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Kaffee soll teurer werden: So reagieren Café-Betreiber aus der Region Heilbronn

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Das Lieblingsgetränk vieler Menschen wird teurer: Nach der ankündigten Kaffeepreiserhöhung wächst der Druck auf Cafés und Restaurants. Regionale Branchenvertreter befürchten, dass sich das Gastrosterben beschleunigt.

Einen Milchkaffee im Frühling in der Fußgängerzone genießen: Das Vergnügen dürfte für Kaffeeliebhaber bald teurer werden. Denn die großen Kaffeeröster haben deutliche Preiserhöhungen angekündigt.
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Einen Milchkaffee im Frühling in der Fußgängerzone genießen: Das Vergnügen dürfte für Kaffeeliebhaber bald teurer werden. Denn die großen Kaffeeröster haben deutliche Preiserhöhungen angekündigt. Foto: dpa  Foto: Bernd Weißbrod

Die Inflationsrate nähert sich nach den Höchstständen vor einem Jahr wieder normalen Verhältnissen. Eine Rückkehr zu günstigen Lebensmittelpreisen wie in der Vor-Corona-Ära bedeutet das aber nicht.

Und die Gastronomiebranche, die gerade die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung verkraften musste, schreckt eine weitere Hiobsbotschaft auf: Der Kaffee, Lieblingsgetränk der Deutschen, soll teurer werden. Marktführer Tchibo hat dieser Tage eine Preiserhöhung von bis zu einem Euro pro Pfund angekündigt.

Kaffee soll teurer werden: Was bedeutet das für Café und Restaurants?

Der Hamburger Konzern begründet den Schritt mit höheren Weltmarktpreisen und steigenden Kosten. Da Tchibo als Signalgeber gilt, zeichnet sich eine Kaffeepreiserhöhung auf breiter Front ab.

Für Restaurants und Cafés, die gerade die Rückkehr zur Mehrwertsteuer von 19 Prozent in ihre Speisekarte eingearbeitet haben, droht damit neuer Ärger. "Wir leben in der Gastronomie derzeit gerade in einer Rechtfertigungshaltung und müssen ständig unsere Preise erklären", spricht Martin Kübler von einer derzeit ohnehin negativen Stimmung in der Branche. "Das Tempo, in dem die schlechten Nachrichten auf uns einprasseln, ist nicht mehr zu fassen", klagt der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Landkreis Heilbronn.

Kübler nennt neben der Mehrwertsteuererhöhung vor allem Bierpreise, Lieferantenzuschläge, Lohnerhöhungen und Energiekosten, die auf die Gäste umgeschlagen werden müssten. "Letztendlich kommt das alles auf den Endverbraucher zu", klagt Kübler. Die Folgen: Die Gäste kämen, aber sie kämen generell seltener. "Wir werden ein Gastronomiesterben bekommen", ist sich Kübler deshalb sicher. Vor allem ältere Gastronomie mit ungeklärter Nachfolge wurden derzeit vermehrt aufgeben.

Kaffee wird teuer: Preiserhöhung wird an Kunden weitergegeben

"Die Kaffeepreiserhöhung trifft die Unternehmen in einer Zeit, in der Preiserhöhungen zur Tagesordnung gehören", unterstreicht Verbandskollege Thomas Aurich. Der Dehoga-Stadtchef rechnet für ein gut gehendes Café mit monatlichen Mehrkosten in Höhe von einigen hundert Euro. Aurich sieht ebenfalls keine anderen Möglichkeiten, als die Preiserhöhungen an die Kunden weiterzugeben, um zu überleben. "Print or got", heißt für den 68-Jährigen derzeit die Devise in der Branche.

Für Michaela Trunk ist die Meldung ein Schock. "Um Gottes Willen", entfährt es der Geschäftsführerin von Trunk dreierlei, als sie mit der drohenden Kaffee-Preiserhöhung konfrontiert wird. "Klar müssten wir die Preiserhöhung weitergeben", betont Trunk, die ein Café, ein Bistro und eine Bäckerei in Obersulm-Willsbach betreibt. "Bei uns ist der Kaffee das Hauptgeschäft", unterstreicht die Geschäftsführerin. Da würde eine Preiserhöhung um einen Euro pro Pfund deutlich ins Gewicht fallen.

Welches in Heilbronn die besten Cafés zum Frühstücken sind, erfahren Sie hier.

Heilbronner Café Schümli: Das sagt der Betreiber zu den Kaffeepreisen

"Wir werden unsere Kaffeepreise derzeit noch nicht anpassen", will Ergjan Terici dagegen noch abwarten. "Ich habe lieber einen vollen Laden und zufriedene Kunden", betont der Betreiber des Café Schümli in der Heilbronner Innenstadt. Bei den Speisen will Terici dagegen "geringe Preisanpassungen" vornehmen, wie er sagt.

Die Kunden nehmen die Ankündigung noch relativ gelassen. "Kaffee trinken gehen, das mach ich schon täglich", sagt Serpil Celep. Die 35-jährige Heilbronnerin will sich davon auch nicht abhalten lassen, wenn die einzelne Tasse teurer wird. Aber sie achte in der Regel darauf, dass das Angebot günstig ist und geht deshalb auch gerne zu Bäckereien, die eine Bonus-Stempelkarte anbieten. "Für einen guten Kaffee gebe ich aber schon auch mal mehr aus", erklärt sie: "Das werde ich vermutlich auch so beibehalten." Melanie Stock denkt dagegen daran ihr Verhalten zu ändern: "Wenn die Preise weiter steigen, mach ich künftig lieber zu Hause einen Kaffee", sagt die 48-Jährige.

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