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Untergruppenbach

Schwerter, Drachen und Minnesang: Mittelaltermarkt auf Burg Stettenfels

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Beim elften mittelalterlichen Adventsmarkt in Untergruppenbach wird die Zeit zurückgedreht und altes Handwerk wieder lebendig. Schmiede, Fabelwesen und Irish Folk bietet der besondere Markt.

Beim mittelalterlichen Adventsmarkt auf der Burg Stettenfels können die Besucher in eine andere Zeit eintauchen. Fotos: Christiana Kunz
Beim mittelalterlichen Adventsmarkt auf der Burg Stettenfels können die Besucher in eine andere Zeit eintauchen. Fotos: Christiana Kunz  Foto: Christiana Kunz

"Die Wölfe der Scardi" sind in der falschen Zeit gelandet. Als Wikinger gewandet, fühlt sich die Familie aus Ludwigshafen nicht der Mittelalterszene zugehörig. Trotzdem genießen sie die Atmosphäre auf dem mittelalterlichen Adventsmarkt vor der Kulisse der Burg Stettenfels, den der Verein Kulturschock zum elften Mal organisiert hat. Hier gibt es vieles, was auch kriegerische Seefahrer gut gebrauchen können: von Äxten und ledernen Brustpanzern über Füllhörner bis hin zu silbernen Runen.


Schmied Martin Streiftau ist aus Tschechien angereist

Ulfar Farkasson (53), so der Wikingername des Familienvaters, und sein Sohn Nico (21) beobachten fasziniert die Arbeit von Schmied Martin Streiftau, der auf dem Amboss ein Stück Eisen bearbeitet. Zusammen mit Hana Ruzickova ist der 27-Jährige aus der Tschechischen Republik angereist. Beide arbeiten für die Firma Madhammers, 430 Kilometer von Untergruppenbach entfernt. 70 Märkte besuchen sie das Jahr über, "außer im Januar", sagt Ruzickova, die gut Deutsch spricht. Ein Schwert für 255 Euro - das können sich in ihrer Heimat wenige leisten, "aber in Deutschland und Österreich läuft das Geschäft gut".

Das Hämmern begleitet die Klänge der Spielleute Triskilian feat. Knud Seckel, das auf Italienisch von Bettelmönchen singt. Bei Markus Kreuz aus Metzingen können die Besucher ihr eigenes Seil aus Hanf herstellen. "Das ist wie Sendung mit der Maus zum Anfassen", sagt er schmunzelnd. Wer es mal probiert hat, habe einen "ganz anderen Respekt vor diesem Handwerk", das freilich längst ausgestorben ist. Fünf- oder sechsmal im Jahr schlüpft er auf Mittelaltermärkten in Mönchskutte und Holzschuhe. "Das ist wie Urlaub" für den 52-Jährigen, der im echten Leben als Projektleiter in der Pharmaindustrie arbeitet.

Irish Folk und Köstlichkeiten im Burggraben

Im Burggraben hat die Gruppe Kupfergold ihr Publikum um sich geschart. Statt Minnesang singen und spielen sie besten Irish Folk. Die meisten Zuhörer können aber höchstens mitwippen, während sie sich an Hanffladen, Baumstriezel oder orientalischer Linsensuppe mit aphrodisierenden Gewürzen laben.

Feen und Fabelwesen - auf dem Untergruppenbacher Mittelaltermarkt.
Feen und Fabelwesen - auf dem Untergruppenbacher Mittelaltermarkt.  Foto: Christiana Kunz

Wem es zu kalt wird, der wärmt sich im Gewölbekeller auf. Dort sitzt Margit Röhm mit Wasser und Seife und filzt. Umgeben von wunderbar-sonderbaren Drachen und anderen Fabelwesen. Diese Handpuppen fertigt Röhm seit 13 Jahren hauptberuflich in ihrer Werkstatt in Ulm. Ihre Kunden sind Puppenspieler und Gaukler. Für die Marktbesucher macht sie Fingerpuppen. "Vor Weihnachten komme ich mit Filzen gar nicht hinterher", erzählt die 49-Jährige. Kai Feucht aus Sulzbach/Murr entscheidet sich für einen Streitstein aus Filz: "Für meine Dartkollegen, wenn sie nicht spuren."

Schaurige Gestalten zur Wintersonnwende

Der 42-jährige Mittelalterfan ist mit einem befreundeten Paar aus Fornsbach auf der Stettenfels. Sie freuen sich schon auf den Abend, wenn beim Perchtenumzug zottige Rauhnachtsgestalten durch die Burg ziehen und im Graben das Wintersonnwendfeuer anzünden: "Das wird das Highlight", ist Martin Lang überzeugt.

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