Tag der offenen Tür beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt
Besuchertag auf dem DLR-Gelände in Lampoldshausen: Vor allem die Raketenprüfstände waren umlagert. Die neueste Anlage geht im Sommer 2020 in Betrieb. Während der Bauzeit gab es für DLR eine Überraschung.
Hohe Zäune und Stacheldraht trennen die Anlagen des deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) in Lampoldshausen von Wald und neugierigen Spaziergängern. Am Sonntag bot sich ein völlig anderes Bild: Rund 8000 Menschen machten sich beim Besuchertag ein Bild davon, was viele von ihnen gelegentlich hören oder spüren. Sie informierten sich über Raketenprüfstände, über Satelliten, über Wasserstoffprojekte. Modernste Technologie, mitten im Wald - dafür steht das DLR in Lampoldshausen seit 60 Jahren.
Standort Lampoldshausen ist wichtig für europäische Raumfahrt
Der Hardthäuser Ortsteil Lampoldshausen ist klein, die Bedeutung des DLR-Standorts für die europäische Raumfahrt dagegen sehr groß. Dafür gibt es viele Gründe, einige sind nicht zu übersehen: die Prüfstände für Raketenantriebe. Sie zählen beim Besuchertag zu den größten Attraktionen. Auf großen Monitoren laufen Filme, die auf die Gäste Eindruck machen. Eine gezündete Raketenstufe bekommt man nicht alle Tage zu sehen.
Auf besonders großes Interesse stößt ein Prüfstand, der erst im Sommer nächsten Jahres in Betrieb genommen wird. P5.2 sollte ursprünglich der weiterentwickelten Ariane 5 dienen. 2014 stellte ESA dieses Programm ein und entschied, künftig auf die Ariane 6 zu setzen. Doch da war die riesige Anlage in Lampoldshausen bereits in Bau. "Wir konnten den Prüfstand aber relativ einfach an das System der Ariane 6 anpassen", sagt DLR-Mann Eric Wollenhaupt. Im Sommer nächsten Jahres sollen Tests mit der Oberstufe und dem Vinci-Triebwerk anlaufen. Leistung: 559 000 PS. Dieser Wert löst bei vielen Besuchern Erstaunen aus. Wollenhaupt weist darauf hin, dass P5.2 auch darauf ausgelegt ist, das Haupttriebwerk der Ariane 6 aufzunehmen. Dann geht es nicht mehr um 18 Tonnen Schub wie beim Vinci-Triebwerk, sondern um bis zu 250 Tonnen Schubkraft. Die Vulcain-Motoren der Ariane 5-Rakete bringen rund 140 Tonnen Schub.
Lärmschutz spielt beim neuen Prüfstand eine große Rolle
So diskret und vor neugierigen Blicken geschützt DLR auch arbeitet: Solche Teste bleiben auch in der weiteren Umgebung nicht unbemerkt. Eric Wollenhaupt betont, dass Lärmschutz im Konzept der Anlage eine bedeutende Rolle spiele. Klar, diese Frage beschäftigt so manchen Bürger. "Die Besucher fragen auch danach, wie die Oberstufen nächsten Sommer aus Bremen angeliefert werden", sagt Christian Böhm. Seine Antwort: per Schiff bis Heilbronn, dann per Tieflader nach Lampoldshausen. Problematisch ist nicht das Gewicht, sondern die Größe der Fracht. Die DLR-Mitarbeiter müssen viele solcher Fragen beantworten und erledigen das gerne. "Für uns ist der Besuchertag eine gute Gelegenheit, unsere Arbeit zu präsentieren", meint Wollenhaupt. Ein Anlass für die Aktion ist natürlich der 60. DLR-Geburtstag in Lampoldshausen.
Das Gelände ist so groß, dass DLR Rundfahrten in Bussen anbietet. In einem Zelt kommen Experten zu Wort. So wie Ulrich Gotzig von der Ariane-Group. Er gibt Einblicke in den Konkurrenzkampf, der inzwischen auch in der Raumfahrt tobt. Ziel sei, die Kosten von Ariane 6 im Vergleich zum Vorgänger um 40 Prozent zu senken - indem möglichst viele Komponenten wiederverwendet werden, indem möglichst einfach konstruiert werde. "Die Entwicklungskosten der Ariane 6 liegen bei rund vier Milliarden Euro", erklärt er.
Windstrom wird zur Wasserstoffproduktion genutzt
Die Raketen verbrennen Wasser- oder Sauerstoff. Deshalb hat das DLR gemeinsam mit der Zeag das Projekt "Horizon" gestartet. Kurz gesagt läuft das so: Der im Harthäuser Windpark produzierte grüne Strom wird auf dem DLR-Gelände zur energieintensiven Produktion von Wasserstoff genutzt.
Wie das funktioniert, erläutert DLR-Mitarbeiter Michael Füting in regelmäßigen Führungen den Besuchern. "Mit Elektrolyse spalten wir hochreines Wasser auf." Dabei entsteht Wasserstoff. Der muss gereinigt und verdichtet werden, dann steht er unter anderem für Raketentests zur Verfügung. Für Füting ist klar: "Wasserstoff ist ein Teil der Energiewende."
Am späten Nachmittag kehrt auf dem DLR-Gelände wieder Ruhe ein. Die Tore schließen sich, die Besucher fahren mit den Shuttle-Bussen zu den Parkplätzen. Und bis zum nächsten Test herrscht im Wald von Lampoldshausen wieder höchste Diskretion.
Im Durchschnitt 129 Versuchstage pro Jahr
Professor Eugen Sänger hat die Anlage in Lampoldshausen 1959 gegründet. Laut DLR gibt es an den Großprüfständen durchschnittlich 129 Versuchstage pro Jahr. Zu den Kernkompetenzen des Standorts gehören Höhensimulationsanlagen. Diese erlauben Tests unter nahezu realen Weltraumbedingungen. Vertreten in Lampoldshausen sind die DLR-Institute für Raumfahrtantriebe und Technische Physik, die Ariane-Group, die ESA und die französische Raumfahrtagentur CNES.
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