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Jagsthausen

Schreckenswochen für Heimotion

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Die traditionsreiche Jagsthausener Firma Heimotion ist erneut in Schwierigkeiten geraten. Der Hersteller von Animationsfiguren muss sich in Eigenverwaltung sanieren. Die Investorensuche ist angelaufen. Die Auftragsbücher sind zwar voll, doch für die Insolvenz gibt es einen Grund.

Von Heiko Fritze
Figuren wie dieser King Kong werden in Jagsthausen hergestellt. Die Firma Heimotion ist allerdings in Schwierigkeiten geraten, nachdem ein Großkunde ausgefallen ist.
Foto: Archiv/Gleichauf
Figuren wie dieser King Kong werden in Jagsthausen hergestellt. Die Firma Heimotion ist allerdings in Schwierigkeiten geraten, nachdem ein Großkunde ausgefallen ist. Foto: Archiv/Gleichauf  Foto: Gleichauf, Christian

Das Unternehmen hatte vor einigen Wochen einen Antrag auf Sanierung in Eigenverwaltung gestellt, nun ist das entsprechende Insolvenzverfahren eröffnet worden. Zum Sachwalter wurde der Sinsheimer Rechtsanwalt Renald Metoja ernannt.

Kunden aus aller Welt

Der Betrieb mit 30 Mitarbeitern läuft jedoch unvermindert weiter. "Die Auftragsbücher sind voll", berichtet Metoja. Heimotion hat sich auf bewegliche Animationsfiguren bis hin zu kompletten Freizeitpark-Ausstattungen spezialisiert. Die Kunden kommen aus aller Welt, vom Europapark über Spanien und Großbritannien bis nach Russland oder Arabien.

Loch in der Liquidität

Dass es dennoch zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten kam, liege in der Größenordnung der Projekte, erklärt der Rechtsanwalt: Es handele sich meist um Volumen im Millionenbereich, und dafür müsse Heimotion in der Regel in Vorfinanzierung gehen. Als nun ein großer Kunde in Frankreich ausgefallen sei, habe dies ein großes Loch in die Liquidität gerissen. "Inzwischen haben wir das durch das Verfahren in Eigenverwaltung einigermaßen begradigt", berichtet Metoja. Löhne und Gehälter seien in dieser Periode durch Insolvenzgeld beglichen worden, seit Monatsbeginn werden sie wieder selbst erwirtschaftet.

Mehrere Optionen denkbar

Auch Geschäftsführer Michael Friedrich, der das Unternehmen 2011 als Nachfolgebetrieb der in die Insolvenz gegangenen Firma Heimo gegründet hatte, ist weiter an Bord. Für die Zukunft des Standorts seien nun mehrere Optionen denkbar, sagt der Sachwalter: Zum einen sei die Suche nach Investoren gestartet worden, zum anderen werde geprüft, ob aus Kreisen der Gesellschafter eine Lösung gefunden werden könne - in erster Linie gehe es um einen finanziellen Beitrag zur Deckung der Schulden.

Ursprung in Berlin

Gestartet ist das Unternehmen 1944 in Berlin als Hersteller von Schaufensterfiguren. Gründer Heinz Mordelt nutzte seinen name für das Kürzel Heimo. 1959 siedelte sich die Firma in Jagsthausen an. Bereits ein Jahr später wurde ein Märchenpark eröffnet, der sich rasch zu einem beliebten Anziehungspunkt für Familien entwickelte. Nachdem Nachbarn gegen den Betrieb geklagt hatten, wurde der Park aber 1982 geschlossen. Mehrfache Versuche der Familie Mordelt, an einem anderen Standort in der Region einen neuen Park zu starten, zerschlugen sich.

Probleme seit der Jahrtausendwende

Nach der Jahrtausendwende geriet dafür die Firma in Schwierigkeiten. 2005 wurde ein Großteil der damals mehr als 60 Beschäftigten in eine Beschäftigungsgesellschaft ausgelagert, weil die Aufträge eingebrochen waren. 2010 rutschte Heimo schließlich trotzdem in die Insolvenz. Wie aus der im vergangenen August veröffentlichten Endabrechnung hervorgeht, waren Forderungen von mehr als 1,3 Millionen Euro angemeldet worden. Die Auszahlungsquote erreichte schließlich etwa 30 Prozent.

Größtes Sparschwein der Welt

Am Ende übernahm Michael Friedrich, der vier Jahre zuvor in die Geschäftsführung eingestiegen war, die Nachfolge unter dem Namen Heimotion. Unter anderem baute das Unternehmen 2015 das größte Sparschwein der Welt für die Kreissparkasse Ludwigsburg - das wurde sogar vom Guinness-Buch bescheinigt.

Was die Gründer heute machen

Berlin ist der Ursprungsort von Heimo, und dorthin wollte Gründerenkel Olaf Mordelt 2010 den Betrieb wieder verlagern - zur Überraschung seines Co-Geschäftsführers und der Jagsthausener Verwaltung. Dieser Plan zerschlug sich zwar, inzwischen hat Mordelt aber mit seinem Vater in der Bundeshauptstadt die Firma One World Studio gegründet. Das Unternehmen entwirft, entwickelt und errichtet Figuren und ganze Landschaften.

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