So stürmte "Sabine" über die Region
Mit Karacho ist Sturmtief "Sabine" über die Region gefegt. Vor allem Pendler mussten improvisieren. Polizei und Feuerwehren waren am Montag zu zahlreichen Einsätzen aufgebrochen. Auch auf die Schulen hatte das Wetter Einfluss.
Wie vom Deutschen Wetterdienst angekündigt, erreichte das Sturmtief "Sabine" gegen 3.30 Uhr die Region. Die Leistelle der Feuerwehr zählte bis zum Montagnachmittag 29 Einsätze im Stadtgebiet Heilbronn. Im südlichen Landkreis rückten die Feuerwehren zu 67 Einsätzen und im nördlichen Landkreis zu 60 Einsätzen aus.
"Äste sind abgeknickt, Bäume umgefallen", sagte Pressesprecher Jürgen Vogt von der Heilbronner Feuerwehr. Verkehrsschilder wurden umgepustet. "Sehr ruhig", fasste Torsten Rönisch, Kreisbrandmeister im Hohenlohekreis, gegen halb sechs am Morgen die Lage vor Ort zusammen. Acht Einsätze absolvierten die Freiwilligen Wehren bis zu diesem Zeitpunkt. In Pfedelbach fiel der Strom aus. In Bretzfeld-Schwabbach riss der Wind eine Stromleitung in der Brunnerstraße ab. Ansonsten hatten es die Einsatzkräfte überwiegend mit umgestürzten Bäumen zu tun.
"Die fünf Windenergieanlagen des Bürgerwindparks Weißbach im Hohenlohekreises haben in der Nacht um etwa 4 Uhr die höchsten Windgeschwindigkeiten seit Inbetriebnahme im Juni 2016 aufgezeichnet", teilte Benjamin Friedle vom Bürgerwindpark Hohenlohe mit. Der Höchstwert: 131,4 Stundenkilometer.
Brand in der Heilbronner Südstraße

Zu kämpfen hatte die Feuerwehr in der Nacht mit einem Brand in einem Mehrfamilienhaus in der Heilbronner Südstraße. Eine Dachterrasse fing aus noch ungeklärter Ursache Feuer. Der heftige Wind fachte die Flammen immer wieder an und sorgte für einen starken Funkenflug. Fensterscheiben platzten. Das Feuer griff auf einen zweiten Balkon über.
Ein weiteres Ausbreiten des Brandes konnten die Einsatzkräfte trotz der erschwerten Wetterbedingungen verhindern. Acht Bewohner seien vor Ort von einem Arzt behandelt worden, eine Person kam ins Krankenhaus, teilte Vogt mit. Der Schaden am Gebäude beträgt nach Schätzungen von Polizei und Feuerwehr 100.000 Euro.
Schwerer Unfall in Eppingen
Sturm "Sabine" verursachte erhebliche Behinderungen im Straßenverkehr, wie ein Sprecher der Polizei mitteilt. Umgestürzte Bäume blockierten die Autobahnen A6 und A81 sowie zahlreiche Straßen in der Region. Die Polizei wurde in der Stadt und im Landkreis 50 mal zu Hilfe gerufen und im Hohenlohekreis 25 Mal.
In Eppingen wurde ein 49 Jahre alter Autofahrer schwer verletzt. Nach Angaben der Polizei fuhr gegen 6.30 Uhr ein Lkw-Muldenkipper vom Stadtteil Richen in Richtung Eppingen. Eine Bö katapultierte ein 250 Kilogramm schweres Teil auf ein entgegenkommendes Auto. Dessen Fahrer erlitt schwere Verletzungen.
Discounter in Bad Friedrichshall stark beschädigt
Die Feuerwehrleute um Kommandant Marcel Vogt hatten in einem örtlichen Discounter alle Hände voll zu tun. Der Sturm beschädigte die Abdichtungen des Flachdachs. Regen drang ins Marktgebäude ein. Davon abgesehen, sei die Stadt glimpflich davongekommen, sagte Vogt.
S-Bahnen und Regionalzüge fallen aus
Stark beeinträchtigt waren die Zugverbindungen. Stadtbahnen und Regionalzüge fuhren zunächst nicht. Schritt für Schritt wurden die Züge wieder in Betrieb genommen. Die Störungen im Zugverkehr dauerten jedoch den ganzen Tag an. Es sei ganztägig "mit Ausfällen und massiven Verspätungen" zu rechnen, heißt es etwa bei Abellio.
