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Security-Mitarbeiter berichtet von tumultartigen Szenen in Heilbronn

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In einigen Lebensmittelmärkten in der Stadt Heilbronn ist die Lage am Samstagvormittag angespannt. Kunden streiten sich um Ware, andere halten den Sicherheitsabstand nicht ein. Andernorts jedoch läuft der Betrieb vergleichsweise ruhig ab.

In der Region kaufen in Zeiten der Corona-Krise die Menschen zum Teil mit Mundschutz und Handschuhen ein. Foto: Andreas Veigel
In der Region kaufen in Zeiten der Corona-Krise die Menschen zum Teil mit Mundschutz und Handschuhen ein. Foto: Andreas Veigel

Obwohl Lebensmittel und Drogerie-Artikel in Deutschland nicht knapp sind, decken sich Kunden in der Corona-Krise mit Waren ein. Noch bevor die Märkte morgens öffnen, bilden sich Warteschlangen. „Kurz nach sechs kommen sie“, erzählt der Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes, der in einem Lidl-Markt in Heilbronn die Lage im Blick behalten soll.

In einer Kaufland-Filiale sind es nach Angaben einer Mitarbeiterin etwa 60 bis 70 Kunden gewesen, die am Samstagmorgen ausharrten, bis der Markt öffnete. Drinnen spielen sich dann zum Teil tumultartige Szenen ab, wie ein Security-Mitarbeiter schildert. 

 

„Manche verstehen nicht, dass sie nur begrenzte Mengen kaufen dürfen.“

Security-Mitarbeiter

 
 

„Sobald der Markt aufmacht, laufen sie zum Klopapier und zum Mehl“, erzählt der Beschäftigte eines Sicherheitsdienstes. „Manche Kunden verstehen nicht, dass sie nur begrenzte Mengen kaufen dürfen.“ Ihm zufolge feinden sich Kunden an. Wenn einer leer ausgehe, ginge er denjenigen an, der zwei Packungen von etwas im Einkaufswagen liegen habe. An den Kassen gebe es Stress, weil sich die Kunden zu nah auf die Pelle rückten.

„Dass sie den Sicherheitsabstand von etwa 1,50 Meter einhalten sollen, wissen viele noch immer nicht“, beobachtet eine Kaufland-Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht öffentlich machen möchte.

„Respekt an alle, die arbeiten“

„Ich habe mich anstecken lassen“, sagt Erkan Ayak aus Heilbronn und grinst. Nicht das Virus hat ihn infiziert. Ihn beeinflussen die Nachrichten über den Ansturm auf die Märkte. „Ich habe auch mehr als sonst gekauft“, räumt der 36-Jährige ein, der die Artikel ins Auto lädt. Drinnen sei es ruhig zugegangen, die Verkäuferinnen seien noch netter als sonst. „Riesenrespekt an alle, die hier arbeiten.“

Im Großen und Ganzen läuft es gut, meint auch die Filialleiterin eines Lidl-Markts, die ungenannt bleiben möchte. Hier und da gebe es vereinzelt Kunden, die ungehalten oder verärgert seien. Der überwiegende Teil jedoch bleibe freundlich. Alles im Griff hat der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes. „Ich bekomme das gut geregelt.“

Im Edeka in Bad Wimpfen gibt es nur vereinzelt Diskussionen

Der Lebensmittelhandel appelliert an die Verbraucher: Es gibt keinen Grund für Vorratskäufe. Foto: dpa
Der Lebensmittelhandel appelliert an die Verbraucher: Es gibt keinen Grund für Vorratskäufe. Foto: dpa  Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Unterdessen gehen einige Lebensmittelmärkte in der Region dazu über, nur noch eine begrenzte Anzahl an Kunden einzulassen. Oder sie lassen sich andere Ideen zum Schutz der Kundschaft einfallen. So wie im Bad Wimpfener Edeka-Markt: Damit Kunden Abstand halten, dürfen sie nur mit Einkaufswagen hinein. Ein Hinweis an der Eingangstür macht darauf aufmerksam. Dennoch hat Marktinhaber Denis Dannenberg Position im Eingangsbereich bezogen und weist Kunden auf die Regelung hin. Er erntet meist Verständnis. Nur vereinzelt gibt es Diskussionen mit Menschen, die sich nicht an die Regel halten möchten.

Der Wagen sei 1,20 Meter lang, sagt Dannenberg. Dazu die Person, die den Wagen schiebt und dann komme es mit den 1,50 Metern hin. Vor allem an den Kassen hielten sie so den nötigen Abstand.  Kisten und Markierungen auf dem Boden gibt es außerdem. 
Masken für die Mitarbeiter seien bestellt. Es geht um deren Schutz. „Was, wenn wir ausfallen?“, fragt er. 

In Brackenheim halten sie Abstand, in Lauffen wird offenbar gehamstert

„Um sieben Uhr mussten wir wegen des Ansturms alle fünf Kassen besetzen“, sagt eine Kassiererin des Lidl-Marktes in Brackenheim. Zwei Stunden später geht es hier deutlich friedlicher zu. Es herrscht eine eigenartige Stimmung. Die an Samstagen üblichen Schwätzchen finden kaum statt. Hamsterkäufe scheinen die Ausnahme zu sein. Menschen halten Abstand an den Kassen. Dort trennen neuerdings Plexiglasscheiben die Kunden von den Kassiererinnen. Auch Linda Fuggerer aus Nordheim nutzt den Vormittag für ihren Einkauf im Brackenheimer Edeka. Normalerweise steht sie um diese Zeit im Friseurgeschäft und schneidet Menschen die Haare. Doch der Betrieb hat nun wegen der Landesverordnung für zunächst 14 Tage geschlossen. „Von Hamsterkäufen halte ich nichts. Selbst wenn einige Waren einmal vergriffen sind, werden sie doch nachgefüllt“, sagt sie.
 
In Lauffener Supermärkten geht es in der Mittagszeit ebenfalls ruhig zu. „Ich habe weder im Lidl noch im Aldi Mehl und Hefe bekommen“, sagt Irene Hummel. Ihre Mutter wird am Dienstag 91 Jahre alt, und zu diesem Anlass möchte Irene Hummel einen Kuchen backen. „Das ist nicht schlimm. Dafür werden die Vorräte wohl noch reichen.“
 

 
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