Riesige Dimensionen im Talheimer Steinbruch
Lesersommer-Teilnehmer besichtigten das Werk Robert Bopp der bmk-Steinbruchbetriebe in Talheim. Der Muschelkalk reicht noch 20 Jahre aus. Derzeit wird eine neues Schotterwerk gebaut.
Die 20 Frauen und Männer nehmen die beiden orangefarbenen Markierungen auf der gegenüberliegenden Seite in einer Entfernung von rund 350 Metern ins Visier. Dann ertönt zum zweiten Mal das Signal. Die Spannung steigt. Es donnert gewaltig, eine Staubwolke steigt auf, ein Stück der Wand fällt in sich zusammen. Die Teilnehmer des Lesersommers der Stimme sind beeindruckt von dieser Demonstration im Talheimer Steinbruch.
Etwa 1300 Kubikmeter Stein aus einer der Sohlen hat Sprengmeister Björn Becker mit 240 Kilogramm Sprengstoff "locker" gemacht. Das sind mehr als 2000 Tonnen, etwa eine Tagesproduktion. Manchmal werden bis zu 4000 Tonnen Muschelkalk gesprengt, wie Johannes Roos, zuständig für die Baustoffprüfung und Qualitätssicherung bei den bmk-Steinbruchbetrieben mit Sitz in Talheim, erläutert.
Der Abbaubereich ist das Herzstück
Die Gruppe steht am Fuße des derzeit acht Hektar großen Herzstücks des Robert-Bopp-Werks: dem Abbaubereich mit den terrassenförmig angelegten Sohlen von riesigem Ausmaß und gewaltiger Tiefe. Der Radlader mehr als 60 Meter weiter unten hat die Größe eines Spielzeugfahrzeugs.
In eine Schaufel passen 15 Tonnen Gestein
Diesen Eindruck widerlegt Prokuristin Heike Flickinger-Joos sofort mit wenigen Zahlen. Etwa 15 Tonnen Gestein passen in die Schaufel des Radladers, so dass der Muldenkipper nach vier Schaufeln sein Höchstgewicht von 60 Tonnen Ladung erreicht. Das Fahrzeug, das 40 Tonnen Eigengewicht hat, schnauft mit seinen 630 PS schwerfällig die angelegte Fahrspur im Abbaubereich hinauf zum Vorbrecher mit seinem 15 Tonnen schweren Motor aus Stahl.
Siebstraße funktioniert wie im Sandkasten
"Was man da hört sind die Siebmaschinen", erklärt Flickinger-Joos die Geräuschkulisse des Schotterwerks. Die Siebstraße funktioniere wie im Sandkasten: Das Sieb werde geschüttelt, und die großen Steine fallen ins nächste Sieb darunter und so weiter. Fast glaubt man, das Werk ächzen zu hören, denn es hat mehr als 50 Jahre auf dem Buckel. Die bmk-Steinbruchbetriebe haben eine Abbaugenehmigung am Standort Rauher Stich für weitere 20 Jahre.
Investition für Neubau beläuft sich auf 20 Millionen Euro
"So lange hält das Schotterwerk nicht mehr", sagt die Prokuristin. Der Neubau, der bis Juni 2020 fertig sein soll, zeigt, wie kostenintensiv diese Branche ist: Die Investition beläuft sich auf 20 Millionen Euro. Mit ein Grund für diesen Schritt ist für Flickinger-Joos die "Vision", dass die ausgewiesenen Rohstoffsicherungsflächen in Heilbronn-Horkheim ebenfalls für den Abbau genehmigt werden.
Der Vorteil des neuen Schotterwerks, das auf einem bereits wieder aufgefüllten Bereich errichtet wird: Siebe und Silos werden eingehaust, so dass kein Staub austreten kann, auch die Geräuschkulisse wird sich dadurch verringern.
Alle Körnungsbereiche für Tief- und Straßenbau
Schotter, Splitte und Gemische in allen Körnungsbereichen verlassen die bmk-Steinbruchbetriebe. Eingesetzt werden sie im Tief- und Straßenbau. In Talheim werden an der Waage pro Tag rund 400 bis 500 Lieferscheine für Lkw ausgestellt.
Flickinger-Joos freut sich, wie wissbegierig die Lesersommer-Teilnehmer sind. Roos erzählt ihnen, würde man das Grundwasser nicht abpumpen - 2000 Kubikmeter sind es pro Tag - würde der Steinbruch voll laufen. Das Wasser wird zusammen mit Oberflächenwasser für die interne Versorgung in einem Zwischenbecken gesammelt. Nachdem es in Absetzbecken war, wird es der Schozach zugeführt.
Ein Teilnehmer aus Erlenbach ist nach der zweieinhalbstündigen Führung beeindruckt: Dass so einfache Dinge wie Stein so viel Kompetenz notwendig machten, meint er zum Produktionsprozess.
Historisches und Zahlen
Robert Bopp gründete 1937 den gleichnamigen Steinbruchbetrieb. Vor 20 Jahren fusionierten aus betriebswirtschaftlichen Gründen die Firma mit ihren Werken Talheim und Ilsfeld, das Karl-Majer-Schotterwerk in Gundelsheim und die Firma Alfred Kleinknecht Schotter-Splitt-Mineralbetonwerk in Unterohrn zu den bmk-Steinbruchbetrieben.
Von den 140 Mitarbeitern sind 60 am Sitz in Talheim, wo Heike Flickinger-Joos, die Enkelin von Robert Bopp, Prokuristin ist.
Das Gelände am Standort Rauher Stich ist rund 40 Hektar groß, die Hälfte davon ist schon abgebaut. Mit der Abbaugenehmigung einher geht zwingend eine Rekultivierungsplanung, auch wenn die Verfüllung erst in 30 oder 40 Jahren realisiert werde, erläutert Flickinger-Joos. Die Jahresleistung in Abbau und Aufbereitung liegt in Talheim bei rund 500.000 Tonnen Gestein.

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