Am Heilbronner Hauptbahnhof standen um kurz nach 8 Uhr Reisende, die ihre Fahrt nicht wie geplant aufnehmen konnten. Ihre Blicke gingen zwischen der Anzeigetafel an der Wand und dem Smartphone in der Hand hin und her. Leo von Holt aus Böckingen beispielsweise war davon ausgegangen, dass die Stadtbahn ihn nach Neckarsulm zur Arbeit bringt. Der Stadtbus um 7.44 Uhr sei pünktlich losgefahren. "Ich bin trotzdem entspannt", sagt der 25-Jährige. Wenn er gewusst hätte, dass der Betrieb erst gegen 10 Uhr aufgenommen werde, wäre er länger zu Hause geblieben oder hätte Homeoffice gemacht.
Angelika Engert aus Talheim fuhr mit dem Auto zur Arbeitsstelle nach Heilbronn. Mit einem Kollegen wollte sie weiter mit dem Zug zu einer Besprechung nach Stuttgart. Die geplante Verbindung fiel aus. "Das ärgert mich nicht", sagte die 57-Jährige. Ausnahmsweise könne die Bahn mal nichts für die Ausfälle und Verspätungen.
Kaum Kinder in den Schulen
Das Kultusministerium Baden-Württemberg überließ es den Eltern, ob sie ihre Kinder am heutigen Montag zur Schule schicken. Eltern hatten die Möglichkeit, die Schüler vom Unterricht befreien zu lassen.
Den Unterricht komplett ausfallen ließ die Hölderlin-Werkrealschule in Lauffen. Dort sah die Schulleitung ein erhöhtes Unfallrisiko, das durch die Baustelle an der Schule bestehe. Herumfliegende Baustellenteile könnten Menschen verletzen. Ein paar Lehrer und die Schulsozialarbeiter seien da, sagte Schulleiter Christian Müller. Am Sonntagabend seien die Eltern informiert worden, dass die Schüler besser zu Hause bleiben.
Kritik gab es am Vorgehen des Kultusministeriums. "Das war nicht ideal", sagte ein Schulleiter. Die generelle Schließung aller Schulen im Land hätte zu mehr Klarheit bei Eltern und Lehrer geführt, monieren auch andere hinter vorgehaltener Hand. Lauffens Rektor Müller sah es differenziert. "Das hätte mehr Handlungssicherheit gegeben." Andererseits müsse jede Schule vor Ort entscheiden können, ob sie Unterricht anbietet oder nicht.
Alle Schulen komplett schließen? "Das wäre dann Katastrophenalarm", sagte Ulrich Müller, Direktor des Eppinger Hartmanni-Gymnasiums. "Das hätte ich übertrieben gefunden." 300, 400 Schüler seien dem Unterricht ferngeblieben. Etwa die Hälfte aller Schüler sei erschienen. Für sie gab es ein Notprogramm, der Nachmittagsunterricht entfiel. Nur für die Schüler der Oberstufe lief der Unterricht von Beginn an wie geplant.
13 Schüler, sieben Lehrer - Eltern von Schülern der Ludwig-Frohnhäuser-Schule in Bad Wimpfen hatten sich mehrheitlich dazu entschlossen, ihre Kinder heute daheim zu lassen. Schulleiterin Sabine Keidel hatte es ihren Lehrer freigestellt, ob sie heute kommen. Einige haben laut Keidel weite Anfahrtswege. "Sicherheit geht vor."
"Es kamen weniger Schüler als erwartet", sagte Kerstin Rock, Rektorin der Grundschule Taläcker in Künzelsau. Die Wege zur Schule seien kurz. Etwa die Hälfte der 150 Schüler waren gekommen. Soziales Lernen stand im Vordergrund. Waren alle Lehrer da? "Selbstverständlich", sagte Rock.
An der August-Weygang-Gemeinschaftsschule war ein kleiner Teil zum Unterricht erschienen, sagte Schulleiter Marcus Mader. Etwa ein Sechstel aller Schüler war gekommen. Parallelklassen seien zusammengelegt worden, der Stoff wurde wiederholt. Am Nachmittag ging es zum Bewegungsunterricht in die Turnhalle. Das Dach der Schule wurde laut Mader durch den Sturm beschädigt. Ziegel seien herabgefallen. Hausmeister und Bauhof-Mitarbeiter sorgten für Sicherheit.
Verzögerungen bei der Abfallabfuhr
Aufgrund der aktuell stürmischen Wetterlage kam es bei der Abfuhr von Abfällen im gesamten Stadtgebiet Heilbronn zu Verzögerungen, teilte das Rathaus mit. Betroffen waren die Abfuhren der Restmüll- und Biotonnen, der Blauen Tonnen sowie der Gelben Tonnen und Gelben Säcke. Die Abfuhrteams waren im Einsatz und versuchten, die Abfuhren vorzunehmen. Die Abholung von angemeldeten Sperrmüllgegenständen wurde aus Sicherheitsgründen komplett eingestellt. Die versäumten Touren werden soweit möglich am Folgetag nachgeholt. Aus diesem Grund komme es über die gesamte Woche hinweg bei der Sperrmüllabfuhr zu Verzögerungen.
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