Ratten den Garaus machen
Die Kommunen in der Region gehen gegen die Nagetiere vor. Gift darf nur kontrolliert eingesetzt werden. Privatleute müssen selbst aktiv werden, wenn sie betroffen sind.
"Sagen wir mal so, es werden nicht weniger", sagt Markus Wetzel. Er grinst. Anderen vergeht das Lachen. Ratten in der Kanalisation, Ratten am Gewässer, Ratten, die zu Hause über den Rand der Kloschüssel schauen.
Ganz so dramatisch wie es klingt, ist es nicht, aber alles schon da gewesen. Wie viele Nagetiere sich allein im Kanalnetz der Stadt Heilbronn tummeln? "Auf jeden Bürger kommt mindestens eine", schätzt Markus Wetzel. Er und sein Team rücken der Population zu Leibe.
Köder zeigen, ob Nager vorkommen
Giftköder in die Kanalisation hängen, und die Sache ist erledigt. Ganz so einfach ist das nicht. Hinter der Schädlingsbekämpfung steckt ein enormer Aufwand. Gift darf laut Gesetz nur eingesetzt werden, wenn der Nachweis erbracht ist, dass an einer bestimmten Stelle auch tatsächlich Nagetiere vorhanden sind. Schließlich gelangen die Giftstoffe ins Abwasser.
Konkret bedeutet das: Kolonnenführer Markus Wetzel (46), Georg Müller (61) und Martin Ott (30) öffnen Kanalschächte in einem Umkreis von 200 bis 300 Metern. An einem dünnen Draht lassen sie einen ungiften Köder hinab. Sie schließen den Deckel und sprühen einen roten Punkt darauf. Dann tragen sie Straße und Hausnummer in eine Liste ein. Ein paar Tage später kommen die Drei erneut vorbei und schauen nach. So wie an diesem Tag in der Mittelstraße in Neckargartach. Der Köder am Draht? Fehlt. Ratten haben ihn gefressen.
Gift wirkt zeitverzögert
Erst jetzt dürfen die städtischen Mitarbeiter Gift in den Schacht hängen. Das Spiel wiederholen sie alle paar Tage. So lange, bis der Köder nicht mehr abgefressen ist. Das zeigt den Kanalarbeitern, dass die Ratten fort sind. Einige sind verendet und verwesen im Schacht, andere haben verstanden, dass sie sich an dieser Stelle den Tod holen und ziehen weiter. "Ratten sind schlaue Tiere", sagt Georg Müller, der den Job schon einige Jahrzehnte macht. Das Gift wirke erst drei, vier Tage nach dem Abfraß des Köders. Würden die Nager sofort an Ort und Stelle sterben, würden die anderen sofort die Stelle meiden.
Das Bekämpfen der Tiere, die Krankheiten übertragen, übernehmen Städte und Gemeinden nur auf den kommunalen Flächen. Auf privaten Grundstücken sind die Eigentümer gefordert. Tausende Euro im vierstelligen Bereich gibt zum Beispiel die Stadt Eppingen jedes Jahr für die Rattenbekämpfung aus, sagt Günter Brenner, Leiter des Ordnungsamts. Ab und zu meldeten sich Bürger im Rathaus und geben Hinweise. Städtischer Bauhof und eine Fachfirma kümmern sich dann um die Angelegenheit.
Mitarbeiter ausgebildet
Nahrung lockt Ratten an. "Zum Beispiel wo Futter für Hühner gelagert wird und der Behälter nicht sachgemäß verschlossen ist, kann das Problem auftauchen", heißt es im Bauhof der Stadt Brackenheim. Ein Mal im Jahr reinigt die Kommune flächendeckend die Kanalschächte und bringt Köder aus. Ein Bauhofmitarbeiter verfüge über eine spezielle Schulung und gehe gegen die Tiere vor.
In Heilbronn ist in jüngster Zeit die Gegend ums Schießhaus und der angrenzenden Berufsschule ins Visier der Rattenbekämpfer geraten, sagt Wetzel. Sein Appell an Bürger: Keine Essensreste zu Hause über die Toilette entsorgen oder in der Nähe von Imbissbuden auf die Straße werfen. Bis zu 600 Tiere bilden ein Rudel. Die Arbeit geht den Rattenbekämpfern nie aus.
Strenge Regeln
Ratten- und Mäusegifte sind für die Umwelt problematisch. Die meisten von ihnen sind schwer abbaubar, reichern sich in anderen Lebewesen an und können zu Vergiftungen bei Haus- und Wildtieren führen, heißt es beim Bundesumweltamt. Daher gebe es strenge Regeln für die Anwendung. Privatleute finden im Handel Bioprodukte für den Kampf gegen nur wenige Tiere oder sie beauftragen einen Kammerjäger.

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