Anne-Sophie in Künzelsau. Dabei unterrichten an der privaten Bildungseinrichtung hauptsächlich nicht verbeamtete Pädagogen.

Diskussionsmöglichkeit auf dem Bildungscampus

Bei der von der Heilbronner Stimme und der AIM-Akademie ausgerichteten Veranstaltung "Bildung auf den Punkt" wird am 14. Dezember ab 17 Uhr auf dem Bildungscampus Heilbronn über die Unterrichtsversorgung diskutiert. Dort steht unter anderem Volker Schebesta vom Kultusministerium Rede und Antwort zur Lehrerwerbekampagne des Landes.

Infos und Link zur Anmeldung: www.stimme.de

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