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Heilbronn/Zürich

Stiftung Gamaraal hilft Holocaust-Überlebenden

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Die Tochter des in Heilbronn geborenen Walter Strauss, Anita Winter aus Zürich, kümmert sich mit ihrer Stiftung Gamaraal um Holocaust-Überlebende in der Schweiz.

Der gebürtige Heilbronner Walter Strauss mit seiner Tochter Anita Winter.
Foto: Joseph Khakhshouri
Der gebürtige Heilbronner Walter Strauss mit seiner Tochter Anita Winter. Foto: Joseph Khakhshouri  Foto: privat

Sie habe Heilbronn leider nur einmal besucht, als Teenager mit dem Vater und Großvater, berichtet Anita Winter (57) und spricht von "berührenden Gefühlen". Ihre Vorfahren waren hier als Juden gedemütigt worden. Inzwischen hat Anita Winter mit solchen Erinnerungen umzugehen gelernt. Sie ist Gründungspräsidentin der Stiftung Gamaraal. Seit 2014 hilft sie mit ihrem Team bedürftigen Holocaust-Überlebenden in der Schweiz, finanziell, seelsorgerlich: indem sie ihnen ein Ohr schenkt, ihre Lebensgeschichten festhält und sich über Bildungsprojekte dafür stark macht, "dass so etwas nie wieder passiert". Neben Schulbesuchen ist die Ausstellung "Die letzten Schweizer Holocaust-Überlebenden" ein zentrales Projekt des preisgekrönten Engagements.

Gegen Antisemitismus und Diskriminierung

"Wir stehen in der Wissensvermittlung über den Holocaust an einem entscheidenden Punkt: Die Zeitzeugen dieses furchtbaren Genozids werden immer weniger." Gleichzeitig beklagt die 57-Jährige einen neu entflammten Antisemitismus, aber auch die Diskriminierung anderer Minderheiten. "Als hätte die Welt nichts dazugelernt." Die Idee zu Gamaraal ist der erfolgreichen Designerin und Textil-Unternehmerin, die mit Herbert Winter, dem Präsidenten des Schweizer Israelitischen Gemeindebundes (SIG) verheiratet ist und vier Kinder hat, bei einem Essen mit dem damaligen israelischen Sozialminister Jitzchak Herzog gekommen.

"Ich habe ihn gefragt, was der jüdische Staat heute anders machen würde als bei der Gründung 1948." Ein großes Versäumnis sei es gewesen, so Herzog, dass man das Leid der Schoah-Überlebenden zunächst kaum realisiert habe, deren Traumata zu wenig beachtete. Heute gibt es weltweit noch 250.000 Holocaust-Überlebende, die Hälfte lebt in Armut. Und: "Die meisten haben große Angst", weiß Winter. "Wir geben ihnen nicht nur finanzielle Zuwendung, sondern auch Zeit und die Gewissheit, dass sie nicht alleine sind, dass sie verstanden werden."

Fördergelder bekommt Gamaraal von Firmen, Privatpersonen oder auch Holocaust-Überlebenden, denen es finanziell gut geht. Ja, es komme mitunter sogar vor, dass sich Kinder von Nazis bei ihr melden und sagen: "Endlich können wir etwas wiedergutmachen."

Näheres zur Stiftung für Holocaust-Opfer auf www.gamaraal.org und auf www.last-swiss-holocaust-survivors.ch

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