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Im Wald Essbares finden

Survival-Trainer aus Mainhardt: "Mir reicht das normale Leben nicht"

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Survival-Trainer Dominik Knausenberger aus Mainhardt kommt locker eine Woche allein in der Wildnis zurecht. Wie das geht, können auch die Teilnehmer seiner Camps lernen.

Seit Tagen regnet es. Mit Birkenholz und Baumharz entfacht Dominik Knausenberger dennoch in wenigen Minuten ein Feuer.

Foto: Ralf Seidel
Seit Tagen regnet es. Mit Birkenholz und Baumharz entfacht Dominik Knausenberger dennoch in wenigen Minuten ein Feuer. Foto: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Er weiß, wie man einen Unterschlupf baut und im Regen ein Lagerfeuer entfacht. Er findet im Wald Trinkwasser und Essbares, wo andere vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Dominik Knausenberger aus Mainhardt liebt es, draußen zu sein. In einer extremen Situation – etwa im Dschungel in Costa Rica – weiß er sich zu helfen. Der 38-jährige Survival-Trainer erzählt, was ihn am Leben in freier Wildbahn fasziniert.

Einige Menschen haben das Gefühl, wir leben in unsicheren Zeiten. Wie sehen Sie das?

Dominik Knausenberger: Es ist krass, wenn man sieht, was im Ausland so alles passiert und wie schnell sich Sicherheit ändern kann beziehungsweise wie schnell einem die Sicherheit genommen wird. Aber auch hierzulande haben beispielsweise heftigere Wetterlagen zugenommen.


Ängstigen Sie Berichte über Kriege, Stürme oder Flutkatastrophen?

Knausenberger: Nein. Ich habe vieles erlebt und bin durch viele Länder gereist. Ich schlafe einfach draußen im Wald, ohne dass ich vorher weiß, wo und was ich esse. Von dem her bin ich da relativ relaxed.

Beeinflussen politische Lagen oder Naturereignisse das Interesse an Survival-Trainings?

Knausenberger: Ja, definitiv. Seit der Pandemie ist die Nachfrage größer. Die Menschen wollen raus. Sie möchten sich mehr mit der Natur befassen, etwas lernen. In meinen Kursen haben Teilnehmer schon gesagt, es müsse nur mal irgendetwas passieren. Etwa, dass eine Woche lang der Strom ausfällt. Wir sprechen nicht von einer Apokalypse oder so etwas. Wir sprechen von ganz einfachen Dingen, die tatsächlich passieren können. Selbst Politiker sagen, es ist gut, wenn man ein paar Dinge im Keller auf Vorrat hat: einen Gaskocher, ein paar Kerzen oder ein paar Kanister mit Wasser beispielsweise.

 

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Sie könnten im Extremfall draußen gut einige Zeit leben?

Knausenberger: Ich komme einige Zeit klar, ja. Ich weiß genau, wo ich frisches Trinkwasser herbekomme, wo ich schlafen kann. Eine Woche würde mir nichts ausmachen.

Was sind das für Leute, die zu Ihnen ins Survival-Training kommen?

Knausenberger: Es sind Anwälte, Selbstständige, Bäcker, Ingenieure, Videospielprogrammierer. Es sind Menschen, die etwas über verloren gegangenes Wissen erfahren möchten. Viele Teilnehmer sagen, sie steigen in das Hobby Bushcraft ein, oder sie wollen wandern gehen und die Natur genießen. Andere planen eine Wildnistour in Kanada. Ich hatte mal einen 76-Jährigen, der seinem Neffen zeigen wollte, dass es im Leben noch etwas anderes gibt, als Party zu machen.

Was für Charaktereigenschaften bringen die unterschiedlichsten Teilnehmer mit?

Knausenberger: Aufgeschlossenheit zum Beispiel. Sie sind entdeckungsfreudig und außerdem oft praktisch veranlagt. Sie haben einfach Lust auf was Neues.

 

Worauf legen Sie in einem Camp mit Kunden Wert?

Knausenberger: Ich zeige den Menschen nicht nur einfach Skills. Wie sie mit einfachen Dingen im Wald einen Unterschlupf regendicht bekommen, oder wie sie trinkbares Wasser finden. Ich will ihnen darüber hinaus Zusammenhänge vermitteln. Wie sie zum Beispiel an den Ästen eines Baumes die Himmelsrichtung ablesen können. Sie sollen lernen, die Natur, die Landschaft zu lesen. Und es geht um Wertschätzung: Die Natur ist gut zu einem, wenn man gut zu ihr ist.

