Startup aus Offenau ist Legionellen auf der Spur
Eine Tochterfirma des Kunststoffverarbeiters KWO aus Offenau hat ein Analysegerät für die Erreger entwickelt und zum Patent angemeldet. Nun fließt ein hoher EU-Zuschuss.

Der Anstoß kam für Michael Jauss, als er als Vermieter des Hauses seiner Großmutter vor etwa zehn Jahren selbst einmal eine Untersuchung ansetzte. "Ich wollte die Trinkwasser-Verordnung einhalten", erklärt der promovierte Maschinenbau-Ingenieur. Also ließ er die Leitungen des Hauses auf Legionellenbefall untersuchen. "Ich fand den Ablauf antiquiert und aufwendig", erzählt er. Und er dachte sich: "Vielleicht geht das ja besser."
Gesucht: Ein einfaches und günstiges System
Dabei hat der geschäftsführende Gesellschafter des Kunststoffverarbeiters KWO in Offenau eigentlich genug zu tun. Während es aber in seiner Firma um Kunden vorwiegend aus der Automobilbranche geht, war ihm klar, dass für eine neue Analysemethode Grundlagenarbeit nötig ist. Als Jauss mit einer Biologin des Fraunhofer-Instituts in Kontakt kam, nahm das Projekt an Fahrt auf. Ein einfaches und günstiges System sollte gefunden werden, das rasch ein Ergebnis liefert. Nun, nach einigen Jahren Vorarbeit und mit beantragten Patenten im Rücken, geht die Idee an den Start: Diese Woche nimmt das sechsköpfige Team in einer Tochterfirma von KWO die Arbeit offiziell auf.
Den Prototypen zum Laufen bringen
Bluelab Wasseranalysesysteme heißt das Unternehmen, das seinen Sitz in Tübingen hat. Dort soll das Team in den nächsten Wochen den Prototypen des Analysegeräts zum Laufen bringen und die letzten Fehlerquellen beseitigen. Dann geht es bereits daran, daraus ein serientaugliches Design zu entwickeln.
Einsatzbereich: zum Beispiel Kühltürme
Als erste Einsatzgebiete hat Jauss Kühltürme und andere Bereiche, die nicht unter die Trinkwasserverordnung fallen, im Blick. Damit meint er übrigens nicht die hohen Bauwerke an großen Kraftwerken wie in Heilbronn: "Es gibt etwa 150.000 Kühltürme in Deutschland", erklärt der Ingenieur. Sie finden sich überall dort, wo große Klima- und Kühlanlagen im Einsatz sind, zum Beispiel auch an Krankenhäusern. "Die meisten arbeiten mit dem Zerstäuben von Wasser", erläutert er. Und genau dies trage zur Verbreitung von Legionellen bei, die gerade in warmem Wasser ideale Bedingungen vorfinden.
Antikörper bringen die Legionellen zum Leuchten
Und wie funktioniert die Technik nun? "Wir haben einen wasserführenden Teil und eine optische Analyseeinheit", berichtet Jauss. Nach dem Herausfiltern der Legionellen werden diese mit Antikörpern versetzt, die eine fluoreszierende Reaktion zeigen - und dieses Leuchten wird von der Optik erfasst. "Die Technik funktioniert", sagt der Geschäftsführer. Der Grenzwert der Trinkwasserverordnung liege aktuell bei 1000 Legionellen pro Liter Wasser. "Wir trauen uns zu, 500 Legionellen pro Liter nachzuweisen."
Ins EU-Programm "Horizon 2020" aufgenommen
Das Projekt mit dem Namen "Legio Detect" hat zwar bereits kurz nach dem Start einen regionalen Innovationspreis bekommen. Im Dezember folgte aber die große Weihe: Als eine von 37 Ideen - unter 4163 Einreichungen - wurde es in das "Horizon 2020"-Programm der EU aufgenommen und bekam vom European Innovation Council eine Förderung in Höhe von 2,2 Millionen Euro zugesprochen. Ein wichtiger Schritt, erklärt Jauss: Damit sei die Finanzierung für die nächsten zwei Jahre gesichert. Und bis 2023 soll das Gerät marktreif sein. Auch für KWO sei dieses Projekt wichtig. "Wir wollen weg vom reinen Auftrags-Produzenten und hin zur Herstellung eigener Produkte."
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