Streit um die Zukunft des Böckinger Eisenbahnmuseums
Das Süddeutsche Eisenbahnmuseum beim Böckinger Sonnenbrunnen ist seit Beginn der Corona-Pandemie geschlossen. Jetzt gibt es einen Rechtsstreit zwischen dem Verein, der das Museum betreibt, und einem anderen Eisenbahn-Verein, der der Hauptpächter des Areals ist.

Einen trostlosen Anblick bietet das Süddeutsche Eisenbahnmuseum momentan. Seit Beginn der Corona-Pandemie ist das gesamte Areal in Heilbronns größtem Stadtteil Böckingen für Besucher geschlossen. Was ist passiert, warum ist immer noch zu? In Leseranfragen an die Heilbronner Stimme häufen sich die Mutmaßungen - allein an Corona könne es ja mittlerweile nicht mehr liegen, dass das Museum wie ausgestorben wirkt.
Oliver Sauer, Vorstand des Vereins Süddeutsches Eisenbahnmuseum Heilbronn (SEH) sagt zunächst einmal: doch. Im Grunde, bekräftigt er, stehe das Museum bereit zur Öffnung, nur wegen Corona wolle man vorsichtig sein. "Im Moment hätten wir wegen der regulären Winterpause sowieso zu", fügt er hinzu. Der Vorstand rechnet damit, dass die Museumstore im Frühjahr öffnen können. Sofern der Verein bis dahin noch existiere, ergänzt er.
Koexistenz der Eisenbahn-Vereine auf dem Gelände glückt bisher nicht
Der Seitenhieb von Oliver Sauer richtet sich gegen den Verein UEF - Historischer Dampfschnellzug (HDS). Seit 2019 ist dieser Verein der Hauptpächter des Eisenbahnareals beim Böckinger Sonnenbrunnen. Den Teil des Geländes, in dem sich das Museum befindet, vermietet der HDS an den Verein SEH.
Die Koexistenz der Eisenbahnfreunde auf dem Gelände verläuft allerdings alles andere als harmonisch. Der HDS hat beim Heilbronner Landgericht eine Räumungsklage gegen den SEH-Verein eingereicht. Die Begründung bleibt zunächst unklar.
Seit März 2020, berichtet Sauer, habe der Verein keine Einnahmen mehr gehabt. Etwaige Mietrückstände seien aber schon im Oktober 2020 dank der Hilfe der Stadt und von Vereinsmitgliedern nachgezahlt worden. Einen "Vernichtungsfeldzug" nennt Sauer die Klage bei einer öffentlichen Sitzung des Böckinger Rings. Der HDS wolle das Gelände kommerziell nutzen und den SEH mitsamt potenziellen Museumsbesuchern raus haben.
HDS will Eisenbahninfrastruktur erhalten
Dr. Burkhard Pick, der Geschäftsvorstand des HDS, hingegen betont, das Ziel des Vereins sei es, "die Eisenbahninfrastruktur und die denkmalgeschützten Gebäude zu erhalten". Auf dem Gelände würden unter anderem Schienenfahrzeuge instandgesetzt. Wegen Corona habe sich der Verein mit neuen Angeboten aufgestellt, um die fehlenden Einnahmen aus Fahrten mit historischen Fahrzeugen auszugleichen.
Das Gelände sei ein "gewidmetes Eisenbahngelände". Dieses für die Öffentlichkeit zu öffnen, sei schwierig, zumal von den Fahrzeugen, an denen dort im Auftrag gearbeitet wird, keine Fotos gemacht werden dürften. Sollte das Museum künftig nicht mehr existieren, würde das aber nicht bedeuten, dass das Gelände komplett abgeschottet würde. "Wenn eine Gruppe etwas besichtigen will, wird man immer eine Lösung finden", sagt Pick.
Böckinger Julbockmarkt soll nächstes Jahr wieder stattfinden
Eine Veranstaltung soll aber nach wie vor im Ringlokschuppen stattfinden: der Böckinger Julbockmarkt. Für viele Stadtteilbewohner und Menschen aus der ganzen Region ist der Weihnachtsmarkt ein Winter-Highlight. Seit rund 15 Jahren gibt es ihn. Vergangenes und auch dieses Jahr musste er coronabedingt ausfallen. Beide Vereine stellen aber in Aussicht, dass der Julbockmarkt 2022 im historischen Ringlokschuppen wieder stattfinden könne.
Seit Mitte November ist der Verein UEF - Historischer Dampfschnellzug nun auch Mitglied im Böckinger Ring, der die ganze Bandbreite an Vereinen, Institutionen und Organisationen in dem Stadtteil vereint. Sollte der Räumungsklage gegen den SEH stattgegeben werden, ist die Zukunft des Vereins unsicher. Das Süddeutsche Eisenbahnmuseum in Böckingen würde dann aller Voraussicht nach aber nicht mehr weiter existieren.
Der historische Ringlokschuppen ist beliebt für Veranstaltungen wie den Julbockmarkt, besonders aufgrund seiner besonderen Atmosphäre. Er wurde 1893 errichtet und 1944 teilweise zerstört. Die Anlage mit funktionierender Drehscheibe ist denkmalgeschützt und Teil des Süddeutschen Eisenbahnmuseums. Der Böckinger Verein Süddeutsches Eisenbahnmuseum Heilbronn erhält die Anlage des ehemaligen DB-Bahnbetriebswerks seit 1998.
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