Ohne Ehrenamtliche könnten die Museen in Bad Wimpfen nicht öffnen
Über ein Dutzend Ehrenamtlicher gewährleistet die Öffnungszeiten von Steinhaus, Pfalzkapelle und Altem Spital. Der Kontakt zu Menschen ist für sie ein Grund für den Dienst - auch über Ostern.

Sie sind ganz wichtige Botschafter für uns", sagt Bürgermeister Claus Brechter. Er spricht von den mehr als einem Dutzend Ehrenamtlichen, die es möglich machen, dass in Bad Wimpfen drei Museen geöffnet sind.
"Für unsere Größe haben wir eine unglaubliche Anzahl von Museen, die nur existieren kann, weil wir den Verein Alt Wimpfen haben", fügt der Stadtchef von rund 7000 Einwohnern hinzu. Helga Lauko, Wolfgang Niecke und Reinhard Zimpel versehen am Ostersonntag ihren Dienst.
Wolfgang Niecke macht keine Mittagspause
Es ist zugig und kalt im Steinhaus. Der Wind rumpelt durch das Gemäuer, das um 1500 umgebaut wurde. Wolfgang Niecke hat im Kassenhäuschen einen Heizstrahler angeschaltet. Seinen Laptop hat er mitgebracht, dazu eine Kanne heißen Kaffee und Essen in der Kühltasche.
Der 69-Jährige öffnet durchgehend das Historische Museum, auch wenn eigentlich zwei Stunden Mittagspause vorgesehen sind. "Es macht mir Spaß, mit Leuten in Kontakt zu kommen", begründet der Wimpfener, warum er seit fast zehn Jahren Aufsicht übernimmt.
"Ich kann mein Englisch aufbessern, und ein bisschen Spanisch spreche ich auch." So kann er Fragen des internationalen Publikums beantworten zu den Exponaten aus der Vor- und Frühgeschichte, der Staufer- und Kaiserpfalz-Zeit sowie dem römischen Wimpfen. "Ich habe mir das alles autodidaktisch beigebracht", sagt Niecke, der sich schon in seiner Kindheit für die Römer interessiert hat.
Geschichte wird an authentischen Orten präsentiert
"Es gibt immer etwas Spannendes zu entdecken", sagt Susanne Blach, die zum Stammpublikum in den Museen ihres Wohnorts gehört. Nicht nur weil sie von Berufs wegen selbst eines leitet, das Theodor-Heuss-Museum in Brackenheim.
Staufische Geschichte an einem authentischen Ort zu erleben, das findet sie faszinierend. Besonders das Kirchenhistorische Museum ein paar Schritte weiter liegt ihr am Herzen. In der Pfalzkapelle fragt sie sich, wie man hier vor 800 Jahren wohl den Ostergottesdienst gefeiert hat.
Reinhard Zimpel freut sich besonders über Familien

Während Blach auf ihr Lieblingsexponat - einen gestickten Wandbehang aus dem 15. Jahrhundert - zusteuert, hat Reinhard Zimpel keinen Favoriten, nicht einmal unter den beeindruckenden Epitaphien. Jedes Stück sei auf seine Weise wunderschön, meint der Ruheständler, der an diesem Morgen noch auf Besucher wartet.
Vor allem über Familien freut er sich immer. Die Kinder nähmen die schönen Erlebnisse in ihrer Seele auf. "Es gibt Leute, die rasen nur durch, weil sie es gesehen haben müssen. Andere schauen sich jedes Exponat in seiner Genauigkeit an", nennt Zimpel, der ein bis zwei Mal die Woche Aufsicht macht, die Unterschiede.
"Ich erzähle ein bisschen von der Geschichte der Stadt", gibt auch Helga Lauko ihr Wissen an die Besucher im Reichsstädtischen Museum weiter. Und sie weiß natürlich die Antwort auf die viel gestellte Frage, warum der Blaue und der Rote Turm so heißen. "Soll ich zu Hause sitzen?", meint die Rentnerin, die seit 13 Jahren mit Leib und Seele dabei ist.
Nettes und aufgeschlossenes Publikum

Am Wochenende übernimmt sie auch Dienstleistungen der Tourist-Info. "90 Prozent sind nette, aufgeschlossene Leute", sagt sie über das Publikum. Wird der Tag nicht lang, wenn niemand kommt? Lauko schüttelt den Kopf. "Ich beschäftige mich, ich lese."
"Hätten wir die Ehrenamtlichen nicht, dann müssten wir zumachen", schätzt auch Günther Haberhauer, Vorsitzender des Vereins Alt Wimpfen, den Einsatz der etwa 15 Frauen und Männer, die eine kleine Aufwandsentschädigung erhalten.
Er ist zufrieden mit der Publikumsresonanz. "Wenn wir eine Dankeschön kriegen aus Sydney, dann sind wir glücklich", sagt der Stadtarchivar.
Verein Alt Wimpfen
Die Stadt Bad Wimpfen ist Eigentümerin der drei Museen, betrieben werden sie allerdings vom Verein Alt Wimpfen. Er gewährleistet mit Ehrenamtlichen die Öffnungszeiten, ist für den Inhalt und die Museumskonzeption zuständig, vor allem in der Person des Vorsitzenden Günther Haberhauer, Ehrenbürger der Stadt. In Steinhaus und Pfalzkapelle sind es laut Haberhauer von April bis Oktober rund 1000 beziehungsweise 1300 zahlende Besucher, im Alten Spital 800 Besucher im Jahr.
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