Pro Region-Gründer Frank Stroh scheidet aus dem Beirat des Vereins aus
Nach 25 Jahren Engagement scheidet Pro Region-Gründer Frank Stroh im September aus dem Beirat des Vereins aus. Im Interview sprechen wir mit ihm darüber, wie sich die Region seither entwickelt hat.

Seit 25 Jahren setzt sich Frank Stroh für die Region Heilbronn-Franken ein. 1997 hat der 76-Jährige gemeinsam mit Reinhold Würth die Bürgerinitiative pro Region gegründet, um "gemeinsam Lärm" zu machen. Im September gibt er sein Amt als stellvertretender Vorsitzender des Beirats ab. Leiser wird er deshalb noch lange nicht. Im Interview erklärt der Wahl-Eppinger, warum ihm die Region nach wie vor am Herzen liegt.
Es ging Ihnen von Anfang an darum, das Wir-Gefühl in der Region zu stärken. Was bedeutet das?
Frank Stroh: Wir wollten vermitteln, dass wir in einer tollen Region leben, landschaftlich, kulturell und wirtschaftlich. Damit sich daraus ein gewisser Stolz entwickelt. Aber das ist eine Aufgabe, die Jahrzehnte dauert.
Wie sah die Region vor 25 Jahren aus und warum brauchte sie eine Bürgerinitiative?
Stroh: Die Region hieß schon Heilbronn-Franken, aber es gab keine Klammer. Wir haben 1996/97 in der Elektro- und Metallindustrie im Unterland mehr als 10.000 Arbeitsplätze verloren. Da wollten wir ein Zeichen setzen, dass die Region das nicht einfach hinnimmt, sondern sich auf ihre gemeinsamen Kräfte besinnt.
Sie trafen Reinhold Würth zum ersten Mal bei der Podiumsdiskussion, bei der die Idee von pro Region geboren wurde. Wussten Sie gleich, dass die Zusammenarbeit mit ihm funktionieren würde?
Stroh: Ich habe gleich gedacht, wenn's einer packt, dann der. Er hat deutlich mehr Gewicht als ich. Ich bin dann mit einem Satzungsentwurf zu Reinhold Würth gepilgert und habe Vorschläge gemacht, wen man bei pro Region einbinden sollte. Wir waren uns da schnell einig. Interessant war die Reaktion der Präsidenten der Kammern, die meinten, das gibt es doch alles schon.
Sie haben von Anfang an gefordert, man müsse Lärm machen für die Region. Warum?
Stroh: Weil man sonst nicht gehört wird. Man muss alle Kräfte einbinden und die Stimme erheben, wenn man etwas erreichen will. Aber natürlich kann man nicht nur auf die Pauke hauen. Wir haben im Hintergrund viel Überzeugungsarbeit geleistet.
War es schwer, die mächtigen Männer der Region von Ihrer Idee zu überzeugen?
Stroh: Eigentlich nicht, weil wir ihnen klar gemacht haben, dass wir ihnen von ihrer Macht nichts wegnehmen, aber dass wir mehr gewinnen, wenn wir gemeinsam vorangehen.
Dabei waren anfangs tatsächlich nur Männer involviert. Ist Wirtschaftsförderung Männersache?
Stroh: In den Gremien saßen eben fast nur Männer, und dann müssen Sie mit denen reden, wenn Sie etwas erreichen wollen. Aber das hat sich zum Glück geändert.
Was hat sich in 25 Jahren sonst noch getan?
Stroh: Vor 25 Jahren gab es wenig Gemeinsamkeit, bis auf die Handwerkskammer und die IHK gab es keine Klammer für die Gesamtregion. Früher hat man nicht so gerne über den Tellerrand geschaut. Die Wirtschaftsförderung zum Beispiel war ein Graus. Heute haben wir eine wesentlich bessere Zusammenarbeit zwischen den Führenden in der Region, der Generationswechsel, der sich da vollzogen hat, hat der Region gutgetan. Die Kirchtürme sind kleiner geworden, die handelnden Personen haben erkannt, dass es Zusammenarbeit braucht. Beim Bündnis für Transformation, das wir initiiert haben, wird sichtbar, was in der Region drinsteckt, um gemeinsam Zukunftsfelder zu bestreiten.
Trotzdem gibt es noch Wirtschaftsförderer auf allen Ebenen. Macht das Sinn?
Stroh: Die einzelnen Wirtschaftsförderer der Kreise machen einen guten Job. Und die Zusammenarbeit und der Austausch mit der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken ist sehr gut.