Wie sind Sie zu dem Thema Survival gekommen?

Knausenberger: Schon als Kind war ich viel draußen unterwegs. Während mein Vater oder Opa im Wald gearbeitet hat, bin ich auf Wurzeln herumgeklettert. Ich war schon damals ein Entdecker und ein Abenteurer. Ich wollte wissen, was da in einer Höhle oder in einem Loch ist, bin auf Bäume geklettert und so weiter. Später fing ich an, mit dem Mountainbike durch die Wälder zu fahren, Kanu zu fahren und in Hallen und an Felswänden zu klettern. Als ich dann eine Reportage im TV über Survival gesehen habe, ist mir klar geworden, das ist mein Ding, das interessiert mich voll.

 

Und dann ergab eines das andere?

Knausenberger: Ich besuchte in meiner Freizeit Kurse und Trainings. Und dann ist das gewachsen. Mir ist bewusst geworden, dass ein ganz normaler Job fünf Tage die Woche für einen Betrieb, heiraten, Kinder kriegen und Haus bauen nichts für mich sind. Da war ich noch nie der Typ dazu. Ich möchte den Menschen mit den Survival-Trainings auch zeigen, dass es noch mehr gibt, als einfach nur zu arbeiten und die Hypothek vom Haus abzuzahlen.

Wenn Sie so erzählen, klingt das nach Aussteigertum...

Knausenberger: Mir reicht dieses normale Leben nicht. Ich will irgendwas Cooles machen. Ich habe nur das eine Leben und das will ich richtig leben. Auch wenn es anstrengend wird.

Sind Sie eher ein Einzelgänger oder Teamplayer?

Knausenberger: Wenn es um eine Aktion geht, wenn ich zum Beispiel sage, ich möchte diese oder jene Wildnis durchqueren, möchte ich das gerne mit jemandem teilen. Ich bin Teamplayer, habe aber Ambitionen. Ich bin körperlich fit und kann ordentlich was leisten. Mich dann nach einem Schwächeren zu richten, das fällt mir schwer. Also mache ich es allein, weil sonst ist es mir zu langweilig. Von Zeit zu Zeit möchte ich mich einfach herausfordern. Schauen, was bin ich in der Lage zu leisten? Es geht darum, die Komfortzone zu erweitern.

Auf der Internetseite Ihres Unternehmens heißt es, Sie bieten kein Militärtraining, Prepping oder alternative Lebensweisen an. Warum der Hinweis?

Knausenberger: Wir grenzen uns von anderen Angeboten wie etwa Waldbaden ab und von Bewegungen wie Prepping. Beim Prepping geht es darum, sich auf verschiedene Katastrophenfälle vorzubereiten und unter Umständen auch gegen die Natur oder vielleicht auch Menschen anzukämpfen. Das ist insbesondere in Amerika eine große Sache - gerade in unsicheren politischen Zeiten. Unser Ansatz ist es, dass bei Outdoor-Aktivitäten eine Notsituation entstehen kann. Wir wollen den Leuten zeigen, wie sie dann klar kommen.

Wenn Sie drei Dinge auf eine einsame Insel mitnehmen dürfen, wofür würden Sie sich entscheiden?

Knausenberger: Für ein Messer, einen Kochtopf und einen Feuerstein. Aber Gesellschaft wäre auch ganz gut (lacht).

Zur Person:

Dominik Knausenberger (38) wächst in Michelbach an der Lücke im Landkreis Schwäbisch Hall auf und absolviert nach der Schule eine Ausbildung zum Industriemechaniker in Crailsheim. Er arbeitet 15 Jahre in dem Unternehmen. In seiner Freizeit nimmt er an Survival-Trainings teil, bildet sich darin weiter. Dazu gehören ein einmonatiger Kurs in Wales bei einem Expedition Leader und drei Monate im Dschungel in Costa Rica mit kurzen ein- bis zweitägigen Pausen hin und wieder. Aus dem privaten Interesse erwächst ein Unternehmen. 2014 macht sich Knausenberger selbstständig. Neben den Trainings arbeitet er außerdem bei entsprechenden TV-Formaten mit.

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