Polizeihunde: Gute Spürnasen ohne Zauberstab
Polizeihunde haben viele Fähigkeiten, stoßen aber auch an Grenzen. In Offenau werden die Tiere zu Spürhunden für Straftäter, Sprengstoff, Drogen oder Brandmittel ausgebildet. Echte Mantrailer hat die Polizei aber nur in Göppingen stationiert.

Neo steht zu Kommissar Rex in einem ähnlichen Verhältnis wie Hans-Jürgen Ott zu James Bond. Polizeihund Neo kann viel, aber nicht so viel wie der vierbeinige Serienheld. Und der Chef der Polizeihundestaffel in Offenau rettet nicht jeden zweiten Tag im Alleingang die Welt. Jenseits aller Fiktion ist aber klar: Hunde bringen Fähigkeiten mit, die sich die Menschen zunutze machen. Der Fall Rebecca illustriert das anschaulich. Auf der Suche nach dem Mädchen kamen immer wieder Suchhunde zum Einsatz.
Hundeführer legt Spur auf Trainingsgelände
Hans-Jürgen Ott läuft über einen Acker, tritt fest auf, in regelmäßigen Abständen lässt er Leckerlis fallen. Ott bereitet eine Trainingseinheit für seinen Hund Neo vor. Von all dem bekommt der Schäferhund nichts mit. Er sitzt noch ahnungslos in seiner Box auf dem Gelände der Polizeihundestaffel. Ott öffnet die Box, lässt seinen Partner heraus. Der schaut sich um, prüft erst mal lässig, welche anderen Vierbeiner in der Gegend unterwegs waren.
Doch als ihm Hans-Jürgen Ott die Suchleine anlegt, nimmt Neo sofort Diensthaltung an. Die Körperspannung verändert sich, die Nase weist Richtung Boden. Ott zeigt ihm den Beginn der Spur. Konzentriert und in schnellem Rhythmus schnüffelnd, folgt der Hund der vorbereiteten Fährte.
Sechs Mantrailer bei Polizeipräsidiuum Göppingen
Neo kann also einer Spur folgen. Etwa dann, wenn nach einem Einbrecher gefahndet wird. Neo ist aber kein Mantrailer. Das sind Hunde, die gezielt einen bestimmten Menschen suchen können. Deren Ausbildung bereitet großen Aufwand. Beim Polizeipräsidium Göppingen sind sechs solcher Hunde stationiert. Nach Auskunft der Pressestelle kommen sie in ganz Baden-Württemberg, auf Anfrage auch in anderen Bundesländern, zum Einsatz. "Die Ausbildung dauert 24 Monate", erklärt ein Polizeisprecher. Prüfungen seien jedes Jahr zu wiederholen. Angaben zu Erfolgsquoten könnten nicht gemacht werden, da bei Einsätzen mehrere Faktoren eine Rolle spielen.
Hunde orientieren sich an Veränderungen des Bodens
Neo orientiert sich, wenn er einen Straftäter verfolgen soll, an Veränderungen des Bodens. "Dort, wo ein Fuß aufgetreten ist, verändern sich die Mikroorganismen", erklärt Hans-Jürgen Ott. Und das können die Hunde riechen. Mantrailer ergänzen diese Methode mit Individualspuren. Im Klartext: Jeder Mensch verliert ständig - individuell riechende - Hautschuppen. Die Tiere bekommen ein T-Shirt des Gesuchten unter die Nase. Der Hund soll sich dann an der Hautschuppenspur entlangwittern. Was im Gegensatz zur Film-Fiktion natürlich nicht immer gelingt.
Personensuche ist für die Hunde extrem anstrengend
Nur wenige Rassen eignen sich für diese Arbeit. Der Bayerische Gebirgsschweißhund gehört beispielsweise dazu. "Diese Rasse wird seit Jahrhunderten für die Jagd gezüchtet", erzählt Ott. Während andere Einsatzhunde ständig mit Leckerlis, Lob oder Spielzeug belohnt werden wollen, seien Mantrailer allein deshalb glücklich, weil sie Fährten folgen dürfen. "Personensuchen sind für die Hunde unglaublich anstrengend", erklärt Ott. Körperlich, und weil sie sich stark konzentrieren müssen.
Dass Hunde diesen Dienst überhaupt verrichten können, liegt an ihrer Nase. "Der Mensch hat fünf Millionen Riechzellen, beim Hund sind es 220 Millionen." Ein anderer Vergleich: Zweibeiner könnten eine Tomatensuppe als Ganzes riechen, Hunde die einzelnen Zutaten isolieren. Dazu komme, dass Hunde in schneller Abfolge schnüffeln und dadurch viel mehr Luft umwälzen.
Nach 48 Stunden ist die Spur auch für Hundenasen wertlos
Anders als James Bond hält sich Hans-Jürgen Ott mit spektakulären Aktionen oder Aussagen zurück. Im Gegenteil. Er warnt vor Übertreibungen, die den Hunden Fähigkeiten zuschreiben, die sie gar nicht haben. "Eine Spur zu verfolgen, die älter als 48 Stunden ist, ist zum Beispiel gar nicht möglich."
Die Polizeihundestaffel in Offenau gehört zum Polizeipräsidium Heilbronn. Entsprechend reicht ihr Einsatzgebiet bis Bad Mergentheim. Zu ihren Aufgaben gehört es, nach Straftätern zu fahnden, nach Rauschgift, Sprengstoff, Leichen oder Brandmitteln zu suchen. Die 23 Hunde sind spezialisiert auf ihre Aufgaben. Vierbeiner und Hundeführer bilden ein festes Gespann, auch privat. Die Rettungshundestaffel Unterland verfügt ebenfalls über Personensuchhunde.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare