Ein Blick in Geschichte und Gegenwart der Zeitungsausträger
Der 4. September ist ein historischer Tag für Zeitungsausträger. Warum dieser Tag auf einen traurigen Hintergrund zurückgeht und was es über eine besondere Zustellerin der Heilbronner Stimme zu wissen gibt.

Dieser Artikel erscheint aus einem besonderen Anlass: Heute ist der Tag der Zeitungsausträger. Das Datum ist nicht vom Himmel gefallen, sondern geht auf einen konkreten Anlass zurück. Am 4. September 1833 wurde Barney Flaherty von der New York Sun als erster Zeitungsausträger in den USA angestellt. Der heute feierliche Anlass hat einen traurigen Hintergrund: Kinderarbeit.
Noch im 19. Jahrhundert war dieser Job eine der wenigen Überlebenschancen amerikanischer Straßenkinder. Die Kinder und Jugendlichen kauften den Verlagen die Zeitungen ab und waren beim Weiterverkauf auf sich gestellt, denn die Verlage nahmen die nicht abgesetzten Zeitungen nicht zurück. Somit trugen die "Newsboys" das alleinige Risiko. Diese schlechten Arbeitsbedingungen führten dazu, dass es im 19. Jahrhundert zu vielen Streiks kam. Der bekannteste ist wohl der Streik der New Yorker Zeitungsjungen von 1899. Er hatte zur Folge, dass die Verlage nicht-verkaufte Zeitungen zurückkauften.
In Deutschland wurden Zeitungsausträger bis zur Einführung des Mindestlohns meist nach der Zahl ausgelieferter Zeitungen bezahlt. Erst die Einführung des Mindestlohns machte den Job zur sozialversicherungspflichtigen Arbeit.
Für die Regio-Zustellservice GmbH, die auch die Heilbronner Stimme ausliefert, arbeiten mehr als 1100 Zusteller und Zustellerinnen. "Einige tragen nur Zeitungen oder nur Briefe, andere beides zusammen aus", erklärt Geschäftsführer André Koch. Wegen der fälligen Nachtarbeit müssen sie mindestens 18 Jahre alt sein. Die älteste Zustellerin ist 86 Jahre alt. "Sie hat ein sehr kleines Gebiet mit nur drei Abonnements", berichtet Koch. Trotzdem ist die 86-Jährige nicht für den kleinsten Bezirk der Stimme zuständig. Dieser ist Döttenweiler in Hohenlohe mit zwei Abonnements. "Es handelt sich dabei ebenfalls um eine ältere Dame. Als Lohn bekommt sie ein Gratisstück", so Koch.
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