Sendungen von Fremden im Briefkasten
Ein Rentner betätigt sich notgedrungen als Hobby-Zusteller und verteilt Briefe, weil immer wieder falsche Sendungen bei ihm eingeworfen werden. Die Post spricht von einem krankheitsbedingtem Ausfall beim Austräger und schult nach.

Hans Winkler aus Nordheim-Nordhausen ist eigentlich Rentner. Doch seitdem bei dem 70-Jährigen regelmäßig Briefe im Briefkasten landen, die nicht an ihn adressiert sind, übernimmt er die Aufgabe des Briefträgers und bringt fremde Post an den rechtmäßigen Adressaten. "Wir hatten in der Vergangenheit immer wieder Zeiten, in denen falsch zugestellte Post im Briekasten lag", sagt Winkler.
Mit dem "wir" meint er die Nachbarn, bei denen auch regelmäßig fremde Briefe gelandet seien. An einem Tag in der vergangenen Woche seien zwei von drei Briefen nicht für ihn bestimmt gewesen. "Das ist kein Einzelfall." Am Sonntag habe seine Frau eine Nachbarin getroffen, die auf dem Weg zum Briefkasten war, um falsch zugestellte Post vom Finanzamt und der Krankenkasse einzuwerfen. Es betreffe nicht nur ihn, sondern mehrere Haushalte in seiner Nachbarschaft.
Mangel an Ortskenntnis?
Zwei Mal habe Winkler bereits beim Verbraucherservice Post der Bundesnetzagentur reklamiert. "Es hat sich nicht verbessert", sagt er. Seitdem betreibt er Ursachenforschung und stellt Fragen. "Liegt es an der Vorsortierung. Oder vielleicht an der Unaufmerksamkeit der Zusteller?" Ein häufiger Wechsel der Austräger und der damit einhergehende Mangel an Ortskenntnis könne ein Grund sein. Winkler befürchtet, dass Rechnungen oder Mahnungen nicht zugestellt werden.
Probleme bei Zustellungen
Kunden können sich über die sozialen Netzwerke oder über die Telefonnummer 0228 4333112 bei der Post melden.
"Man bekommt möglicherweise ein Problem mit der Schufa und ist nicht mehr kreditwürdig und wundert sich warum",sagt Winkler. Bei der hiesigen Postagentur habe er das Problem angesprochen. "Die Mitarbeiterinnen kennen das Problem." Deren Vermutung: Seit einer Umstellung im Zustellstützpunkt in Leingarten gebe es die Probleme.
Antworten auf Winklers Fragen gibt die Pressestelle der Post. Ohne nähere Angaben wie Sendungsbilder, Datum der Falschzustellungen könne man nicht detaillierter nachforschen, erklärt Pressesprecher Marc Mombauer.
Wegen Arbeitsunfall ausgefallen
Seit Ende Oktober sei der Stammzusteller in der Straße, in der Winkler wohnt, nicht mehr im Einsatz, teilt Mombauer mit. Aufgrund eines Arbeitsunfalls sei dieser im Krankenstand. Die neue Kraft habe sich in die Auslieferungsprozesse zwar gut eingearbeitet. "Allerdings sind Fehler bei neuen Kräften nicht gänzlich auszuschließen." Man sei im Zustellstützpunkt Leingarten bemüht, das Thema Falschzustellung in den Griff zu bekommen. Der Qualitätsmanager habe Gespräche mit dem neuen Zusteller geführt und diesen in einzuhaltende Prozesse geschult.
Hans Winkler aus Nordhausen hat sich derweil auf unterschiedlichen Internetseiten darüber informiert, wie mit falsch zugestellten Briefen umzugehen sei. Demnach könne man die Sendung einfach wieder in einen Briefkasten der Deutschen Post einwerfen. Man müsse weder etwas vermerken noch den Brief frankieren. Dies bestätigt Mombauer von der Post. Der Kunde habe außerdem die Möglichkeit, den Brief beim richtigen Empfänger einzuwerfen oder bei der Post abzuliefern. "Oder er gibt ihn dem Postboten mit."
Winkler hat in der Zwischenzeit eine erweiterte Variante ausgearbeitet. Er hat sich auf seinem Drucker ein Etikett mit dem Hinweis "Zurück - Wurde falsch zugestellt" ausgedruckt. Das aktuelle Datum trägt er von Hand ein und klebt das Etikett auf den Brief. Den wirft er in den Briefkasten der Post. "Es kann ja sein, dass der Empfänger auf diesen wichtigen Brief gewartet hat."
Zustellungszahlen
Die Post liefert etwa 5,2 Millionen Pakete und 55 Millionen Briefe täglich aus. Wegen Corona und Weihnachten seien es derzeit pro Tag etwa elf Millionen Pakete, teilt Marc Mombauer, Pressesprecher der Deutschen Post mit. 92 Prozent der Briefe stelle man bereits am nächsten Werktag zu, mehr als 80 Prozent seien es im Paketbereich. Die Laufzeiten seien von einer externen Firma gemessen und vom Tüv bestätigt worden.

Stimme.de
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