So lässt sich Tee umweltfreundlicher genießen

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Die Arbeitsbedingungen auf Teeplantagen stehen in der Kritik, Tee muss fairer werden. Wie Tee-Fachgeschäfte in der Region das Thema Nachhaltigkeit angehen.

Immer mehr Kunden setzen bei Tee auf Bioqualität. Das beobachten auch Jens Herbst vom Weltladen in Flein ...
Immer mehr Kunden setzen bei Tee auf Bioqualität. Das beobachten auch Jens Herbst vom Weltladen in Flein ...  Foto: Berger, Mario

Dose an Dose reiht sich der Tee in den Regalen hinter der Theke von "Tee und Süßes": Von klassischer Pfefferminze über Passionsfrucht bis hin zu Bad Wimpfener Kräutertee. Allein 180 offene Tees, insgesamt 350 Sorten, sowie Kaffee, Süßes und mehr gibt es in dem charmanten Laden in der Bad Wimpfener Altstadt zu kaufen. Ein Familiengeschäft, Erich und Doris Bechtel führen es seit 16 Jahren, Tochter Tanja ist mittlerweile in den Betrieb eingestiegen. "Es macht Spaß herauszufinden, was den Kunden schmeckt", sagt Doris Bechtel. An Tee fasziniert sie vor allem die Vielseitigkeit.

"Tee ist ein Genussmittel: Man möchte ihn riechen, schmecken und probieren", sagt Doris Bechtel und öffnet eine der Dosen, der entweicht ein berauschender, süßlicher Duft von Orange und Vanille. Ein Früchtetee, der streng genommen ein Aufguss ist, wie Tanja Bechtel erklärt: "Echter Tee wird von den Blättern und Blüten der Teepflanze Camellia sinensis gewonnen. Von ihr kommen die Sorten Schwarzer, Weißer und Grüner Tee." Der immergrüne Strauch wächst unter tropischen Bedingungen in Höhen- und Hanglagen. In China, Indien, Kenia, Sri Lanka und Indonesien werden deshalb 80 Prozent des Tees weltweit angebaut, vor allem Hybride aus Camellia sinensis und Camellia assamica.

Tee ist in Deutschland sehr beliebt

Nach Wasser ist Tee das beliebteste Getränk weltweit. Pro Kopf werden in Deutschland nach Angaben des Deutschen Tee- und Kräuterteeverbands rund 70 Liter Tee im Jahr getrunken. Vor allem Kräuter- und Früchteteemischungen sind beliebt (42 Liter pro Kopf jährlich). In Deutschland produzieren die Unternehmen Teekanne und Ostfriesische Tee Gesellschaft (OTG) die beliebtesten Marken, über die Hälfte aller Tees werden über Supermärkte oder Discounter verkauft. Doch wie viele Massenkonsumgüter hat auch Tee seine Schattenseiten. Etwa wegen der langen Transportwege - hochwertiger Flug-Tee, die milden und feinen Blätter der ersten Ernte (First Flush), wird eigens in die Länder eingeflogen.

Die NGO Oxfam kritisierte den deutschen Teemarkt außerdem wegen der schlechten Arbeitsbedingungen auf den Teeplantagen in der indischen Region Assam: Bei einer Packung Markenschwarztee für drei Euro bleiben 2,60 Euro beim Supermarkt, nur vier Cent gehen an die Pflückerinnen. Die Frauen arbeiten unter menschenunwürdigen Bedingungen, heißt es in dem Bericht. Krankheiten, auch durch Pestizideinsatz, sind verbreitet, es fehlt Schutzkleidung. Selbst auf zertifizierten Plantagen kommt es zu Menschenrechtsverletzungen.

... und Karl-Josef Jochim von "TeeGschwender" Heilbronn.
... und Karl-Josef Jochim von "TeeGschwender" Heilbronn.  Foto: Berger, Mario

Das Fairhandelsunternehmen Gepa arbeitet deshalb mit sozial engagierten Firmen wie Tea Promoters India zusammen. Von 17,50 Euro für ein Kilo verarbeiteten Bio-Darjeeling-Tee gehen zwölf Euro an die Pflückerinnen. Zu kaufen gibt es den fair gehandelten Tee etwa im Fleiner Weltladen, wo Christa und Jens Herbst seit 20 Jahren ehrenamtlich arbeiten. "Wer im Weltladen kauft, kann sich sicher sein, dass sämtliche Teesorten in Bioqualität und zu fairen Preisen und Handelsbedingungen von Produzenten aus dem globalen Süden verkauft werden", sagt Jens Herbst. Den Kunden steht eine Handvoll offener Grün- und Schwarztees, Früchte- und Kräutertees sowie Mischungen zur Auswahl. Während ältere Kunden die Klassiker vorziehen, wählen jüngere oft Wellnesssorten.


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Bioteesegment wächst

Fair gehandelter, hochwertiger Bio-Tee hat seinen Preis: Spitzenreiter im Fleiner Weltladen ist ein Darjeeling-Weißtee für neun Euro pro 75 Gramm. Den Kunden sei es das wert, sagt Christa Herbst, viele achten verstärkt auf Bioqualität. Den Trend beobachten auch Doris Bechtel und Karl-Josef Jochim, Inhaber von TeeGschwender in Heilbronn. "Die Anfrage nach Biotee ist enorm", sagt Jochim. Knapp die Hälfte des Sortiments von TeeGschwender stammt nach Unternehmensangaben aus kontrollierter ökologischer Erzeugung. Laut Teereport 2021 wächst das Bio-Segment allgemein stetig, Schwarz- und Grüntee stiegen von zwölf auf rund 13 Prozent und Kräuter- und Früchtetees von elf auf 13,5 Prozent.

Doch wie kann nachhaltiger Teehandel aussehen? Bei "Tee und Süßes" kommen die Blätter in Großgebinden an. "Wir füllen den Tee in Dosen ab, lange bevor es Unverpacktläden gegeben hat. Unsere Stammkunden bringen dann ihre Gläser, Tüten und Becher zum Abfüllen mit", erzählt Doris Bechtel. Für einzelne Tassen hochwertigen Tees empfiehlt sie praktische kompostierbare Beutel aus Filtermaterial zum Selberfüllen. Für den Hausgebrauch rät die Sommelière zu Metallsieben statt zur Siebzange, damit der Tee beim Ziehen gut im Wasser schwimmen kann.

Und Großhändler wie TeeGschwender? Das Unternehmen engagiert sich seit Jahren mit sozialen Projekten in Nepal für den Natur- und Artenschutz und die Entwicklunghilfe vor Ort, hat Kooperationen mit dem Nabu und Naturland. Als Inhaber der Heilbronner Filiale von Tee-Gschwender ist Karl-Josef Jochim an die Vorgaben des Franchise-Unternehmens gebunden. Umso wichtiger ist es ihm, beim Thema Nachhaltigkeit in der Heilbronner Filiale anzusetzen, wo es möglich ist. Seine Mitarbeiterinnen hält er unter anderem dazu an, klimafreundlich zur Arbeit zu kommen.

 
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