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Neckarsulm

Neckarsulmer wollen ihre Gurr-Brezel zurück

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Der Neckarsulmer Karlheinz Gembries setzt sich dafür ein, dass die beliebte Gurr-Brezel wieder gebacken wird. Die Bad Friedrichshaller Bäckerei sichert das zu. Warum das gute Stück gerade nicht hergestellt werden kann? Das hat mit dem Ofen zu tun.

Johannes Hirth senior (vorn) hat die Bäckerei von Peter Gurr (rechts) gepachtet. Dessen Brezeln kommen zurück, das hört Karlheinz Gembries gern.
Foto: Simon Gajer
Johannes Hirth senior (vorn) hat die Bäckerei von Peter Gurr (rechts) gepachtet. Dessen Brezeln kommen zurück, das hört Karlheinz Gembries gern. Foto: Simon Gajer  Foto: Gajer, Simon

Es kommt vermutlich nicht so häufig vor, dass sich der Adressat einer Unterschriftenliste über eine solche Sammlung freut. Doch in der Bad Friedrichshaller Bäckerei Hirth ist das der Fall. Auch der Anlass ist ungewöhnlich: Es geht darum, dass eine ganz bestimmte Brezel wieder gebacken wird.

Der Ofen ist mitentscheidend für den Geschmack

Brezel ist nicht gleich Brezel. Das merkt schnell, wer sich mit Johannes Hirth, Seniorchef der gleichnamigen Bäckerei in Bad Friedrichshall, unterhält. Da spielt die Laugenkonzentration genauso eine Rolle wie die Außentemperatur, das Wasser und die Dauer, wie lange der Teig geknetet wird. Mal kann die Brezel einen Tick zu lang im Ofen sein, mal zu kurz. Und vor allem: Auch der Ofen ist mit entscheidend über den Geschmack. Und damit beginnt die Geschichte, die aber auch mit der Corona-Pandemie zu tun hat.

Die Bäckerei Hirth pachtet seit sechs Jahren die Bäckerei Gurr in Neckarsulm, und eigentlich werden dort weiterhin die Brezeln nach dem Originalrezept der Familie Gurr gebacken. Weil aber mit Corona viele Feste weggebrochen sind, Familie Hirth aus wirtschaftlichen Gründen vorübergehend die Backstube in Neckarsulm schloss, sind Gurr-Brezeln nicht mehr machbar. Denn: In der Neckarsulmer Backstube liegen die Teiglinge direkt auf dem Steinboden im Ofen, in der zentralen Backstube von Hirth in Bad Friedrichshall-Jagstfeld nicht. Dort schieben die Mitarbeiter die Brezeln auf einem Backblech in den Ofen. Um eine Gurr-Brezel zu erhalten, braucht man also nicht nur das Teig-Rezept, sondern auch den richtigen Ofen. "Das sind alles Faktoren, weil es ein handwerkliches Produkt ist", sagt Johannes Hirth.

Karlheinz Gembries gibt zu: "Ich habe nicht an den Ofen gedacht." Er merkte nur, dass Gurr-Brezeln nicht mehr vorhanden sind und sammelte Unterschriften. Viele wünschen sich die Ware zurück, denn 127 Unterstützer zeichneten das Papier. Das waren weit mehr, als er erwartet hatte. Seine Liste ist mehr als der Wunsch, eine Brezel zu erhalten. "Das ist für mich auch eine Wertschätzung des Handwerks." Er spricht über Bäckereien ohne Backstube und darüber, dass manchmal Rohlinge nur aufgebacken werden - davon hält er gar nichts. "Ich sehe die Unterschriftenliste positiv", sagt deshalb auch Seniorchef Johannes Hirth. Dass die Gurr-Brezel beliebt ist, merkte er an den vielen Reaktionen aus der Stadt. Zahlreiche Neckarsulmer hakten nach. Um ihnen die Unterschiede bei der Herstellung anschaulich zu zeigen, führte Hirth sie sogar durch die Backstube in Jagstfeld.

Stolz auf die Neckarsulmer Unterstützung ist auch Peter Gurr, der das Rezept von seinem Vater Hans übernommen hat. "Wir haben uns einen Namen geschaffen." Johannes Hirth bekennt sich zum Standort Neckarsulm. Die Backstube in der Kernstadt gehe wieder in Betrieb, sobald es wirtschaftlich vertretbar ist. Bis dahin sind die Mitarbeiter in Jagstfeld eingesetzt. Dass es die Gurr-Brezeln wieder geben wird, ist für Karlheinz Gembries eine Erleichterung. "Darüber bin ich froh", sagt der Initiator der besonderen Aktion.

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