Die Gemeinsamkeit zelebriert pro Region auch bei den Regionaltagen. Brauchen die Menschen immer ein Fest, um Ihre Arbeit wertzuschätzen?
Stroh: Man muss den Leuten ein Angebot machen und ein Rahmenprogramm bieten. Bei den Regionaltagen geht es darum, als pro Region bekannt zu werden und das breite Spektrum der Region vorzustellen. Die Bürgermeister freuen sich über die Regionaltage, weil es ihre Gemeinden aufwertet und viele Menschen kommen.
Tourismus ist allerdings ein Stichwort, bei dem die Region nicht mit einer Stimme spricht.
Stroh: Die einzelnen Tourismusgemeinschaften machen Sinn, aber die Koordinierung ist wichtig. Da nehmen wir gerade Fahrt auf. Die Landräte haben erkannt, dass lange Zügel gut sind, damit sich ihre TGs mehr vernetzen und die Region gemeinsam vermarkten. Das ist die halbe Miete. Aber wir haben ein Problem bei der Begrifflichkeit: Unter Schwarzwald kann sich jeder was vorstellen, unter Heilbronn-Franken nicht.
Wie sehen Sie insgesamt die Zukunft der Region?
Stroh: Uns stehen schwierige Zeiten bevor. Gerade in der Automobilindustrie - viele Arbeitsplätze hängen am Verbrenner. Das kommt ein starker Einschnitt auf die Region zu. Es wird entscheidend darauf ankommen, ob es uns gelingt, die Menschen bei dem Wechsel mitzunehmen. Aber der Druck schweißt auch zusammen.
Was kann pro Region dabei tun?
Stroh: Pro Region bleibt eine der wenigen Klammern für die Region, weil der Verein eigenständig ist und nicht von einzelnen Kreisen oder Verwaltungen abhängig ist. Aber es ist ein tägliches Mühsal, ein Prozess, der nie abgeschlossen ist. Wir brauchen eine noch bessere Zusammenarbeit. Die IHK hat sich dabei ausgeklinkt, aber vielleicht kommt irgendwann die Einsicht, dass man eine Fehlentscheidung revidieren kann. Denn wer die Zukunft der Region mitgestalten will, muss sich auch einbringen. Die Chance könnte jetzt mit der neuen Präsidentin da sein. Ich befürchte aber, das wird nichts.
Bei allen Herausforderungen, ist das ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören?
Stroh: Ein Großteil der Personen, die pro Region mit aufgebaut haben, sind in den vergangenen Jahren ausgeschieden und wenn sich das Netzwerk ändert, ist es Zeit, aufzuhören. Ich bleibe Vereinsmitglied, aber ohne Funktion. Vorstand und Beirat sind gut aufgestellt. Ich hoffe, ich bin so schlau, mich künftig zurückzuhalten. Es gibt nichts Schlimmeres als die Altvorderen, die alles besser wissen, obwohl sie nicht im Prozess sind.
Sie bleiben aber Kreisvorsitzender beim VdK und im Landesvorstand des Sozialverbands?
Stroh: Meine Amtszeit beim VdK läuft bis 2024, so lange mache ich in leitender Funktion weiter. Ich kann mir ehrlich gesagt auch gar nicht vorstellen, gar nichts mehr zu machen.
Pro Region ist gut aufgestellt. Wie sieht es mit dem Nachwuchs beim VdK aus?
Stroh: Es ist schwierig, aber das ist insgesamt ein Problem des Ehrenamts. Keiner will mehr Verantwortung übernehmen. Wir sind in einer Gesellschaft, in der gern genommen, aber wenig gegeben wird. Aber es gibt auch immer wieder Glücksfälle, wir wachsen nach wie vor.
Bleiben Sie im Ruhestand Kraichgauer?
Stroh: Ja, ich fühle mich wohl als zugereister Eppinger. Im Kraichgau gibt es alles, was man braucht: schöne Landschaft, nette Leute, gute Gastronomie, gute Weine. Wer das nicht genießt, ist selbst schuld.
Zur Person: Frank Stroh war IG-Metall-Bevollmächtigter in Neckarsulm und Pressesprecher der IG Metall Baden-Württemberg. 2008 ging der heute 76-Jährige in den Ruhestand. Seit zehn Jahren ist Stroh VdK-Kreisverbandsvorsitzender in Heilbronn, außerdem seit 2020 stellvertretender Bezirksverbandsvorsitzender des VdK Nordwürttemberg und Mitglied des Landesverbands. Der gebürtige Hesse wohnt in Eppingen.
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