Südwestdeutsche Salzwerke erwarten ein schwächeres Jahr
Bei der virtuellen Hauptversammlung bremst der Vorstand die Erwartungen für 2020. Die Corona-Krise und der warme Winter machen dem Unternehmen zu schaffen. Der Vorstand betont, man sei finanziell sehr gut aufgestellt. Die Dividende bleibt bei 1,60 Euro pro Aktie.

Auf die beliebte Naturaldividende, also das Mittagessen, mussten die Aktionäre der Südwestdeutschen Salzwerke in diesem Jahr verzichten. Aufgrund der Corona-Pandemie fand die Hauptversammlung am Freitag nicht in der Heilbronner Harmonie statt, sondern virtuell. Immerhin können sich die Anteilseigner am Unternehmenssitz im Salzgrund ein Präsent als Entschädigung für das ausgefallene Mittagessen abholen, wie Aufsichtsratschef Thomas Strobl mitteilte.
Nur noch 15 Millionen Euro Gewinn erwartet
Auch auf die Geschäfte des Unternehmens hat die Pandemie natürlich Auswirkungen. Das laufende Geschäftsjahr wird wohl deutlich schlechter verlaufen als das ordentliche Jahr 2019. Beim operativen Gewinn (Ebit) erwartet Vorstandssprecher Ulrich Fluck nur noch etwa 15 Millionen Euro, nachdem er bei der Bilanzvorlage Ende März noch mit einem Gewinn zwischen 15 und 30 Millionen Euro gerechnet hatte.
Neben den Unsicherheiten aufgrund der Corona-Krise macht den Salzwerken vor allem der "grüne Winter" zu schaffen, wie intern Winter ohne Eis und Schnee genannt werden. Entsprechend schwach ist das Unternehmen ins Jahr gestartet. Im ersten Quartal erwirtschafteten die Salzwerke einen Umsatz in Höhe von 65,9 Millionen Euro, nachdem es im Vorjahr noch 84,2 Millionen Euro gewesen waren. Der operative Gewinn brach um mehr als die Hälfte von 15,1 auf nunmehr 7,1 Millionen Euro ein.
"Das ist für uns nicht neu und auch nicht ungewöhnlich", sagte Fluck mit Blick auf die Wetterabhängigkeit des Unternehmens im wichtigen Geschäft mit Auftausalz. Die Salzwerke haben auf diese Situation reagiert: Zeitkonten und Überstunden wurden abgebaut und Leiharbeiter nach Hause geschickt, um die Einbußen zumindest teilweise zu kompensieren. Das Auftausalz bleibe weiterhin eine tragende Säule des Geschäfts, betonte Fluck. Zugleich will er aber das Geschäft mit Pharmasalzen ausbauen, das sich im vergangenen Jahr gut entwickelt habe. Im Bereich Speisesalz wollen die Heilbronner ihre führende Marktposition in Deutschland behaupten.
Hohe Liquidität und viel Eigenkapital
Insgesamt sieht Fluck das Unternehmen trotz der Herausforderungen "gut positioniert und robust aufgestellt". Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Salzwerke die Corona-Krise gut verkraften werden. Ziel sei es, ohne Kurzarbeit oder gar Entlassungen durch diese Zeit zu kommen. Das Unternehmen verfüge über ein "sehr solides finanzielles Fundament", betonte der Vorstandssprecher. Das Liquiditätspolster betrage 44,4 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote sei mit 61,3 Prozent immer noch sehr hoch. Daher werde es auch im laufenden Jahr Investitionen in die verschiedenen Bereiche geben, wenn auch nicht mehr in der Intensität des vergangenen Jahres. 2019 hat das Unternehmen 26,3 Millionen Euro vor allem in Maschinen und neue Hallen investiert.
Die Aktionäre erhalten wie in den zurückliegenden drei Jahren eine Dividende in Höhe von 1,60 Euro pro Aktie. Insgesamt schüttet das Unternehmen 16,8 Millionen Euro aus. Die Stadt Heilbronn und das Land Baden-Württemberg halten jeweils 49 Prozent der Aktien, der Rest befindet sich in Streubesitz.
Die erste virtuelle Hauptversammlung in der Unternehmensgeschichte kostete die Salzwerke übrigens 94.000 Euro, wie die Frage eines Anteilseigners ergab. Das Aktionärstreffen im vergangenen Jahr in der Harmonie hatte mit 113.000 Euro zu Buche geschlagen. Für die gesparten 19.000 Euro hätte man viel Kartoffelsalat und Maultaschen für die hungrigen Aktionäre kaufen können. Die müssen sich bis nächstes Jahr gedulden, um wieder in den Genuss einer Naturaldividende zu kommen - wenn das Corona-Virus unter Kontrolle bleibt.
Veränderungen im Aufsichtsrat
Im Aufsichtsrat der Südwestdeutschen Salzwerke AG gibt es drei neue Gesichter. Heiner Dörner und Alexander Throm sind Ende August 2019 ausgeschieden, Rainer Hinderer folgte Anfang September. Ihre Nachfolger, die am Freitag von der Hauptversammlung bestätigt wurden, sind die Heilbronner Stadträte Harald Pfeifer (SPD), Thomas Randecker (CDU) und Wolf Theilacker (Grüne). Das von Thomas Strobl (CDU) geleitete Gremium komplettieren Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD) als stellvertretender Vorsitzender, Andreas Klose, Peter Kutschker, Helmfried Meinel, Andreas Pfnür, Rainer Schleyer, Gisela Splett und Willi Stächele.
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