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Selbstmordversuch ist bei depressiven Jugendlichen oft ein Hilferuf

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Viele depressive junge Menschen haben Suizidgedanken. Im Notfall ist das Klinikum am Weissenhof in Weinsberg die richtige Anlaufstelle.

Die Hälfte der Zuschauer sitzt im Saal, die anderen nehmen per Livestream teil.
Die Hälfte der Zuschauer sitzt im Saal, die anderen nehmen per Livestream teil.  Foto: Berger, Mario

Dass das eigene Kind versucht, sich das Leben zu nehmen, ist für Eltern eine Horrorvorstellung. Bei vielen depressiven Jugendlichen ist Suizidalität allerdings ein Bestandteil der Krankheit, macht Claas van Aaken deutlich. Das Spektrum reiche von passiv-lebensmüden Gedanken bis zum vollendeten Selbstmord. Bei Menschen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren sei die Zahl der Selbstmordversuche am höchsten, wie eine Erhebung aus dem Jahr 2009 ergab. Dass sich Jugendliche wirklich umbringen, sei jedoch selten, gab Claas van Aaken eine weitere Untersuchung wieder. Ein Selbstmordversuch "ist aber immer ein Indiz für ein Problem", sagt der Mediziner. Auch wenn nicht immer eine Depression dahinterstecke.

Ernst zu nehmen sind Selbstmordgedanken bereits bei Kindern ab sieben Jahren, erläutert der Mediziner. Wichtig zu wissen sei auch, dass der Betroffene allein definiere, was ein Suizidversuch ist. Wenn eine Jugendliche zum Beispiel die Absicht hatte, sich mit drei Tabletten Paracetamol umzubringen, sei das genauso alarmierend wie wenn sie 30 Tabletten genommen hätte.

Suizide im Bekanntenkreis erhöhen das Risiko

Besonders gefährlich werde es, wenn Kinder und Jugendliche bei einem Selbstmordversuch dafür sorgen, dass sie nur schwer entdeckt werden können, wenn sie keinen Dritten benachrichtigen oder den Selbstmordversuch über längere Zeit geplant haben. Auch Suizide im Bekanntenkreis bringen manche junge Menschen auf die Idee, sich ebenfalls umzubringen, berichtet Claas van Aaken. Selbstverletzung komme bei depressiven Jugendlichen ebenfalls häufig vor. Bei akuten Krisen und Notfällen ist die Klinik am Weissenhof in Weinsberg rund um die Uhr die richtige Anlaufstelle, gibt der Chefarzt den Zuhörern mit auf den Weg. Es werde niemand abgewiesen.

Höre man von langen Wartezeiten und überlasteten Psychiatrien, gelte das nicht für die Notfallaufnahme. Das Problem in Baden-Württemberg ist: "Wir sind im stationären Bereich schlecht versorgt im Vergleich zu anderen Bundesländern." Um Betten zu erhöhen und Lösungen zu finden, habe Gesundheitsminister Manne Lucha eine Taskforce ins Leben gerufen. "Davon erhoffen wir uns viel", sagt Claas van Aaken.

Hilfe bei Depressionen und Selbstmordgedanken

Informationen zu Selbsthilfegruppen und anderen Angeboten bei Depression gibt es auf der Homepage des Landratsamtes Heilbronn oder beim Klinikum am Weissenhof. Für akute Fälle ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 1110111 erreichbar.

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