Region Heilbronn knapp am süßen Eiswein vorbeigeschlittert
Bei Temperaturen unter sieben Grad minus gefriert die Flüssgkeit in den Traubenbeeren. Winzer können daraus dann Eiswein gewinnen, ein süße Rarität. Christian Hirsch aus Leingarten schlitterte am Dienstag, 14. Januar 2025, knapp daran vorbei.

Als Weingärtner Christian Hirsch aus Leingarten am Montagabend zum Himmel schaute, den Vollmond erblickte und keine Wolken sah, war er sich fast sicher, "dass es klappt". Auch die Wettervorhersage sprach dafür, dass die Temperaturen in den frühen Morgenstunden des Dienstags unter die magische Marke von minus sieben Grad rutschen, die Flüssigkeit in den Traubenbeeren zu Eis werden lassen – und damit die Produktion von süßem Eiswein möglich wäre.
Eisweinlese in Leingarten: Wolkendecke schirmt Kälte von oben ab
Doch es kam anders. Gegen 22 Uhr zog der Himmel zu, Wolken wirkten bis 4 Uhr wie eine Decke und sorgten letztlich dafür, dass es am Dienstagfrüh mit minus fünf Grad in Leingarten laut Hirsch "zu warm" war. Dennoch gibt er die Hoffnung nicht auf und lässt seine "gesunden und saftigen" Spätburgunder-Trauben weiter hängen. Zwar soll das Thermometer in den nächsten Tagen nach oben klettern, "aber im Februar kann es erfahrungsgemäß nochmal richtig kalt werden", weiß der erfahrene Wengerter und Wetterbeobachter, der sich beispielsweise 2021 noch Mitte Februar über eine erfolgreiche Eisweinlese hatte freuen können.
Eiswein: Eine süße Rarität mit viel Aufwand und Kosten
Zuletzt war Hirsch im Dezember 2022 erfolgreich, bei minus elf Grad, was sich in großen Lettern auf dem Etikett seines "Pinot Noir Eiswein Großes Geweih" ablesen lässt, den er für 39,90 Euro pro 0,375-Liter-Fläschchen verkauft. Der zumindest für Württemberger Wein recht hohe Preis resultiere ganz einfach aus dem hohen Arbeitsaufwand und der geringen Ausbeute. So seien am Dienstagfrüh 25 Helfer in den Startlöchern gestanden, die auf einer Fläche von 20 Ar am Leingartener Blindenberg Trauben für maximal 800 kleine Flaschen geerntet hätten.
Dass Eiswein zunehmend zur Rarität wird, ist auch auf die Klimaerwärmung zurückzuführen. Soweit bekannt, hatten im Jahrgang 2024, zu dem die aktuellen Trauben immer noch zählen, nur wenige Winzer Erfolg: in der Nacht auf Montag in Südbaden und im Remstal und am 28. Dezember in Franken.
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